Review: Chrono Crusade

Chrono Crusade hat die Fans nach Ausstrahlung des Animes im Jahr 2003 gespalten. Die einen bezeichnen die Serie durchaus als unterhaltsames Popcornkino und die anderen raten eher dazu, sich viel lieber die Manga-Vorlage anzuschauen. Wir schließen uns letzterer Gruppe an.

Mit den echten Magdalenerinnen hat der Magalena-Orden in Chrono Cross zwar nichts zu tun, doch hindert das die Anime-Serie nicht daran, diese als Vorlage zu nutzen, um die Geschichte ins Rollen zu bringen. Die Nonnen schützen die Menschheit vor Dämonen, wobei die Serie zeitlich in den 1920er Jahren angesiedelt ist und überwiegend in den Vereinigten Staaten von Amerika, genauer gesagt im Bundesstaat New York, spielt. Später ist unter anderem auch ein Ausflug nach Kalifornien beziehungsweise San Francisco Teil der Handlung. Im Mittelpunkt dieser steht die Ordenskriegerin Rosette Christopher, die zusammen mit dem Teufel Chrono auf Dämonenjagd geht. Das ungleiche Paar sorgt trotz vorzeigbarer Erfolge für reichlich Chaos, sodass Rosette nicht selten Schelte von der Obrigkeit erhält. Dieser Handlungsverlauf wiederholt sich mehrmals, bis der Anime ungefähr ab der Serienhälfte ein wenig eigenständiger wird und den Fokus auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und das Konkurrenzdenken zwischen der Juwelenhexe Satella Harvenheit und Rosette legt, sowie die Suche nach deren Bruder vertieft. Eingewoben ist die Serie in einen größeren und sogar religiösen Kontext, in der es um die Wiedergeburten der sieben Apostel geht, die Wunder bewirken können. Wie genau das zusammenhängt, müsst ihr durch das Anschauen jedoch selbst herausfinden.

Ein Fall von Gegensätzen

Um das Universum, in dem die Serie angesiedelt ist, glaubhafter beziehungsweise nachvollziehbarer zu machen, hat man kurze Bonus-Episoden auf die Discs gepackt, die Einzelheiten der 1920er Jahre und des christlichen Glaubens charmant erklären. Unter technischen Gesichtspunkten kann Chrono Crusade aber nicht ganz glänzen. Das hat vor allem mit dem Stil der Anime-Serie zu tun. So gut wie jeder der zahlreichen Hintergründe, der im 4:3-Bildformat (1,33:1) in der Auflösung von 1080p erstrahlt, ist in dunkle beziehungsweise triste Farben gehüllt. Das passt sehr gut zum dargestellten Zeitabschnitt der Geschichte und dies alleine wäre an sich zwar noch kein Problem, doch auch die Nebenfiguren werden ähnlich melancholisch gezeigt. Im krassen Gegensatz dazu werden die Hauptfiguren meist mit hellen Farben dargestellt, sodass diese häufig aus der Gesamtmasse unschön herausstechen. Einzig und allein in nächtlichen Szenen verblasst auch der Glanz der Protagonisten, sodass Chrono Crusade nur dann ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Hier hätten wir von Animationsstudio Gonzo definitiv mehr erwartet. Dafür kann uns der Soundtrack von Itō Masumi, der nicht selten auf gut abgestimmte Klavierklänge zurückgreift, überzeugen. So bleiben uns die Szenen, die wichtig für die zwischenmenschlichen Beziehungen der Charaktere sind, besonders in Erinnerung.

Problematische Synchronisation

Beide Tonspuren liegen im Format DTS-HD Master Audio 5.1 vor, sodass die Musik klar und deutlich aus den Lautsprechern unseres Wiedergabegeräts ertönt. In puncto Synchronisation möchten wir allerdings unbedingt zum Originalton raten. In dieser ist beispielsweise die leider bereits verstorbene Kawakami Tomoko in der Rolle von Rosette zu hören. Videospieler kennen sie möglicherweise als Stimme von Aika aus dem Rollenspiel Skies of Arcadia. Ishida Akira, der in Fate/Zero Uryū Ryūnosuke gesprochen hat, ist ebenfalls mit von der Partie und spricht Chrono. Die deutsche Synchronfassung ist zwar in Ordnung, doch sind einige Stimmen wie die von Marie-Luise Schramm trotz passender Betonungen auf Dauer anstrengend. Immerhin können viele Nebenfiguren mit bekannten Sprechern punkten. Karl Schulz, den die meisten als markante Stimme von Muten Rōshi aus Dragon Ball Z oder Jet Black aus Cowboy Bebop kennen, ist als Wissenschaftler Edward Hamilton zu hören. Tilo Schmitz, der wohl am ehesten als deutsche Stimme von Teal’c aus Stargate bekannt ist, spricht in Chrono Crusade Ricardo Hendric. Die Popularität der Sprecher täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass die japanische Sprachausgabe dynamischer wirkt. Hinzuschaltbare deutsche Untertitel helfen allen Zuschauern, die des Japanischen nicht mächtig sind, beim Verstehen des Gesprochenen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Leider muss ich gestehen, dass ich mit der Anime-Serie Chrono Crusade von Anfang an nicht wirklich warm geworden bin. Die Geschichte dreht sich in meinen Augen immer nur darum, dass Rosette Christopher und Chrono zum Einsatzort der Polizei geschickt werden, um einen Dämon nach dem anderen zurück in die Hölle zu schicken. Erst nach einigen Episoden kann sich die Anime-Serie von diesem Konzept lösen und fühlt sich dann auch für mich ein wenig frischer an. Immerhin ist das Szenario originell, der Humor für das Genre angenehm und die Action durchaus ansehnlich. Meiner Meinung nach hätte aber die gesamte Handlung eher in einzigen Film gepasst, als dass man sie auf 24 Episoden mit 600 Minuten Laufzeit ausweiten müsste. Zwar habe ich die Manga-Vorlage von Moriyama Daisuke nicht gelesen, doch scheint diese laut einigen Fans die bessere Wahl zu sein. Daher möchte ich die Anime-Serie auch nur Fans der Vorlage empfehlen, die mit den Defiziten sicherlich leben können. Wer sich von diesen ohnehin nicht abschrecken lassen will und dennoch neugierig auf die Anime-Serie ist, darf ebenso einen Blick riskieren. Alle andere schauen sich lieber Alternativen wie Blue Exorcist an.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Chrono Crusade!

© 2003 Gospel (Abbildungen)

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