Review: F-Zero 99

Am 14. September 2023 erschien eine neue Ausgabe des Formats Nintendo Direct, die sich zu einem Wechselbad der Gefühle entwickelte. Seit fast zwei Jahrzehnten warten Fans auf einen neuen F-Zero-Serienteil. Nach der Ausgabe stand F-Zero 99 im eShop zum Download bereit.

Optimisten denken, dass etwas irgendwann in Erfüllung gehen könnte, wenn sich eine Person etwas ganz fest wünscht. F-Zero-Fans würden diese Menschen nun auslachen, denn als im Jahr 2004 F-Zero Climax in Japan erschien, ahnte wohl niemand, dass es für fast zwei Dekaden der letzte Serienteil werden sollte. Seither warten Fans der Rennspielreihe auf einen weiteren Ableger, doch sowohl auf dem DS als auch dem 3DS erschien kein weiteres Spiel der Marke. Selbst Wii- und Wii-U-Besitzer mussten in die Röhre schauen. Als während der Nintendo Direct die futuristischen Rennboliden über den Bildschirm flitzten, war für ein Sekündchen Hoffnung in den Köpfen vieler Fans zu spüren. Kurz darauf folgte die Ernüchterung, denn Nintendo scheint kein Erbarmen zu kennen und zwingt die Rennspielreihe in das 99-Korsett. Auch für den Autor dieser Zeilen war dies ein klarer Dämpfer, vielleicht sogar blanker Hohn. Da fällt es wahrhaftig schwer, als Rezensent neutral zu bleiben. Trotz dieser ersten Enttäuschung kann F-Zero 99, so viel müssen wir zugeben, zumindest etwas Spaß machen. Um ins Spiel einsteigen zu können, müssen wir erst einmal das Tutorial über uns ergehen lassen. Keine Sorge: Dieses dauert nicht allzu lange und fasst dabei alle wichtigen Informationen zusammen. Zudem fällt die Einführung unter die Devise „Lernen durch Handeln“. Soll heißen, dass wir die Steuerung und das Prinzip im laufenden Spiel ganz einfach erlernen.

Online-Spiel mit Retro-Flair

Inhaltlich baut F-Zero 99 auf dem Grundgerüst des zum Veröffentlichungszeitpunkt mehr als drei Jahrzehnte alten Super-Nintendo-Klassikers F-Zero aus dem Jahr 1990 auf. Das bedeutet, dass wir pure 16-Bit-Grafik inklusive Mode-7-Effekt in voller HD-Auflösung erleben können. Auch das Gameplay und die Steuerung fallen genau in diese Kerbe. Wer das Seriendebüt kennt, dürfte sich in F-Zero 99 bedientechnisch also sofort weitestgehend zurechtfinden. Es handelt sich aber keineswegs um eine Eins-zu-eins-Kopie des Spiels, denn der Inhalt unterscheidet sich in vielen Punkten. Beispielsweise können Solisten lediglich das Tutorial spielen und in freigeschalteten Strecken neue Bestzeiten aufstellen. Abseits dessen ist der Titel ein reines Online-Spiel. Im F-Zero-99-Modus starten wir auf einem großen Areal mit 98 anderen Fahrern respektive Spielern. Beschleunigungsstreifen und Flächen, die unseren futuristischen Gleiter verlangsamen, bestimmen zumindest teils die Reihenfolge, wie wir auf der eigentlichen Strecke landen. Wirklich gut funktioniert das je nach Rennpiste aber nicht, da wir mit den anderen Spielern zumindest in der ersten Runde ständig kollidieren. Letzteres ist natürlich arg von der gewählten Rennpiste abhängig. Während Strecken wie Mute City oder Port Town immerhin noch durch die Streckenführung ausmustern, stellt sich auf Pisten wie Death Wind kaum ein vernünftiges Fahrgefühl ein, was uns auf Dauer ganz schön an den Nerven zerrt.

Vertrautes Gameplay mit neuen Mechaniken

Nintendo müsste es eigentlich besser wissen! Beispielsweise hat der Konzern schon 2008 in Mario Kart Wii die Anzahl der Fahrer auf einer Strecke um fünfzig Prozent erhöht und die Strecken für vier zusätzliche Fahrer erheblich breiter gemacht. F-Zero 99 erhöht die Breite der Strecke nicht im Geringsten, aber dennoch sollen erheblich mehr Rennwagen Platz finden. Zwar ähnelt der Titel den Spielen Tetris 99 oder Pac-Man 99, doch der Unterschied liegt darin begründet, dass wir in den anderen Spielen nur indirekt in einem Battle Royale gegeneinander antreten. F-Zero 99 wirft uns hingegen im wahrsten Sinne des Wortes ins Getümmel, was in unseren Augen viel zu chaotisch ist. Wer noch keinen Teil der Reihe gespielt hat, sollte wissen, dass Kollisionen mit dem Streckenrand Schaden an unserem Vehikel anrichten. Haben wir keine Energie mehr, explodiert unser Fahrzeug und wir scheiden direkt aus. Im Gegensatz zum Original erhalten wir nicht pro Runde einen Gratis-Boost, sondern können diesen so lange einsetzen, wie wir noch Energie haben. Das Einsetzen eines Boosts verringert die Energie jedoch. Wir sollten also gut überlegen, wann wir den Boost einsetzen. An festen Positionen gibt es mit der Pit Area aber eine Stelle, an der die Energie noch im Fahren aufgefüllt wird. Bei hoher Geschwindigkeit wird in F-Zero 99 aber entsprechend weniger Energie aufgefüllt.

