Europäische Entwicklerstudios haben nicht nur ein Faible für Rollen- und Strategiespiele, sondern auch für Denk- und Geschicklichkeitsspiele. Das niederländische Entwicklerstudio Two Tribes beweist dies 2001 mit Toki Tori für den GameBoy Color.
Seit dem Release sind nun mehr elf Jahre vergangen und endlich hat das Spiel seinen Weg in den eShop des Nintendo 3DS gefunden. Grund dafür dürfte wohl die Veröffentlichung von Toki Tori 2 für den eShop der Wii U im April 2013 sein, um die Spieler auf den zweiten Teil einzustellen. Wie sich das für Geschicklichkeitsspiele gehört, ist die Handlung zweitrangig, doch beginnt sie mit einem schönen Tag auf einer namenlosen Hühnerfarm. Unbesorgt picken die Hühner ein Korn nach dem anderen auf, doch dann werden plötzlich alle Eier aus dem Stall gestohlen. Ein Ei wird dabei jedoch zurückgelassen und zufällig schlüpft gerade in dem Moment aus diesem Ei der titelgebende Held Toki Tori. Obwohl das Küken gerade erst aus dem Ei geschlüpft ist, beschließt Toki Tori, die Entführer zu suchen. Gerade noch kann der Hühnerheld den Hügel mühselig erklimmen, um zu schauen, in welche Himmelsrichtungen seine Brüder und Schwestern entführt wurden. Zugegeben klingt das alles sehr weithergeholt, doch logischer könnte der Aufhänger für das nachfolgende Abenteuer nicht sein. Dutzende Levels warten nämlich nur darauf, von uns erforscht zu werden. Ziel eines jeden Level ist es, jedes einzelne Ei einzusammeln und am Ende die große Reunion zwischen allen Küken zu feiern. Dass dieses Unterfangen nicht ganz ohne Gefahren auskommt, dürfte klar sein.
Geplantes Vorgehen
So durchkämmen wir zunächst noch die relativ freundlichen Forest Falls, um danach im Creepy Castle auf schaurige Gespenster zu treffen. Anschließend machen wir noch die Slime Cave und die Bubble Barrage unsicher. Auf den ersten Blick macht das Spielgeschehen den Eindruck, dass es sich hierbei um ein Jump ’n’ Run handelt, doch das stimmt nur zum Teil. Toki Tori kann man zwar springen, doch dieser Sprung ist so unscheinbar, dass er nur für eine einzelne kleine Stufe reicht. Viel mehr müssen wir unseren Weg durch die Levels im Vorfeld planen, denn um jedes Ei einzusammeln (was für den Abschluss eines Levels erforderlich ist), müssen wir wohl überlegt vorgehen. So kann man sich eigentlich relativ sicher sein, dass das Ei in einer Grube wohl das letzte Ei ist, was wir in dem jeweiligen Level einsammeln sollten. Es gibt jedoch auch Items, welche die Levels sehr viel facettenreicher machen. Beispielsweise können wir mit der Fähigkeit Brückenbauer ein kleines Brückenstück auf einem Abgrundfeld platzieren, um dieses unbeschadet zu überqueren beziehungsweise zu einem Ort zu gelangen, an dem wir ohne diese kleine Brücke niemals gelangt wären. Mit dem Telewarp können wir ein unüberwindbares Feld auslassen, um so etwa eine Felswand mittels Teleportation zu umgehen. Liegen Blöcke im Weg, verändern wir mit Ziegelschaltern einfach ihre Position.
Kombinierbares Item-Repertoire
Schon nach wenigen Minuten bekommen wir es in Toki Tori mit dem ersten Gegner zu tun. Da unser Held, das Küken, für eine direkte Konfrontation viel zu schwach ist, müssen wir hier ebenfalls zu einem Item greifen – der Gefrierautomatik. Mit diesem Gewehr können wir Feinde einfrieren und den daraus entstandenen Eisblock womöglich noch als Überbrückung dienen. Um Geister loszuwerden, empfiehlt es sich sogar, die eine oder andere Geisterfalle zu errichten. Wo genau wir die Items einsetzen sollen, erkennen wir, wenn wir die Augen des Kükens benutzen und uns im gesamtem Level frei umschauen können (der Timer läuft in dem Falle aber trotzdem weiter). Egal wie wir es wenden oder drehen – bereits nach wenigen Levels müssen wir die verschiedenen Items allesamt miteinander kombinieren, denn manche Items können sowohl für die eine als auch die andere Situation genutzt werden. Nur wer clever vorgeht, kann Toki Tori auch zu einem Abschluss bringen. Die ganz schwierigen Levels einer Spielwelt lässt uns der Titel aber freundlicherweise auch überspringen. Hardcore-Spieler werden sich vor etwaigen Herausforderungen aber selbstverständlich nicht drücken. Toki Tori besticht nahezu durchgehend mit einer liebevollen Grafik, einem munteren Soundtrack und vielen interessanten Spielideen, die auch heutzutage noch taufrisch wirken.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Virtual-Console-Fassung): Einen Kontakt mit Toki Tori hatte ich zuletzt auf einem Event von Nintendo in Köln, wo ich die Wii-U-Fassung des zweiten Teils anspielen konnte. Diese hatte allerdings noch einige kleine Kinderkrankheiten und krankte teilweise auch an Bugs. Zum Glück lag das aber wohl nur an der Vorführungsversion, denn die GameBoy-Color-Ausgabe, die es nach langer Zeit endlich in den eShop des Nintendo 3DS geschafft hat, hat diese Fehler nicht. Von der ersten Minute an kann mich Toki Tori überzeugen, denn die Entwickler haben es nicht versäumt, den Schwierigkeitsgrad leicht ansteigend zu programmieren und hin und wieder mir die eine oder andere Kopfnuss in den Weg zu legen. Langweilig, uninteressant und anspruchslos wird es also nie! Bemerkenswerter ist dabei sogar, dass die meisten Spielideen heutzutage zwar schon in dem einen oder anderen Spiel in abgewandelter Form auftauchen, doch die Grundsätze in Toki Tori noch allesamt taufrisch wirken. Das einzige, was ich bisher am Spiel bemängeln kann, ist, dass der Soundtrack zwar mit munteren Melodien punktet, diese sich aber zu wenig abwechseln. Ein Fehler, den man unter Umständen aber getrost ignorieren kann. In erster Linie geht es um die Geschicklichkeitseinlagen von Toki Tori und diese funktionieren auch heute, elf Jahre nach dem Release, noch bestens!