Review: WarioWare Gold

Zwischen 2003 und 2010 veröffentlicht Nintendo in regelmäßigen Abständen neue Ableger des wahnwitzigen WarioWare-Franchises. Seitdem ist es jedoch eher ruhig um Wario und seine Bande geworden, weshalb der japanische Publisher die Minispielsammlung mit einem Best-of alias WarioWare Gold neu aufleben lässt.

Wario ist schon ein lustiger Geselle, kaum hat er seinen letzten Raubzug hinter sich gebracht, kämpft er sich in einem Videospiel zum Endgegner vor und als dann auch noch der Magen knurrt, merkt der schnauzbärtige Schurke, dass er schon sein ganzes Geld verprasst hat. Um die Haushaltskasse aufzufüllen, trommelt er seine Freunde zusammen, um ein großes Turnier zu veranstalten. Die Teilnahmegebühr beträgt stolze zehntausend Münzen, der Gewinner wird jedoch mit einem exorbitanten Preisgeld überschüttet – Wario rechnet aber nicht damit, dass irgendjemand gewinnen kann und plant insgeheim schon, sich mit den Einsätzen aus dem Staub zu machen. Die Story des Spiels passt hervorragend zum Szenario und ist zudem sehr witzig inszeniert, was vor allem an den illustren Charakteren liegt, die vor allem in den eher spärlich animierten Zwischensequenzen auftreten. Beispielsweise versteckt sich im Haar von Jimmy Thang eine kleine Katze, die zwei Damen unbedingt fotografieren wollen, während er felsenfest davon überzeugt ist, es handelt es sich bei den beiden Bewundrerinnen um Fans. In einer weiteren Rolle ist die einkaufssüchtige Mona zu bewundern, die total vernarrt in Wario ist. 5-Volt, die Mutter von 9-Volt, trainiert hingegen während einer Homeshopping-Sendung mit Kochutensilien. Bei all diesem Irrsinn bleibt im ganzen Story-Modus kein Auge trocken.

Wunderbare Möglichkeiten des Handhelds

Aufgeteilt ist der mit circa zwei bis drei Stunden recht kurze Story-Modus in vier verschiedene Spielmodi, die sich den vier Steuerungsmethoden widmen. In WarioWare Gold müssen, wie schon in den zahlreichen Vorgängern, hunderte Minispiele gemeistert werden. Wer noch nie einen Ableger des Franchises gespielt hat, sollte jedoch nicht denken, dass es sich bei dieser Reihe um pure Minispielsammlungen handelt, denn dies ist nur die halbe Wahrheit. Im Kern sind es zwar Minispiele, die jedoch nur wenige Sekunde andauern und noch schneller durchschaut, verstanden und gemeistert werden wollen, bevor das Geschehen zum nächsten Mikrospiel, wie die offizielle Bezeichnung für die kurzweiligen Spielchen lautet, wechselt. Damit sich Anfänger schnell mit der Bedienung anfreunden können, sind alle Spielchen kategorisiert. Bei der Knöpfchensteuerung müssen per Steuerkreuz und dem A-Knopf die korrekten Befehle im richtigen Augenblick eingegeben werden. Hier sollen zum Beispiel ein Sportler zu zwei Sit-ups animiert oder einer Weltraumrakete zum reibungslosen Start verholfen werden. Die Minispiele, die auf Basis des Gyrosensors des 3DS basieren, verlangen von uns, den Handheld nach links oder rechts zu kippen, um den Mond zu rasieren oder um die Erde herum vor einem Monster zu fliehen. Über den Touchscreen können wir in der dritten Kategorie beispielsweise Toilettenpapier abrollen oder schlicht und einfach Linien nachzeichnen.

