Review: Paper Mario: Die Legende vom Äonentor

Nach dem mehrere Jahre anhaltenden Zerwürfnis mit Square und Enix setzte Nintendo um die Jahrtausendwende auf zwei neue Rollenspielmarken im Super-Mario-Universum. Hierzu zählt auch das 2004 für den GameCube veröffentlichte Paper Mario: Die Legende vom Äonentor.

Fast ein ganzes Vierteljahrhundert hat die Paper-Mario-Reihe seit ihrem Debüt im Jahr 2000 auf dem Nintendo 64 auf dem Buckel. Zum Leidwesen der langjährigen Fans hat sich die Serie nach dem zweiten Teil, namentlich Paper Mario: Die Legende vom Äonentor, mal mehr und mal weniger von ihren Rollenspielwurzeln entfernt. Die Schreie nach einem waschechten Genrevertreter wurden gerade nach den Abenteuern auf dem 3DS und der Wii U immer lauter. Paper Mario: The Origami King war zwar ein Schritt in die richtige Richtung, ging vielen Fans aber nicht weit genug. Um die Lücke zum nächsten Serienteil zu füllen, hat sich Nintendo dazu entschieden, der zweiten Episode eine weitere Chance zu geben. Schließlich verkaufte sich der GameCube im Vergleich zur PlayStation 2 nicht allzu gut und der Titel wird auf dem Gebrauchtmarkt zu horrenden Preisen gehandelt. Auch jüngere Spieler, die zu Beginn der 2000er-Jahre vielleicht noch nicht geboren waren oder das Rollenspiel verpasst haben, bekommen in Form einer Neuauflage endlich die Gelegenheit, es nachzuholen. Neben anderen auf die Switch gehievten GameCube-Rollenspielen wie Tales of Symphonia oder das Baten-Kaitos-Doppelpack ist das audiovisuell überarbeitete, aber ansonsten nahezu inhaltsgleiche Paper Mario: Die Legende vom Äonentor auf der Hybridkonsole in bester Gesellschaft.

Liebe- wie humorvolles Abenteuer

Inhaltlich berichtet das Rollenspiel von Prinzessin Peachs Ausflug in die Stadt Rohlingen, wo sie auf dem Markt eine Schatzkarte erstehen will. Um auf die Suche nach den Kostbarkeiten zu gehen, bittet sie Klempner Mario zur Hilfe. In Rohlingen angelangt muss er jedoch feststellen, dass seine Freundin verschwunden ist. Über kurz oder lang macht sich Mario einerseits auf die Suche nach der Monarchin und andererseits lässt ihn auch der ominöse Schatz nicht kalt. Dieser soll in Verbindung mit dem titelgebenden Äonentor stehen, das tief in den Katakomben unter Rohlingen schlummert. Dieses lässt sich nur mit den sieben Sternjuwelen öffnen und verbirgt, wie könnte es auch anders sein, ein großes Geheimnis. Im Verlauf des auf 35 bis 40 Stunden angelegten Paper Mario: Die Legende vom Äonentor ist es entsprechend primär unsere Aufgabe, in den umliegenden Landstrichen nach den Sternjuwelen Ausschau zu halten. Unter anderem fordern wir einen Drachen in seiner Burg heraus, treten in einer Arena an, erforschen eine Abtei, in der es spukt, oder spielen Detektiv in einem luxuriösen Zug. Die Abwechslung im Prolog und den daran anknüpfenden acht Kapiteln ist durchaus groß. Gerade wer das Abenteuer noch nicht kennt, freut sich wie ein Schnitzel auf den jeweils nächsten Spielabschnitt, der stets handlungstechnisch mit Liebe und Humor inszeniert wird.

Ausbalanciertes und faires Rollenspiel

Beim Gameplay orientiert sich Paper Mario: Die Legende vom Äonentor an seinem Vorgänger vom Nintendo 64. Soll heißen, dass wir mit dem papierförmigen Mario die kunterbunten Spielwelten erkunden, mit ebenso flachförmigen Nicht-Spieler-Charakteren plaudern, uns mit den typischen Gegnern des Super-Mario-Universums anlegen und hier und da von unten an einen Fragezeichenblock springen, um uns seines Inhalts zu bemächtigen. Hinzu kommen die typischen Elemente japanischer Rollenspiele wie das Einkaufen von Gegenständen in Läden, das Erfüllen von Nebenaufgaben und das Austragen rundenbasierter Kämpfe. All das macht auch wirklich viel Spaß, da der Titel wie kaum ein anderer Vertreter seines Fachs unfassbar gut ausbalanciert ist. Wir haben immer genügend Goldmünzen in der Tasche, um uns genau die Ausrüstung zu kaufen, die wir auch wirklich benötigen, aber eben nicht alles. Auch sind die Kämpfe, abgesehen vom Endboss und optionalen Auseinandersetzungen, niemals überfordernd. Das liegt auch daran, dass mit ansteigendem Level jeder Gegner weniger Erfahrungspunkte gibt und Stufenaufstiege entsprechend länger dauern. Haben wir in Paper Mario: Die Legende vom Äonentor zwischendurch keine Lust auf Kämpfe, holen wir später schneller auf, da unsere Feinde dann logischerweise mehr Erfahrungspunkte hinterlassen. Echt klasse!

