Review: Vinland Saga (Vol. 4)

Traditionsgemäß dauerte es auch bei der vierten Volume von Vinland Saga nicht lange, bis diese in den Handel kam. Der hiesige Publisher Kazé Anime hat das vierte und leider auch schon letzte Episodenpaket der ersten Season hierzulande im Juli 2022 veröffentlicht.

Inhaltlich knüpft Vinland Saga in der vierten Ausgabe an die Geschehnisse der Episoden der dritten Volume an. Askeladd hat sich seinem Gegner Thorkell ausgeliefert, nachdem er mit seiner Bande gebrochen hat. Knut hat sich ebenso vom Geschehen entfernt und Thorfinn befindet sich im Zweikampf mit Thorkell, um seine Freiheit zu erhalten. Zu Beginn der vierten Volume erhält nicht nur der wissbegierige Zuschauer, der immer mehr über die Charaktere in Vinland Saga erfahren will, sondern vor allem Protagonist Thorfinn selbst wichtige Einblicke in seine Familiengeschichte. Thorkell unterbricht den Zweikampf mit einem leicht größeren Rückblick. So erfährt Thorfinn, dass seine Mutter Helga die Tochter von Sigvaldi, dem dritten Fürsten der Jomswikinger ist, was ihn zu dessen Enkel macht. Noch dazu ist Thorkell der jüngere Bruder von Sigvaldi. Dies verkompliziert für alle Beteiligten die Situation ein wenig. Thorfinn ist erschöpft und seinem Großonkel im Kampf auf Leben und Tod auch mangels fehlender Erfahrung maßgeblich unterlegen. Er ist auf die Hilfe von Askeladd angewiesen, der ihm hilfreich zur Seite steht. Das Blatt wendet sich erneut, als plötzlich Prinz Knut am Ort des Geschehens auftaucht und Leute für seine Sache rekrutieren will: Er braucht mutige Kämpfer, die sich mit ihm gegen seinen Bruder und seinen Vater, König Sven, stellen wollen.

Politisch aufgeladene Episoden

Neben dem ewigen Krieg wird in der abschließenden Ausgabe der ersten Staffel auch der Kampf um die Wikingerkrone in den Mittelpunkt der Erzählung gerückt. Diese taucht als Symbol direkt in der zweiten von sechs enthaltenen Folgen auf. Bei einem Gespräch stellt König Sven klar, dass er die Macht nach seinem Tod nicht an Knut, sondern an dessen Bruder Harald abgeben wird. Der Besuch im Thronsaal wirkt wie ein Hinterhalt. Mit der Kunst der Manipulation gelingt der Truppe zwar ein Aufschub, doch die Ermordung des Königs planen sie weiterhin. Mehr und mehr spitzt sich die Lage in Vinland Saga zu. Angekommen in der englischen Stadt York, wo König Sven seinen neuen Sitz errichten will, wird verdeutlicht, dass nicht nur der Krieg, sondern auch die Politik ein schmutziges Geschäft ist. Taktische Scharmützel und blutige Auseinandersetzungen weichen Mordanschlägen und Vorspiegelungen falscher Tatsachen. Gerüchte um Attentate machen die Runde, was den König ins falsche oder vielmehr richtige Licht rückt. Die sich ursprünglich um Rache drehende Geschichte zwischen Thorfinn und Askeladd rückt dadurch zwar in den Hintergrund, wird in der vierten Ausgabe aber zu einem recht gelungenen Abschluss gebracht. Trotz ist allem auch die Verschiebung des Fokus auf dem von Knut geplanten Königsmord ein äueßrst spannender Ausgleich.

Grandioser Abschluss einer Staffel

Wit Studio ist mit der Anime-Umsetzung des gleichnamigen Mangas von Zeichner Yukimura Makoto Großartiges gelungen. Historizität und Fiktion vermischt Regisseur Yabuta Shūhei zum vierten Mal hervorragend. Abwechslungsreiche Charaktere, wechselhafte Bündnisse, der Versuch, im christlichen Glauben einen Ausweg aus der zum Krieg verdammten Welt zu finden, und jetzt auch noch politisches Kalkül sorgen für reichlich Spannung. Beeindruckend sind auch die Bilder, die Vinland Saga dem Zuschauer vorsetzt. Die Umgebungsgrafiken der Anime-Serie sind in der Full-HD-Auflösung malerisch, die Charaktere echt einzigartig und die Animationen überaus flüssig. Dies verwundert aber kaum, so zeichnet sich Wit Studio auch für die ersten drei Staffeln von Attack on Titan verantwortlich. Noch dazu ist die Serie sehr atmosphärisch gestaltet, was nicht nur an der Lichtstimmung und den Spezialeffekten liegt, sondern auch an der Musik von Komponist Yamada Yutaka, der passend zum winterlichen Setting auf Klavierklänge im Tonformat DTS-HD Master Audio 2.0 setzt. Digitale Boni gibt es in der letzten Ausgabe leider keine. Dies ist zwar eine kleine Enttäuschung, über die jedoch ein 24-seitiges Booklet, ein Poster und Sticker hinwegtrösten sollen. Zum Ende der Staffel wäre mehr möglich gewesen. Die hervorragende Serie bleibt davon aber unangetastet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Vinland Saga gehört definitiv zu den besten Anime-Serien der letzten Jahre. Handlungstechnisch überzeugt sie in der ersten Staffel mit spannenden Charakteren und sehr tiefgründigen Dialogen, die zum Weiterschauen motivieren. Hinzu kommen dynamische Konstellationen und nicht zuletzt überraschende Wendungen, die Spannung(en) erzeugen. Krieg wird ungeschönt und immer mit Leid als Konsequenz dargestellt. Obwohl dies auch in der vierten und letzten Ausgabe der ersten Season der Fall ist, wird beim Finale vor allem Politik in den Fokus gerückt. Auch dies ist absolut spannend inszeniert und steht den vorherigen und womöglich deutlich blutigeren Folgen in Nichts nach. Unappetitlich wird es diesmal aber nicht. Ebenso gefällt die Bildqualität, die mit hübschen Effekten und zahlreichen kleinen Details aufgewertet wird. Noch dazu ist die Serie mit einer wunderbaren Musik unterlegt, die das Geschehen passend schmückt. Bleibt zu hoffen, dass die zweite Staffel an diese Erfolge anknüpfen kann.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Vinland Saga (Vol. 4)!

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