Review: Tōkyō Ghoul:re (Vol. 4)

Mit der zwölf Episoden ausgelegten ersten Staffel der Anime-Serie Tōkyō Ghoul:re ist es ein ständiges Auf und Ab. Kaum entwickelt sich eine stringente Story, werden diverse neue Fragen aufgeworfen, die die im Juni 2019 veröffentlichte vierte Volume versucht aufzulösen.

In Japans Hauptstadt Tōkyō leben Ghule versteckt innerhalb der Bevölkerung und versetzen diese daher umso mehr in Angst und Schrecken. Zum Schutz der Bürger wurden polizeiliche Einsatzkräfte, genannt Tauben, ausgebildet. Hierzu zählt auch die Spezialeinheit der Quinks, Menschen mit den Fähigkeiten von Ghulen. Obwohl das Kräfteverhältnis auf den ersten Blick zwar ebenbürtig erscheint, können Schicksalsschläge ordentlich daran rütteln. So hat der in den Rang eines Fahnders beförderte Sasaki Haise erfahren, dass er zu einem gewissen Teil eigentlich der Ghul Kaneki Ken mit einer ganz eigenen Vergangenheit ist. In der vergangenen Volume wurde versucht, diese Erinnerungen mehrfach aufzuarbeiten. So zeigt er plötzlich für eine von ihm gerettete Ghula Verständnis, besucht seine ehemaligen Freunde aus dem Café Anteiku und rasselt in Tōkyō auf offener Straße noch mit seinem früheren Gegenspieler Tsukiyama Shū zusammen. Allerdings verstand er in den letzten Episoden noch nicht, woher diese Erinnerungen eigentlich stammen oder wie alles miteinander zusammenhängt. Letzterer Umstand ist womöglich auch ein Problem für Zuschauer, die erst mit Tōkyō Ghoul:re ins Franchise einsteigen und daher nicht wissen, in welchem Verhältnis alle Figuren zueinander stehen. Im vierten Episodenpaket ändert sich daran nichts, was aber erzähltechnisch Sinn ergibt.

Großes Finale mit Story-Ausblick

Durch die Wiedereinführung der Figur Shū, der sich zu allem Überdruss noch selbst als „der Gourmet“ bezeichnet, kann sich in der achten Episode direkt wieder eine stringente Erzählung entwickeln. Die Handlung dreht sich dieses Mal um die Zerschlagung der Familie Tsukiyama, die mit ihrer Organisation „Rose“ ins Visier der Ermittlung geraten ist. Um der Gruppierung auf die Schliche zu kommen, verhüllen sich die Helden sogar, wobei Haise sich die Maske aufsetzt, die er früher schon als Ken trug. So wird die Auseinandersetzung mit seinem anderen Ich im Verlauf der Handlung beiläufig aufgearbeitet und in einen Kontrast gesetzt. Der Kampf zwischen den Quinks und den Ghulen kumuliert sich in der neunten Folge schließlich in zahlreichen Auseinandersetzungen. Auch Haise und Shū treffen so aufeinander. Während Haise die Situation am liebsten alleine mit friedlichen Mitteln lösen möchte, will Shū, der notgedrungen den gesellschaftlichen Status seiner Familie verliert, sich nicht darauf einlassen. So und nicht anders wird das Finale der Fantasy-Serie im krassen Gegensatz zu den vormals gemäßigten Kämpfen mit reichlich Action ausgefüllt. Hinzu kommt der Auftritt eines weiteren Antagonisten, der den Weg für die zweite Staffel von Tōkyō Ghoul:re vorbereitet. Wie Haises respektive Kens innerer Konflikt gelöst wird, sollte der Zuschauer selbst herausfinden.

Vorläufiger Abschluss nach bekannten Mustern

Wer die neun Episoden der ersten drei Volumes schon gesehen hat, wird ahnen, worauf er sich in puncto Technik in der vierten Ausgabe einlässt. Im bildschirmfüllenden 16:9-Format ist es in der Auflösung von 1080p wirklich ein Genuss, die realitätsnahen Hintergründe bei einer gesunden Darstellung von hübschen Licht- und Schatteneffekten zu bestaunen. Vor allem das gleißende Licht bei Sonnenuntergängen oder der Einsatz von Scheinwerfern in der Nacht gehören zum markanten Stil der Anime-Serie. Akustisch wird das ganze Spektakel mit dem bekannten Soundtrack, der häufig auf den Einsatz von Streichinstrumenten zurückgreift und auch harte Klavierklänge ertönen lässt. Da das große Finale ebenfalls mit der Ausübung von Gewalt inszeniert wird, ist es nicht verwunderlich, dass auch adrenalingetränkte Musik ihren Anteil am Soundtrack ausmacht und im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 paralysiert. Hinzu kommen wirklich tolle Synchronsprecher, die in der deutschen Version als auch in der japanischen Originalfassung ihren Charakteren reichlich Leben einhauchen. Im Vergleich fällt die japanische Tonspur aber etwas authentischer aus. Digitales Bonusmaterial gibt es nicht – und auch physisches Material wurde laut Herstellerangaben eingespart. Bedauerlich, denn so hätte die erste der beiden Staffeln von Tōkyō Ghoul:re ein wenig angenehmer abgeschlossen werden können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Tōkyō Ghoul:re ist ein zweischneidiges Schwert. Während der Staffelauftakt eher zweckmäßig und vor allem verwirrend ist, kann die zweite Volume mit einer überraschenden Story-Wendung punkten, die bis zum Abschluss der Staffel bei Laune hält, auch wenn es auf dem Weg dorthin ein paar kürzere Szenen gibt, die die stringente Handlungsstruktur leicht stören. Diese beschränken sich allerdings auf nötige Verweise auf zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Haise und Charakteren, die seit ein bis zwei Staffeln nicht mehr aufgetreten sind und so zumindest für Serienkenner noch einmal kurz in Erinnerung gerufen werden. Visuell und akustisch überzeugt die Staffel bis zuletzt mit recht schönen Licht- und Schatteneffekten, die auch nach dem letzten Abspann immer wieder mit Tōkyō Ghoul:re in Verbindung gebracht werden. Durch das halbwegs offene Ende, das auf die zweite Season hinweist, bleibt es spannend. Wenn es Animationsstudio Pierrot gelingt, die wenigen Story-Schwächen dort auszumerzen, steht dem Franchise trotz seiner mal mehr und mal weniger zu spürenden Problemchen eine womöglich sehr rosige Zukunft bevor.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tōkyō Ghoul:re (Vol. 4)!

 

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