Kurzweiliger Rennspielspaß

Darüber hinaus gibt es aber noch einen Punkt, der das Gameplay von F-Zero 99 von der Super-Nintendo-Variante von 1990 stark abhebt. Einerseits sind auf der Strecke auch goldene, kleine wie große Fahrzeuge unterwegs, die bei Berührung die Spezialleiste füllen. Ist diese auf Anschlag gefüllt, werden wir anstatt eines Boosts auszuführen auf den Skyway geschickt. Dieser verläuft oberhalb der Rennstrecke, hier und da mit ein paar Abkürzungen, wodurch wir ähnlich wie mit dem Kugelwilli-Item in Mario Kart 8 Deluxe weit nach vorne katapultiert werden können. Genau diese klaren Abweichungen vom Gameplay heben F-Zero 99 vom ersten Serienteil ab – und ob es die enttäuschten Fans hören wollen oder nicht: Es passt zum kurzweiligen Spielspaß! Der Titel will nicht stundenlang an den Bildschirm fesseln. Stattdessen will er ein Appetithappen sein, denn auf jeder Piste müssen wir lediglich vier Runden überstehen, die mit jeweils etwa dreißig Sekunden auch nicht gerade lang sind. Jede Runde fliegen die Letztplatzierten raus. Nach circa zwei Minuten steht dann der Sieger fest. Je besser wir abschneiden, desto mehr Punkte landen auf unserem Konto. Damit steigen wir im Level auf und erhalten Tickets, die wir für den Grand Prix brauchen, der nur zu bestimmten Zeiten startet. In diesen müssen wir auf mehreren Strecken siegreich vorgehen, denn her wird noch sehr viel zielgerichteter ausgesiebt.

Einschneidende Designentscheidungen

Während der normale F-Zero-99-Modus kurzweilig ist und der Spieler nicht allzu viel verliert, wenn er rausfliegt, kann der Grand Prix frustrierender sein. Um an diesem teilzunehmen, sind nämlich gleich drei wertvolle Tickes notwendig. Bis ein Spieler diese erst einmal zusammen hat, kann es teilweise Tage dauern. Beispielsweise gibt es wechselnde Sondermodi, in denen Gegner für Punkte angerempelt oder besonders schwierige Strecken aus F-Zero bewältigt werden müssen. Fliegt der Spieler auf der ersten oder zweiten Piste raus, kann der Frust durchaus groß sein. Nintendo will hier vermutlich nur die besten der besten Spieler sehen, aber wenn doch die Teilnahme über Zeit erkauft werden kann, bringt das doch niemanden etwas! Neben der allgemeinen Spielerstufe gibt es auch noch einen Skill-Level. Jedes Mal, wenn wir online spielen, werden vier Rivalen ausgewählt, die einen ähnlichen Skill-Level haben. Schneiden wir besser als diese ab, erhalten wir Erfahrungspunkte zum Steigern dieser Stufe. Wenn wir jedoch keine Rivalen überholen, verringert sich unser Skill-Level auch. Große Abwechslung gibt es darüber hinaus auch nicht, denn mit Blue Falcon, Golden Fox, Wild Goose und Fire Stingray gibt es lediglich die vier Fahrzeuge, die es im Original auch schon gab. Damit ist das exklusiv für Nintendo-Switch-Online-Mitglieder spielbare F-Zero 99 zwar ein angenehmes Rennspiel, das aber leider nicht jeden zufriedenstellen dürfte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Spätestens seit Ende der 2000er-Jahre schreie ich nach einem neuen Teil der F-Zero-Reihe! Tatsächlich hätte ich erwartet, dass Nintendo in der Direct-Ausgabe vom September 2023 neben dem recht hastig veröffentlichten F-Zero 99 noch einen weiteren oder besser gesagt einen echten neuen Serienteil ankündigen würde. Nach fast zwanzig Jahren wäre es immerhin mal an der Zeit. Für mich ist F-Zero 99 in erster Linie blanker Hohn seitens Nintendo gegenüber den Fans. Trotzdem muss ich wohl oder übel gestehen, dass nicht alles schlecht ist am Rennspiel. Es will eben ein sehr kurzweiliger Spaß sein, den ich für zehn Minuten zwischendurch anschmeißen kann, um einfach mal ein paar Runden zu fahren. Das geht aufgrund der Online-Anbindung aber nur zuhause. Immerhin sind die Ideen mit den goldenen Fahrzeugen und dem Skyway, um ein wenig abzukürzen, wirklich cool. Allerdings kann ich nicht verstehen, warum Nintendo kaum bis gar keine Änderungen an den eigentlichen Strecken vorgenommen hat. Diese sind viel zu klein, um Platz für fast einhundert Vehikel zu lassen. Das Gameplay ist für mich dadurch viel zu chaotisch. Genauso fragwürdig ist das Sammeln von Tickets für den Grand Prix, was besonders bei weniger guten Spielern für reichlich Frust sorgen dürfte. Auch dass nur bereits online gespielte Strecken fürs Tutorial freigeschaltet werden, um üben zu können, ist mir genauso suspekt. Auf Dauer werde ich mit dem Spiel wohl keine Freude haben. Somit ist F-Zero 99 für mich nicht mehr und nicht weniger als ein Hoffnungsschimmer, dass Nintendo das Franchise noch nicht ganz abgeschrieben hat. Als eigenständiges Spiel mit Online-Modus würde das Werk deutlich besser funktionieren.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung einer Nintendo-Switch-Online-Mitgliedschaft! 

Hinterlasse einen Kommentar