Taktisches wie packendes Kampfsystem

In den Kämpfen können wir mit Mario entweder auf die Gegner springen oder sie mit einem Hammer schlagen. Beide Varianten haben ihre Daseinsberechtigungen, denn fliegende Gegner können wir nur in der Luft treffen, wofür entsprechend Sprünge sinnvoll sind. Stachelige Gegner würden hingegen uns Schaden zufügen, sobald wir auf sie springen. Dann heißt es, den Hammer auszupacken. Hinzu kommen verschiedene Fähigkeiten, die wir in der Regel mit Hilfe angelegter Orden erlernen. So können wir in Paper Mario: Die Legende vom Äonentor unter anderem auf alle Gegner in einer Reihe springen, ein Erdbeben auslösen und damit beispielsweise schildkrötenartige Feinde auf den Rücken legen oder mit den Elementen Feuer und Eis hantieren. Ebenfalls erhalten wir neue Fähigkeiten, sobald wir bessere Stiefel oder kraftvollere Hämmer finden, die zudem mehr Schaden anrichten. Wäre das nicht schon clever und taktisch genug, zumal wir nur begrenzt Orden anlegen können, kommen auch noch Marios Begleiter ins Spiel, die wir im Verlauf der Geschichte kennenlernen. Diese können die fiesen wie frechen Antagonisten analysieren, sie verbrennen, in die Luft jagen oder aus dem Bildausschnitt pusten. Übrigens findet jeder Kampf auf einer Bühne vor Zuschauern statt, die Mario anfeuern und damit seine Sternenergie für Spezialattacken ausfüllen. Einfach genial!

Remake mit kleinen, aber feinen Verbesserungen

Mit den Begleitern bietet Paper Mario: Die Legende vom Äonentor aber auch außerhalb der Kämpfe zusätzliches Gameplay. So schleudern wir den schildkrötenartigen Koopa Koopio, sobald er sich in seinen Panzer zurückgezogen hat, um damit Schalter in der Ferne zu aktivieren. Mit dem explosiven Bob-omb Bart-omb sprengen wir hingegen brüchige Wände, um versteckte Durchgänge freizulegen. Auch ein dinosaurierartiger Yoshi ist mit von der Partie, auf dessen Rücken wir per Flatterflug breite Abgründe überwinden. Ihr seht schon: Mit jedem neuen Begleiter werden die Optionen vielfältiger, sodass die Spielwelt selbst in den letzten Spielstunden zum Erkunden einlädt. Wer das Original gespielt hat, wird sich wohl fragen, welche Neuerungen es gibt. Nun, es gibt bis auf die aufgepeppte Grafik und den überarbeiteten Soundtrack mit seinen wunderbaren Klängen nur kleinere, dafür umso feinere Updates. Hierzu zählen zusätzliche Warp-Röhren zu den einzelnen Ländern, höhere Kapazitätsgrenzen für Goldmünzen und Items oder Wiederholungsmöglichkeiten bei einem Game Over. Somit bietet das Remake das deutlich angenehmere Spielvergnügen. Lediglich dass Paper Mario: Die Legende vom Äonentor nur mit dreißig statt mit sechzig Bildern wie das GameCube-Original läuft, ist ein klarer Dämpfer. An der sehr guten Spielbarkeit ändert das aber nichts!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Switch- und der GameCube-Fassung): Nachdem mich Paper Mario auf dem Nintendo 64 bei seinem Release in Europa Ende 2001 regelrecht aus den Socken gehauen hat, konnte ich den zweiten Serienteil kaum erwarten. Paper Mario: Die Legende vom Äonentor baut auf den Grundlagen des Debüts auf und vertieft die Möglichkeiten, welche das Papier-Setting mit sich bringt. Dadurch wird vor allem die Erkundung der Spielwelt bereichert, doch auch die actiongeladenen Kämpfe funktionieren dank der Theaterbühne um einiges besser, da sie wesentlich intensiver ausfallen. Bei der Story verabschiedeten die Entwickler bestehende Klischees und setzen ähnlich wie die intern konkurrierende Mario-&-Luigi-Reihe auf neue Absurditäten, die allerdings in puncto Humor hervorragend funktionieren. Obwohl Paper Mario: Die Legende vom Äonentor ein durchaus tolles Spiel ist, kommt es für mich allerdings nicht an den Vorgänger heran. Sowohl bei den Haupt- als auch bei den Nebenaufgaben kommt es viel zu häufig zu nervigem Backtracking, was auch die zusätzlichen Warp-Röhren nur bedingt entschlacken. Auch wirkt das Spiel allgemein etwas linearer wie der Vorgänger, was dazu geführt hat, dass ich den Titel erst Jahre später das erste Mal durchgespielt habe. Abhalten sollte euch dies vom Kauf aber nicht, wenn ihr den Titel noch nicht kennt. Gerade in puncto Wortwitz und kreativen Spielideen bietet Paper Mario: Die Legende vom Äonentor auch auf der Switch vierzig Stunden lang Spielspaß. Wer alle Nebenaufgaben mitnehmen will, kann noch mal bis zu zehn Stunden draufrechnen. Für mich vielleicht schon etwas zu lang, aber für andere Rollenspielfans womöglich genau richtig!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Paper Mario: Die Legende vom Äonentor!

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