Review: Magical Girl Site (Vol. 2)

Nachdem im April 2021 die erste Volume der Anime-Serie Magical Girl Site fast drei Jahre nach der Erstausstrahlung im japanischen Fernsehen hierzulande bei Kazé Anime erschien, folgte zum Glück nur einen Monat später die zweite von insgesamt drei Ausgaben der Serie.

Ein Mann ist vertikal an ein Gestell gefesselt, er wimmert und leidet Schmerzen. Wie sich in den ersten Minuten der fünften und damit ersten Episode der zweiten Volume von Magical Girl Site herausstellt, handelt es sich bei dem Mann um den Mörder der Eltern von Yatsumura Tsuyuno. Vom Hass auf ihn lässt sie nicht ab und ist regelrecht vertieft in ihre Rachegelüste. Als Protagonistin Asagiri Aya ihrer neuen Freundin ihre Unterstützung zusagt, taucht ihre Mitschülerin Shizukume Sarina im Türrahmen auf. Es folgt eine Enthüllung auf die andere. Sarina wurde von einer mysteriösen Gestalt zum Magical Girl ernannt und will jetzt als die Nachfolgerin des Magical Hunters Shioi Rina Jagd auf die anderen Mädchen machen. Hinzu kommt, dass Anazawa Nijimi anscheinend die Seiten gewechselt hat und auf Geheiß von Sarina ins Krankenhaus unterwegs ist, um die angeschlagene und im Koma liegende Rina zu töten. Sarina dreht vollkommen durch und entfesselt einen Kampf, bei dem auch Aya schwer in Mitleidenschaft gezogen wird. Selbiges gilt auch für das Gebäude, denn der Kampf hat ordentliche Schäden am Bauwerk verursacht. Es bricht daraufhin in Teilen zusammen. Auf allen Seiten kochen die Gefühle hoch, die das Leben aller Beteiligten für den Rest der Serienhandlung beeinflussen werden. So sieht ein hervorragender Start in die zweite Volume aus!

Enthüllungen und Geheimnisse

Wie schon im ersten Episodenpaket der Anime-Serie verlagert auch die zweite Ausgabe den Fokus. Während die ursprüngliche Mobbingthematik, immerhin ein sehr wichtiges Thema in der Gesellschaft, den Vorstellungen der Selbstjustiz gewichen ist, müssen diese Ideen in der zweiten Volume Platz für Rachegelüste machen. Irgendwie ist diese Entwicklung ein wenig plump, zumal nie genug Zeit bleibt, diese verschiedenen Ansichten sozialkritisch einzuordnen und zu behandeln. Davon abgesehen können aber vor allem die vielschichtigen und niemals eindimensionalen Charaktere überzeugen. Es kommen immer mehr Hintergründe über die verschiedenen Figuren hinzu. Magical Girl Site versucht ein Verständnis beim Zuschauer selbst für die Charaktere zu erzeugen, die eigentlich die Antagonisten sind. Aber auch sie sind nur aus einem bestimmten Grund die Gegenspieler und gerade dieser Umstand kommt ebenfalls zur Geltung. Neue Figuren wie das Magical Girl Amagai Kosame, das mit ihrem Blut andere Personen retten kann, oder der Polizist Misumi Kiichirō erweitern die Charakterriege und verleihen dem Gesamtbild einen neuen Anstrich. Das liegt aber auch an der einen oder anderen neuen Information, wie zum Beispiel der, dass es verschiedene Magical Girl Sites im Internet gibt und entsprechend auch verschiedene Administratoren. Verwirrend, aber echt gut!

Verschenktes Potenzial beim Bonusmaterial

Positiv fällt ebenso auf, dass Magical Girl Site auf ein Ziel hinarbeitet. Welches das nach den jüngsten Enthüllungen ist, soll an dieser Stelle aber natürlich nicht verraten werden. Somit hat der Zuschauer aber spätestens ab der sechsten Episode nicht mehr das Gefühl, dass sich die Story irgendwann im Sande verlaufen könnte. Gewissheit kann nur die dritte Ausgabe liefern, aber dennoch gibt es derzeit keinen Grund zur Sorge, dass die Serie offen enden könnte. Auch die technische Seite kann in puncto Bild und Ton auf ganzer Linie in allen Folgen überzeugen. Bedauerlicherweise gibt es auch bei der zweiten Volume von Magical Girl Site keinerlei Boni. Vor allem aufgrund der erwachsenen Themen der Serie wäre es so wichtig gewesen, einige Hintergründe zu erfahren. Vielleicht ist der Vergleich zur Realität auch nicht gewollt, denn in erster Linie versteht sich die Serie immer noch als ein Unterhaltungsprodukt und tiefgründig wird es ohnehin nur, wenn die Story es verlangt. Dennoch hätten Lizenzgeber und Publisher hier ein Konzept bearbeiten können, um solche wichtigen Themen beispielsweise in einem Booklet zusammenzufassen. Dies hätte auch den Effekt gehabt, sich außerhalb der Serie mit dem Thema zu beschäftigen und die Intentionen der Figuren zur Charakterstudie zu machen. Schade, aber vielleicht kann ja die dritte und letzte Volume der Anime-Serie überraschen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Auch in der zweiten Volume kann die Anime-Serie Magical Girl Site überzeugen, zumindest in inszenatorischer Hinsicht. So kann die packende Geschichte von der fünften bis zur achten Folge durchgehend punkten, indem zum einen neue Charaktere eingeführt werden. Zum anderen werden Geheimnisse gelüftet und neue Mysterien aufgeschmissen. In genau der richtigen Dosis, wie sie in Magical Girl Site vorhanden ist, macht das extrem viel Laune. So ist der Zuschauer stets motiviert, mehr über die Internetseiten, ihre Administratoren und das angekündigte Großereignis zu erfahren, das in der dritten Volume womöglich der große Höhepunkt der Anime-Serie werden wird. Bei all diesen großartigen Inhalten ist es schade, dass die ursprüngliche Thematik schon weit in den Hintergrund gerückt ist. Aus Mobbing und Suizidgedanken wurde Selbstjustiz und diese hat sich inzwischen in Rachegelüste verwandelt. Da wäre sicher mehr möglich gewesen, das tiefgründiger zu behandeln, zumal die Kontextualisierung seitens Lizenzgeber und Publisher fehlt. Dennoch ist Magical Girl Site, abgesehen von diesem Versäumnis, auch in der zweiten Ausgabe eine Anime-Serie, bei der es sich lohnt, nicht nur einen Blick zu riskieren.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Magical Girl Site (Vol. 2)!

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