Review: Dragon Quest II: Luminaries of the Legendary Line

Ein halbes Jahr nachdem das japanischen Rollenspiel Dragon Quest ein ganzes Genre definiert hat, reichte Publisher Enix am 18. Dezember 1987 den zweiten Teil der Reihe nach. Dragon Quest II: Luminaries of the Legendary Line erweitert das geschaffene Gameplay sinnvoll.

Inhaltlich knüpft Dragon Quest II an die Geschichte des Vorgängers an. Nachdem der Held das Königreich Alefgard im Alleingang gerettet hat, ist er mit der Prinzessin durchgebrannt. Zusammen haben die beiden mehrere Königreiche gegründet und diese an ihre Kinder vererbt. Einhundert Jahre nach diesen Ereignissen bricht der Frieden in der Fantasy-Welt, denn der böse Zauberer Hargon greift mit seinen Monsterhorden Schloss Moonbroke an und sorgt dafür, dass sich alle friedvollen Lebewesen Sorgen um ihre Zukunft machen. Um Hargon das Handwerk zu legen, schlüpfen wir in die Rolle des Prinzen von Midenhall, der wie seine vielen Vorfahren der Erblinie des Helden Erdrick entspringt. In Dragon Quest II sind wir allerdings nicht mehr alleine unterwegs, denn auch Cousin Paul und Cousine Maria können nicht mit ansehen, wie Hargon die Welt verwüstet. In den ersten Spielstunden ist es dementsprechend unsere Aufgabe, unsere beiden Verwandten auf ihrer Weltenrettungsreise zu suchen und ein Bündnis mit ihnen zu schließen. Später geht es wiederum darum, diverse Artefakte zu suchen, an der richtigen Stelle einzusetzen und schließlich fünf magische Siegel zu aktivieren, um Hargons Schloss aufzuspüren. Das klingt nach Rollenspielstandard und das ist es auch: So tröpfelt die Story weitgehend vor sich hin und Dialoge zwischen den Helden gibt es fast nicht.

Gut und schnell funktionierendes Kampfsystem

Trotzdem fühlt sich Dragon Quest II wie ein großer Sprung nach vorne an, denn im Gegensatz zur ersten Episode kämpfen wir in den zahlreichen Kämpfen nicht nur im Team, sondern zugleich auch gegen mehrere Feinde gleichzeitig. Im Gegensatz zu vergleichbaren Titeln gibt es in Dragon Quest II aber nicht nur einzelne Gegner, sondern auch Monstergruppen. Sobald wir eine solche Gruppe attackieren, dürfen wir uns aber nicht aussuchen, welches Individuum unsere Waffen zu spüren bekommt. Das ist allerdings nicht weiter tragisch, denn die künstliche Intelligenz agiert in fast allen Fällen sehr clever. So werden die Angriffe nach Schadenswerten auf alle Einheiten in einer Gruppe insofern aufgeteilt, dass möglichst schnell Schleime, Skelette, Trolle und Co aus dem Weg geräumt werden. Unnötig ausgeteilter Schaden wird in Dragon Quest II erstaunlich gut vermieden, weshalb die Kämpfe schnell vonstatten gehen und aufgrund ihrer Menge nur selten negativ auffallen. Siegen wir in einem Kampf, erhalten unsere drei Helden Erfahrungspunkte, mit denen sie nach und nach aufstufen. Dadurch werden sie stärker, können immer heftigere Schläge einstecken und erlernen eigenständig hilfreiche Zaubersprüche. Ebenfalls sacken wir Geld ein, mit dem wir uns in den Läden mit anfangs sehr nützlichen Heilkräutern, später jedoch mit ständig besseren Waffen und Rüstungen eindecken.

Konsequente und äußerst positive Weiterentwicklung

Im Gegensatz zum Serienerstling sind wir in Dragon Quest II wesentlich motivierter, die vielen Kämpfe in Kauf zu nehmen. Dies liegt unter anderem daran, dass wir nach dem ersten Spieldrittel in den Genuss eines Schiffs kommen und die Welt somit freier erkunden dürfen. Leider hat Square Enix dem Spiel abermals keine deutschen Bildschirmtexte spendiert, sodass durch den Gebrauch von antiquierten Begriffen des Englischen Verständnisprobleme auftreten können, die das Vorankommen behindern. Dennoch hindert uns das nicht daran, auch die letzten Winkel der Spielwelt, die weitgehend im 16-Bit-Grafikstil präsentiert wird, abzugrasen. Wie schon beim ersten Teil haben sich die ursprünglichen Entwickler von Chunsoft den Manga-Künstler Toriyama Akira geschnappt, der den Charakteren und Monstern eine persönliche Note verleiht. Da die Spielzeit von Dragon Quest II mit circa zwanzig Spielstunden ungefähr der dreifachen Länge des ersten Teils entspricht, kommt auch die Musik von Komponist Sugiyama Kōichi deutlich besser zur Geltung. Sowohl Dörfer und Städte, als auch Dungeons und Schlösser haben jeweils ihren eigenen Charakter. Hinzu kommen verschiedene Oberweltmelodien, die der Akustik weitere Varianz verleihen. Dragon Quest II setzte die Entwicklung des Genres fort und überflügelte dabei sämtliche Grundlagen des Vorgängers.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch- und Super-Nintendo-Fassung): Obwohl der erste Ableger der Dragon-Quest-Reihe aus heutiger Sicht als äußerst rudimentäres Rollenspiel betrachtet werden kann, ist Dragon Quest II: Luminaries of the Legendary Line im Gegensatz dazu eine konsequente und äußerst positive Weiterentwicklung. Nicht nur nachfolgende Episoden der Reihe, sondern auch andere Spiele des Genres finden in Dragon Quest II viele weitere Vorbilder. Mir gefällt es sehr gut, dass ich im zweiten Serienteil mit drei Helden durch die Welt ziehen und wesentlich schnellere und spannendere Kämpfe mit ihnen austragen darf. Auch die Größe der Spielwelt und die Erkundung per Schiff motivieren, das letzte Geheimnis des Fantasy-Reichs aufzudecken. Schade ist meiner Meinung nach nur, dass noch nicht das volle Potenzial des Storytellings in Dragon Quest II offenbart wird. So tröpfelt die Handlung lediglich vor sich hin, Gespräche zwischen den Helden sind Mangelware und auch die Aufgabenbeschreibungen der Nicht-Spieler-Charaktere sind – zumindest für das deutschsprachige Publikum – abermals nicht leicht zu durchschauen, da stilistisch auf eine alte Wortwahl gesetzt wird. Wer Rollenspiele aus den späten 1980er- und frühren 1990er-Jahren mag, sollte Dragon Quest II aber eine Chance geben, denn nach dem recht gemächlichen Einstieg entwickelt sich eine tolle, interessante und gut dosierte Abenteuerreise. 

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