Review: Ajin: Demi-Human (Vol. 2)

Nachdem Kazé Anime im Mai 2019 die erste Volume der Anime-Serie Ajin: Demi-Human im deutschsprachigen Raum veröffentlicht hat, folgte nur einen Monat später das zweite Bündel bestehend aus sechs Episoden. Diese schließen die Handlung der ersten Staffel gekonnt ab.

Am grundlegenden Setting hat sich in Ajin: Demi-Human in der zweiten Volume nichts geändert. Nach wie vor leben die so genannten Ajin, Halbmenschen, inmitten der japanischen Bevölkerung. Diese sind unsterblich – und weil sie nicht sterben können, werden sie von den Menschen gesellschaftlich ausgegrenzt. Der Rassismus sorgt ebenfalls dafür, dass Ajin von der Polizei verfolgt werden, damit in Laboratorien Experimente an ihnen durchgeführt werden können. Diese leidvolle Erfahrung musste Hauptfigur Nagai Kei im Serienauftakt am eigenen Leib erleben. Kaum hat Kei durch Zufall erfahren, dass er selbst ein Ajin ist, wird er von der Regierung gefangen. Um das notgedrungene Versuchskaninchen Kei aus dem Laboratorium zu befreien, hat der undurchsichtige Ajin Satō eine Rettungsmission initiiert. Satō wollte Kei von seinem Vorhaben überzeugen, was schließlich in einem Schlagabtausch zwischen den beiden Ajin gipfelte und die Story von Ajin: Demi-Human so richtig ins Rollen brachte. Die zweite Volume der Anime-Serie knüpft nahtlos an die Ereignisse des ersten Episodenpakets an. Im Mittelpunkt der Handlung steht nach wie vor der ehemalige Oberschüler Kei, der nach seiner Flucht vor Satō und den Regierungsleuten in einem kleinen Dorf bei Yamanaka Hanae, einer älteren Dame, unterkommt. Von dort aus verfolgt er hauptsächlich die Nachrichten.

Verzahnte und wendungsreiche Handlungsstränge

An der grundlegenden Struktur von Ajin: Demi-Human hat sich ebenfalls nichts geändert. So ist die Geschichte auch diesmal in mehrere Handlungsstränge aufgeteilt, die sich hier und da überschneiden. Unter anderem lernt Kei außerhalb des Dorfes den Ajin Nakano Kō kennen. Dieser ist einerseits vor dem durchtriebenen Satō und andererseits vor dem übereifrigen Ermittler Tosaki Yū geflohen, vor dem sich auch Kei verstecken muss. Damit Kō niemanden verraten kann, wo sich Kei versteckt hält, nimmt dieser den Flüchtling kurzerhand gefangen. Im Verlauf der Story versucht Kō seinen selbst ernannten Gefängniswärter davon zu überzeugen, ihren gemeinsamen Gegenspieler Satō aufzuhalten. Dieser plant nach außen, die Menschen über die Machenschaften der Regierung erst friedvoll zu überzeugen, greift dann aber zu härteren Maßnahmen. Er will ein Land schaffen, in dem Ajin unbeschadet leben können. Deshalb plant er mit einer kleinen Gruppe von Ajin, den Pharmakonzern Grant anzugreifen und dabei ein Massaker anzurichten. Währenddessen versucht Tosaki mehr über Satō herauszufinden, der dem Radar des Gesetzes immer wieder entkommt. Da die Erfolge von Tosakis Arbeit ausbleiben, wird ihm der neu eingeführte Charakter Sokabe vorgesetzt. Dieser soll ihn kontrollieren und für ein höheres Ziel die Geschicke der Abteilung leiten.

Gelungene Fortführung nach bekannten Mustern

Bis zur letzten Minute der dreizehnten und damit letzten Episode der ersten Staffel von Ajin: Demi-Human bleibt es sowohl für die beteiligten Figuren als auch für den Zuschauer überaus spannend und unvorhersehbar. Animationsstudio Polygon Pictures ist es – basierend auf der Manga-Vorlage von Sakurai Gamon – gelungen, inhaltlich und inszenatorisch ein vielseitig faszinierendes  Werk zu erstellen. Dazu tragen auch die recht interessanten Entwicklungen der Charaktere bei, die alles andere als vorhersehbar sind, wodurch das düstere Szenario an Tiefe gewinnt. Unter technischen Gesichtspunkten bleibt die Serie ihrem Debüt treu. Das heißt, dass sämtliche Szenen im dreidimensionalen Raum spielen, wodurch vor allem die Schusswechsel im großangelegten Finale vor Dynamik nur so strotzen. Auch der Einsatz von diffusem Licht, sei es aufgrund halb geschlossener Jalousien oder aufgewirbeltem Staub, ist – zusammen mit dem daraus resultierenden Spiel aus Licht und Schatten – einmal mehr das Markenzeichen der Serie. Lediglich die oft zu knapp bemessenen Animationen bleiben auch in der zweiten Volume hinter den Erwartungen zurück. Im digitalen Bonusbereich warten dazu ulkigerweise vier Szenenanimationen auf den Zuschauer. Ein zwölfseitiges Booklet rundet in physischer Form die wirklich herausragende zweite Volume der Anime-Serie Ajin: Demi-Human ab.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nach dem spannenden Auftakt von Ajin: Demi-Human blieb die wichtige Frage offen, ob die Anime-Serie diese Qualität auch weiterhin halten kann, da vielen Titeln nach grandios inszenierten Einführungen gerne mal die Puste ausgeht. In diesem Falle wird nicht nur die Qualität des Seriendebüts erreicht, sondern sogar noch übertroffen. Das liegt einerseits an der verzahnten Erzähltechnik, in der verschiedene Handlungsstränge miteinander verknüpft werden, und andererseits an der unvorhersehbaren Charakterentwicklung. In jeder einzelnen Minute bleibt es für den Zuschauer spannend, da in so gut wie jeder Szene neue Informationen dazu beitragen, die Aufregung aufrechtzuerhalten. Auch die technische Gestaltung der Anime-Serie weiß mit Effekten und der Inszenierung im dreidimensionalen Raum zu überzeugen. Dennoch können die stotternden Animationen gerne mal aus der dichten Atmosphäre herausreißen. Nach dem furiosen Finale bleibt zu hoffen, dass die zweite Staffel von Ajin: Demi-Human genauso grandios fortgeführt wird.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ajin: Demi-Human (Vol. 2)!

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