Spaßgeladener Minispiel-Wahnsinn

Im Finale des Story-Modus werden diese drei Steuerungsmöglichkeiten nicht nur miteinander gemischt, sondern auch noch mit der Nutzung des Mikrofons um eine vierte Variante ergänzt. Diese ist aber kaum der Rede wert, da hier einzig und allein innerhalb des Zeitlimits gepustet werden muss, um die Samen eines gewöhnlichen Löwenzahns in alle Winde zu verwehen oder einen Luftballon zum Platzen zu bringen. WarioWare Gold nutzt die Möglichkeiten des 3DS durchweg aus, was uns sehr gut gefällt. Insbesondere am Ende der Geschichte, wenn wir uns blitzschnell auf neue Steuerungsmethoden einstellen müssen, macht die bunte Mischung eine Menge Spaß und fordert zudem angenehm mit ansteigender Spielzeit. Selbstverständlich ist eine flotte Auffassungsgabe nötig, um sämtliche Mikrospiele innerhalb von ein bis zwei Sekunden analysieren zu können. Zu Beginn jedes Minispiels hilft eine Anzeige dabei, was eigentlich die Aufgabe ist. Das funktioniert im Großteil aller Fälle super, nur in wenigen Ausnahmen haben wir einzelne Minispiele erst beim zweiten oder dritten Anlauf in einem weiteren Durchlauf des Story-Abschnitts verstanden. Wirklich ins Gewicht fällt das aber nicht, da ein Story-Abschnitt mit bis zu 25 Mikrospielchen maximal drei bis vier Minuten dauert und dank der aberwitzigen Gestaltung durchweg motiviert, auch mehrmals in Angriff zu nehmen.

Liebevolles Best-of des Franchises

Abgeschlossene Minispiele werden im Rahmen eines Lexikons freigeschaltet und können dort auch einzeln ausgewählt werden, um neue Bestleistungen aufzustellen. Dafür erhalten wir Goldmünzen, die wir gegen zufällig ausgespuckte Souvenirs am Automaten eintauschen können. So zieht das Spiel auch nach dem Abspann wunderbar in seinen Bann, um es über Wochen hinweg wiederholend anzugehen. Aus unerklärlichen Gründen verfügt WarioWare Gold über keinen Mehrspielermodus, nicht einmal Ranglisten existieren, mit denen wir uns online mit Freunden hätten messen können. Dies verpasst dem Spektakel einen kleinen Dämpfer, denn selbst wenn die Minispiele auch alleine motivieren, hätte das Gameplay mit Freunden lokal oder online sicherlich noch sehr viel mehr Spaß gemacht. Dafür kann die restliche Technik voll und ganz überzeugen: Unter grafischen Aspekten dreht der Titel mit verschiedenen Stilen innerhalb der Mikrospiele ab und ergibt ein irrsinniges Gesamtbild, von dem wir nicht genug bekommen können. Genauso gut gelungen sind die Musikstücke, die hervorragend mit der Optik harmonieren. Sogar an eine deutsche Synchronisation hat Nintendo diesmal gedacht, die den Humor stark unterlegen. Die Hunde Dribble und Spitz sprechen beispielsweise Berlinerisch und Bayrisch, was noch einmal zeigt, wie abgedreht das tolle Best-of ist, das auch für Kenner sämtlicher Vorgänger definitiv eine Empfehlung wert its.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: WarioWare Gold bietet für die größten Fans des Franchises, die jeden einzelnen Titel in sich aufgesaugt haben, zwar nicht sehr viel neues, doch auch dann kann das Spiel mit seinem tollen Konzept durchweg begeistern. Es macht einfach Spaß, ein Mikrospiel nach dem anderen anzugehen und dabei zu merken, wie das Spieltempo angenehm anzieht und immer hektischer wird. Noch dazu motiviert es, Goldmünzen zum Freischalten der Souvenirs zu sammeln und immer tiefer in das Gameplay des Spiels abzutauchen, woran das ulkige Szenario und die illustren Charaktere inklusive deren grafischer Gestaltung nicht unschuldig sind. WarioWare Gold ist ein Spiel, das sowohl Stunden am Stück, als auch zwischendurch immer mal wieder unterhalten kann. Auch wenn der fehlende Mehrspielermodus ein Dorn im Auge vieler Fans von Minispielsammlungen ist, sollten auch diese unbedingt zugreifen, denn ein vergleichbares Spielvergnügen gibt es auf dem 3DS bisher noch nicht.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von WarioWare Gold!

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