Review: Aika (Collector’s Edition)

In den Jahren 1997 und 1998 produzierte das japanische Animationsstudio Fantasia die Original-Video-Animation-Serie Aika, die 2007 mit Aika R-16: Virgin Mission und 2009 mit Aika Zero trotz recht durchschnittlicher Gestaltungsmerkmale gleich doppelt fortgeführt wurde.

Zwar wurden die Anime-Serien zum Teil bereits im deutschsprachigen Raum veröffentlicht, doch eine Gesamtausgabe gab es bisher allerdings nicht. Diesen Umstand nahm sich Publisher Nipponart an und veröffentlichte Ende Juni 2018 alle drei Serien in einer Collector’s Edition auf DVD. Direkt zu Beginn der ersten Episode von Aika erfährt der Zuschauer wertvolle Informationen über die Hintergründe der Welt, in der die Serie aus dem Jahr 1997 spielt. Umweltkatastrophen führten dazu, dass der Meeresspiegel der Erde anstieg. In der ersten Szene wird der Zuschauer wie ein Tourist über die aktuelle Situation aufgeklärt: Tōkyō liegt mittlerweile hunderte Meter unter der Meeresoberfläche und nur der Tōkyō Tower ragt mit seiner Spitze aus dem Wasser heraus. Sumeragi Aika, die titelgebende Agentin der Anime-Serie, lebt in dieser dystopischen Welt und nimmt für die so genannte K2-Organisation verschiedene Aufträge an, um den Erhalt der Firma zu garantieren und ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Dabei handelt es sich meist um Aufträge, bei denen sie versunkene ‚Schätze’ finden soll. Zu Beginn der Anime-Serie nimmt Aida den Auftrag an, die ominöse Energiequelle Lagu aufzuspüren, an der auch ihre Widersacher Nena und Rudolf Hagen interessiert sind. Es entwickelt sich ein Konflikt, der nur mit viel Gewalt und noch mehr Erotik gelöst werden will.

Spannende, aber kaum tiefgründige Geschichten

Während sich auf der ersten Disc alle sieben Episoden von Aika befinden, sind auf der zweiten Disc der insgesamt drei Datenträger die drei Folgen der Prequel-Anime-Serie Aika R-16: Virgin Mission enthalten. Obwohl diese Original Video Animation zehn Jahre nach der ursprünglichen Serie produziert wurde, findet die Handlung konträr zehn Jahre vor der ersten Serie des Franchises statt. Der Zuschauer erlebt Aika im Teenager-Alter und wie sie Aida Gōzō, den Vater von Rion aus der Vorgängerserie, kennengelernt hat. Von ihrer Klassenkameradin Shinkai Eri erhält sie ihren ersten Schatzsucherauftrag, der natürlich mit einigen Strapazen verbunden ist. Aika Zero macht wiederum einen weiteren Zeitsprung und siedelt sich damit zwischen Aika R-16: Virgin Mission und der Ursprungsserie an. Der Zuschauer erlebt eine 19-jährige Aika, die in einer privaten katholischen Schule herausfinden soll, warum Schülerinnen auf mysteriöse Art und Weise verschwinden. Alle Geschichten sind an einigen Stellen zwar durchaus interessant geschrieben, doch erreichen sie an keiner Stelle den Tiefgang, der die Handlung bietet. Einzelne Figuren werden zu wenig beleuchtet und bleiben eher bekannte Stereotypen. Das liegt aber auch daran, dass vor allem die zweite und dritte Serie des Franchises jeweils nur drei Episoden vorweisen und somit sehr knapp ausfallen.

Zwiespältige technische Entwicklung

Aus dem Setting, das in einer postapokalyptischen Welt spielt, wird ebenfalls zu wenig gemacht. Am ehesten ist das Szenario noch in Aika zu erkennen, in den beiden Nachfolgeserien werden kaum bis gar keine Einzelheiten dazu erwähnt. Alle drei Serien verlassen sich hauptsächlich auf ihre wenigen Gestaltungsmerkmale, möglichst viel nackte Haut der weiblichen Figuren zu zeigen. Rundungen von Oberschenkeln oder Pobacken werden besonders betont und vor allem in der zweiten und dritten Serie des Franchises werden mehr als nur einmal entblößte Brüste in den Mittelpunkt verschiedener Situationen gerückt. Zudem sind die Miniröcke der Protagonistinnen so kurz, dass der Blick auf die Unterwäsche – vor allem in den Kämpfen – stets frei ist. In puncto Bildqualität kann Aika im 4:3-Bildformat für das Alter durchaus mit dem typischen Stil der 1990er-Jahre glänzen, Aika R-16: Virgin Mission wirkt für den Entstehungszeitpunkt jedoch schon etwas veraltet und Aika Zero kann überraschenderweise wieder mit hübschen Grafiken und Animationen glänzen. Der Soundtrack der drei Serien geht in Ordnung, die deutsche Synchronisation von Aika ist hingegen grausam. Vor allem Gōzōs Sprecher ist anzumerken, dass er keine Lust auf die Synchronisation hatte. Zu Aika Zero gibt es des Weiteren keine deutsche Vertonung, was aber kein Problem darstellt, da die japanische Tonspur mitsamt deutschen Untertiteln ohnehin wesentlich besser funktioniert.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Alle drei in der Collector’s Edition enthaltenen Aika-Serien erzählen grundsätzlich jeweils für sich spannende Geschichten um die titelgebende Agentin beziehungsweise ihren Werdegang. Allerdings kann keine der Serien ihr volles Potenzial wirklich entfalten, wodurch die Handlung sehr oberflächlich bleibt und das eigentlich sehr interessante Setting höchstens angekratzt wird und nur eine sehr schwache Kulisse bildet. Besonders Aika R-16: Virgin Mission und Aika Zero verlassen sich zu sehr auf ihre wenigen Gestaltungsmerkmale, mit möglichst viel Erotik auf die Protagonistinnen und ihre körperlichen Vorzüge aufmerksam zu machen. Zwischendurch kann dies zwar ganz erheiternd sein, stört auf Dauer aber mehr, als dass es die Serie sinnvoll ergänzen würde. Wer damit jedoch konform geht und auf eine vielschichtige Handlung verzichten kann, wird mit allen drei Aika-Serien inklusive interessantem Bonusmaterial durchaus seinen kurzweiligen Spaß haben. Alle anderen sollten sich lieber nach ernsten Alternativen umschauen.

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Aika (Collector’s Edition)!

© STUDIO FANTASIA, BANDAI VISUAL (Abbildungen)

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