Review: The Virgin Psychics

The Virgin Psychics von Regisseur Sono Shion aus dem Jahr 2015 ist ein andersartiger Film, der sich mit facettenreichen Science-Fiction-, Erotik- und Comedy-Elementen schmückt, um jungfräuliche Charaktere in den Kampf gegen andere jungfräuliche Charaktere zu schicken.

Sono Shions Film erzählt die Geschichte des jungen Oberschülers Kamogawa Yoshirō, der zu Beginn der Handlung Hand an sich selbst anlegt. Während er onaniert, denkt er relativ häufig an seine Mitschülerin Asami Sae. Er stellt sich dabei vor, wie seine Traumfrau und er sich zu winken, über Wiesen laufen, dabei Händchen halten und sich schließlich küssen. Dieses Mal ist es jedoch anders, denn aus dem Weltraum rast ein mysteriöses Licht auf das Land Japan zu und unterbricht Yoshirō bei seiner Tätigkeit. Danach hüpft er wie jeden Tag zwar ins Bett, am Frühstückstisch am nächsten Morgen bemerkt er jedoch, dass er über neue Fähigkeiten verfügt. Er hört die unanständigen Gedanken seiner Eltern, die schon darüber nachdenken, was sie in der nächsten Nacht gemeinsam erleben wollen. Interessanter wird es für Yoshirō, als er über den Schulhof zum Unterricht schreitet und die Gedanken von seinen männlichen Mitschülern wahrnimmt, die allesamt auf die hübschesten Damen der Schule abfahren. Im Verlauf des Tages wird Yoshirō klar, dass nicht nur er mit „Superkräften“ gesegnet worden ist, sondern auch andere Menschen in der Stadt: Cafébesitzer Nagano Terumitsu kann sämtliche Gegenstände, die in irgendeiner Weise mit Geschlechtsverkehr oder einfach nur mit Erotik zu tun haben, schweben lassen. Yoshirōs Mitschüler Naoya Yabe kann sich wiederum unsichtbar machen und sich so unbemerkt in die schulischen Umkleidekabinen der Mädchen begeben.

Absolut oberflächliche Lust

Selbstverständlich kann die vor allem anfänglich überaus seichte Handlung wohl kaum einen abendfüllenden Film tragen. Da ist es nachvollziehbar, dass peu á peu neue Elemente in die Story eingebaut werden. Schon nach einem Viertel der circa 115-minütigen Laufzeit erfahren Yoshirō, Terumitsu, Yabe und Co von Saes Vater, Professor Asami Takahiro, dass sie allesamt Psychics sind. Hierbei handelt es sich um Menschen mit übernatürlichen Kräften, die während des Lichts aus dem Weltraum beim Masturbieren mit neuen Fähigkeiten gesegnet wurden. Es gibt jedoch auch Psychics, die weniger unschuldig sind und ihre Kräfte für unlautere Zwecke einsetzen wollen. Laut Professor Asami müssen Yoshirō und seine Verbündeten gegen diese Psychics antreten, um Ruhe und Ordnung in die Kleinstadt Toyohashi in der Präfektur Aichi zu bringen. Allerdings sei auch hier gesagt, dass die Story des Films kaum an Tiefgründigkeit gewinnt. Die Rahmenhandlung ist so hanebüchen wie die vielen kleinen Geschichten, die sich um den roten Handlungsstrang schlängeln. Sie sind durchgehend oberflächlich, beschäftigen sich zu sehr mit Äußerlichkeiten und nutzen das Potenzial in diesem unverbrauchten Szenario einfach nicht aus. Insbesondere die Charaktere hätten sich viel mehr mit ihren – persönlich auf sie zugeschnittenen – Fähigkeiten auseinandersetzen beziehungsweise hinterfragen müssen, warum ausgerechnet sie diese Kräfte bekommen haben.

Verpasstes Potenzial

In puncto Humor verhält es sich bei The Virgin Psychics sehr, sehr ähnlich. Andauernd geht es um Erektionen, Brüste und die wohl schönste Sache der Welt. Es kommt nicht gerade sehr überraschend, dass sich der Film mit diesen Themen beschäftigt, aber auch hier könnten die Gags wesentlich besser und nicht so repetitiv sein. Selbst bei Kamerafahrten werden ständig die Rundungen der weiblichen Darsteller betont. Sicherlich ist dies zu einem gewissen Grad auch Fanservice, macht Sonos Film aber nicht besser. Die überwiegend jungen Schauspieler versuchen ihr Bestes, wirken aber häufig zu steif. Immerhin kann Yasuda Ken in seiner Rolle als Professor Asami mit einer gut gespielten Ernsthaftigkeit punkten, auch wenn die von ihm verkörperte Figur unterschwellig von einem extremen Verlangen nach Geschlechtsverkehr angetrieben zu sein scheint. An der Bildqualität ist im fast bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Auflösung von 1080p ansonsten aber kaum etwas auszusetzen. Negativ fallen nur jene Szenen auf, in denen einfach zu kostengünstige Effekte oder gar der Greenscreen erkennbar zum Einsatz kommt. Untermalt werden alle Szenen mit einem passenden Soundtrack, der mit Klavier- und Gitarrenklängen sehr stimmungsvoll in DTS-HD Master Audio 5.1 erklingt. Die deutsche Synchronisation geht zwar in Ordnung, atmosphärischer ist in jedem Falle aber die japanische Originalfassung, für die optional auch deutsche Untertitel vorliegen. Als einziger Bonus winkt ein Poster, das das schrille Filmcover der Kazé-Movie-Fassung wiedergibt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): The Virgin Psycho von Regisseur Sono Shion ist ein Film, den eigentlich kein einziger Mensch gesehen haben muss. Die Story ist fast von vorne bis hinten absolut hanebüchen und kann nur in den letzten zwanzig Minuten mit einem interessanten Kniff punkten, der die anderthalb Stunden davor aber kaum entschädigen kann. An allen Ecken und Enden verspielt Sonos Film reichlich Potenzial, denn weder setzt sich der Regisseur tiefgründig mit dem Thema Liebe und Erotik auseinander, noch lässt er die vielen Charaktere über ihre individuellen Fähigkeiten nachdenken. Da der Humor des Films ebenso auf der Stelle tritt und immer wieder auf Oberflächlichkeiten abzielt, bleibt es auch hier eher wenig unterhaltsam. Bis auf wenige Momente, die leichte emotionale Züge annehmen, ist The Virgin Psychics eher eine zweistündige recht mühselige Tortur als eine gute Abendunterhaltung. Hier greifen höchstens Fans der in acht Bänden veröffentlichten Manga-Vorlage von Wakasugi Kiminori aus den Jahren 2009 bis 2016 zu!

Vielen Dank an Kazé Movie für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Virgin Psychics!

Ein Kommentar zu “Review: The Virgin Psychics

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