Review: The Guest

The Guest (1)Normalerweise öffnet man nicht jedem Fremden seine Tür und lässt dabei vor allem nicht jeden Unbekannten in sein Haus. Laura Petersen hingegen sperrt in ihrer Verzweiflung die Haustür auf, denn der junge Mann scheint ihren verstorbenen Sohn Caleb gekannt zu haben.

The Guest (2)Caleb Petersen ist im Nahen Osten während eines Einsatzes gefallen. Während Lauras Mann Spencer und die Kinder Anna und Luke mit dem Verlust langsam zurechtkommen, kann sie sich nicht aus ihrer Trauer befreien und verfällt in Depressionen. Gerade als sie einen neuen Tiefpunkt erreicht hat, klingelt David Collins an ihrer Haustür. Sie öffnet ihm bereitwillig die Tür, als er erzählt, dass er zusammen mit Caleb in der Armee gedient habe. Sie freut sich über sein Kommen, denn nur so gelingt es ihr, ihre Erinnerungen an ihren Sohn zu verarbeiten. Er besucht die Familie direkt nach seiner Entlassung, weil er ihrem Sohn versprochen habe, nach dessen Familie zu sehen und ihr zu sagen, dass er sie liebt. Obwohl Spencer dem ehemaligen Soldaten Misstrauen entgegenbringt, akzeptiert er ihn schon bald – fast schon wie sein eigen Fleisch und Blut. Luke, der keine Freunde in seinem näheren Umfeld hat, freut sich über Davids Auftreten. David wird von der Familie aufgenommen und fast schon als Ersatz für ihren Verlust gesehen. Anna lässt sich hingegen nicht so leicht beeindrucken und bleibt eher auf Distanz. Eines Tages belauscht sie ihn bei einem Telefonat, welches ihr Misstrauen weckt. Sie telefoniert mit der Armee, um herauszufinden, wer David tatsächlich ist. Angeblich sei David bei einem Unfall ums Leben gekommen, doch entfesselt sie mit dem Anruf seinen Zorn.

Psychopathen haben schwarzen Humor

The Guest (3)Während sich die ersten dreißig Minuten noch wie ein normales Familiendrama anfühlen, ist es mit dem Hausfrieden nach Annas Anruf schon bald vorbei. Wie genau die Fassade in The Guest bröckelt, möchten wir an dieser Stelle nicht verraten. Die auftretende Wendung ist zwar nicht überraschend, doch bleibt die Story dadurch durchweg sehr spannend und entwickelt sich vom Familiendrama zum packenden Thriller. In der ersten Hälfte des Films wird in den Dialogen nicht mit sehr schwarzem Humor gegeizt. David stiftet Luke sogar an, Verbrechen zu begehen, die jenseits von dessen Vorstellungskraft liegen. In der zweiten Filmhälfte nimmt hingegen die Action zu. Schießereien, Explosionen und eine kurze Verfolgungsjagd sind in die Handlung integriert. Dan Stevens, den der eine oder andere von euch eventuell noch aus der Fernsehserie Downton Abbey kennt, ist in The Guest in der Rolle von David Collins zu sehen und spielt den mal mehr, mal weniger psychopathischen Soldaten mit Bravour. Von einen Moment auf den anderen gelingt es Stevens, seiner Figur so viel Ausdruck zu geben, dass die beklemmende Atmosphäre in der ersten Filmhälfte nur davon profitiert. Die noch nicht ganz so erfahrene Maika Monroe gelingt es aber ebenfalls, der zweitwichtigen Person in der Handlung reichlich Leben einzuhauchen. Lance Reddick als Carver überzeugt uns ebenso.

Stilmittel der Achtziger Jahre

The Guest (4)Bis zum Ende bleibt The Guest spannend und bietet selbst nach dem Abspann noch genügend Zündstoff, um den Kult um David Collins weiter auszuarbeiten. Regisseur Adam Wingard wäre ein Narr, würde er hier noch nicht eine Schippe draufsetzen. Wer seine Gedanken zum Film hören will, der freut sich sicherlich auch über den Audiokommentar. Dieser liegt nicht nur für den gesamten Film, sondern auch für die entfallenen, erweiterten und alternativen Szenen vor, die im Bonusbereich des Films auf euch warten. Trotzdem können wir sagen, dass diese Szenen im Film meist deplatziert wirken würden, da alle wichtigen Fakten genauso, wie sie in den Film im Endeffekt eingearbeitet worden sind, vortrefflich eingefügt sind. The Guest kann circa einhundert Minuten lang sowohl in der deutschen Synchronisation, als auch in der englischen Originalfassung durchweg punkten. Für die deutsche Synchronisation von Dan Stevens darf sich Arne Obermeyer verantwortlich fühlen, dessen Stimme uns nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Während der Ton in DTS-HD 5.1 Master Audio vorliegt, kann das Bild in 1080p und im 16:9-Bildformat (2,40:1) punkten. Alle Szenen bieten reichlich Kontrast und können trotzdem mit einem bestimmten Stilmittel beeindrucken. Man spielt mit Licht und mit Musik so, dass der Film fast wie ein moderner Film der Achtziger Jahre wirkt. Grandios!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): In den ersten Minuten zieht sich The Guest ganz schön die Länge. Das ist aber gewollt, denn die Einführung in das Leben der Petersens ist der Ausgangspunkt des Films, den man nicht überspielen kann. Dan Stevens sorgt mit seiner Ausstrahlung außerdem dafür, dass die Rolle von David Collins sehr an den Nerven der Zuschauer zerrt. In der ersten Filmhälfte wirkt die Atmosphäre nämlich meist sehr angespannt; man hat ständig ein mulmiges Gefühl. Ab der zweiten Hälfte weiß man zwar, wie es um David Collins ungefähr steht, doch bleibt es wirklich fast bis zum Ende ungeklärt, wie es dazu kommen konnte. Durch den gelungenen Einsatz von Licht und Musik hatte ich beim Anschauen oft das Gefühl, mich in einen Film der Achtziger Jahre verloren zu haben. Ich hoffe sehr, dass Regisseur Adam Wingard sich dem Kult um David Collins irgendwann in einem weiteren Film annehmen wird, denn The Guest ist nicht nur ein guter Film – er hat auch das Potential, mindestens mit einem Nachfolger gewürdigt zu werden.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Guest!

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