Review: Barakamon

Zwischen 2008 und 2023 schrieb und zeichnete Künstler Yoshino Satsuki an seiner Manga-Reihe Barakamon. Während dieser Phase entstand im Jahr 2014 bei Animationsstudio Kinema Citrus eine Anime-Adaption des Werkes, das perfekt in die heiße Sommerzeit passt.

Gegenüber anderen Menschen sollte jeder respektvoll auftreten. Eigentlich weiß das auch der Kalligraphiekünstler Handa Seishū, der aber nicht mit Kritik umgehen kann. Für seine Arbeit an seinen kalligraphischen Werken belächelt, schlägt er den kritischen Kurator vor allen Augen auf einer Ausstellung. Seishūs Vater ist entsetzt und verbannt seinen Sohn auf das Eiland Fukue-jima, das zu den fünf westlich von Kyūshū liegenden Gotō-Inseln gehört. Dort soll er zur Besinnung kommen und neuen Mut für seine Arbeiten finden. Auf Fukue-jima angelangt, macht er Bekanntschaft mit der hiesigen Bevölkerung. Die ländliche Idylle scheint fast ungebunden von gesellschaftlichen Normen zu sein. In seinen mehrmonatigen Aufenthalt fallen auch die Sommerferien, weshalb die aufgeweckten Kinder und Jugendlichen nur darauf warten, den neuen Inselbewohner Seishū in aller Seelenruhe kennenzulernen – und ihm mit ihrem ungezwungenen Verhalten zur Weißglut zu treiben. Anstatt sich auf die Kalligraphie zu konzentrieren, verwickeln ihn die Heranwachsenden und auch die anderen Dorfbewohner immer wieder in verschiedene Situationen. So lernt er unter anderem die Gebräuche des Dorfes kennen, was häufig damit einhergeht, dass er sich in arbeitsreiche Tätigkeiten stürzen muss. Wie durch ein Wunder führen ihn aber gerade die in Barakamon erzählten Ereignisse zum Erfolg.

Angenehme wie humorvolle Erzählweise

Im Grunde orientiert sich die Anime-Serie wie der Manga an diversen etablierten Genres. So weist die Serie zum Beispiel Slice-of-Life- oder Coming-of-Age-Merkmale auf. Um die kurzweiligen Geschichten zu erzählen, die meist innerhalb einer der insgesamt zwölf Folgen einen abgeschlossenen Handlungsrahmen bilden, kommen auch humoristische Elemente zum Einsatz. In kaum einer Szene bleibt ein Auge trocken – obwohl der Humor grundsätzlich eher als seicht zu bezeichnen ist. Die Witze und flotten Sprüche zünden und bereichern damit gerade die illustren Charaktere. Kaum verschwindet eine Figur in Barakamon für ein paar Minuten von der Bildfläche, freut sich der Zuschauer wenige Szenen später über das lustige Wiedersehen. Allen voran ist hiermit die zunächst sechs- und später siebenjährige Kotoishi Naru gemeint, die das Ferienhaus im traditionellen japanischen Baustil vor Seishūs Einzug als Basis für sich und ihre Freunde genutzt hat. Sie ist Seishū gar nicht böse, der das Haus nun für sich benötigt. Dennoch kann sie sich mit der Situation nicht gänzlich arrangieren, wodurch sie mit kindlichem wie unfreiwilligem Nachdruck an sein Herz appelliert, etwas Zeit mit ihr und ihren Freunden zu verbringen. So und nicht anders entwickelt sich trotz des Altersunterschieds eine Freundschaft zwischen Seishū, Naru und den anderen recht überzeichneten Charakteren.

Anime-Serie mit sommerlichen Vibes

Wie die Charaktere ist auch der Humor in Barakamon übertrieben inszeniert. Beispielsweise ist Narus beste Freundin Kubota Hina eine echte Heulsuse und bricht aufgrund ihrer Schüchternheit nicht nur einmal in Tränen aus. Die Mittelschülerin Arai Tamako liebt dafür Manga über alles und lebt in ihrer eigenen kleinen Welt. Daher interpretiert sie Situationen, die an sich schon absurd sind, auf ungeahnte Weise. All diese kleinen Abenteuer, die sowohl durch den Humor als auch durch den stringenten Handlungsstrang aneinandergereiht werden, spielen vor der Prämisse des Sommers. Dies spiegelt sich allen voran in der audiovisuellen Gestaltung wieder. Optisch stechen daher bunte und helle Farben heraus. Die Charaktere tragen sommerliche Kleidung und fügen sich in das ländliche Szenario ein. Auditiv erhält der Zuschauer eine Vorstellung vom Rauschen des Meeres oder dem Zirpen der Grillen und Zikaden. Musikalisch sind unbeschwerliche Töne auffällig. Auch wenn die Serie einen anderen Ansatz verfolgt, so gibt es dennoch gewisse Parallelen zur Videospielreihe Boku no Natsuyasumi. Seishū ist ein Stadtmensch und erleidet einen Kulturschock auf dem Land, entdeckt die neue Welt aber eben nicht mit Kinderaugen. Seit 2014 gibt es die Serie bei Crunchyroll nur auf Japanisch mit deutschen Untertiteln. Ein Umstand, der aufgrund der hohen Qualität gerne außer Acht gelassen werden darf. Zudem schließt Barakamon mit einem wohligen Gefühl.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf dem Stream bei Crunchyroll): Barakamon habe ich zehn Jahre lang überhaupt nicht wahrgenommen. Dies ist zum Teil dem Umstand geschuldet, dass es bis heute keine deutsche Synchronisation gibt, die für eine hiesige Veröffentlichung auf Blu-ray Disc vorteilhaft wäre. Stattdessen versteckt sich das zwölfteilige Werk von Animationsstudio Kinema Citrus im Streaming-Programm von Crunchyroll. Mich wundert dies nicht, denn auch in Japan wurde Barakamon mitten in der Nacht versendet. Meiner Ansicht nach gibt es dafür aber überhaupt keinen Grund. So erzählt die Anime-Serie eine Geschichte um einen Kalligraphiekünstler, der zu sich selbst finden und einen eigenen Stil entwickeln sollte. Noch dazu gibt es viele kleine Abenteuer und zahlreiche Albernheiten, die sich der Protagonist im Verlauf seiner Selbstverwirklichung stellen muss. All dies wird mit einem tollen Humor vor einer sommerlichen Idylle erzählt, die mich persönlich an Wohlfühlspiele im Stile von Boku no Natsuyasumi oder Animal Crossing erinnert. Wer leichte Kost nicht verschmäht und vielleicht noch eine gelungene Serie für warme bis heiße Tage sucht, kann mit Barakamon nichts falsch machen. Lediglich das Ende könnte für den einen oder anderen Zuschauer zu hastig kommen, doch bis dahin überzeugt die Serie eindeutig mit Charme, Humor und Charakteren.

Vielen Dank an Crunchyroll für die freundliche Bereitstellung des Zugangs zum Streaming-Angebot!

Hinterlasse einen Kommentar