Review: Nintendo World Championships: NES Edition

Seit 1990 richtet Nintendo of America Wettkämpfe in diversen Disziplinen unterschiedlicher Videospiele aus. Letztmals fand das Ereignis 2017 statt. Sieben Jahre später holt Nintendo das Spektakel in der Nintendo World Championships: NES Edition ins heimische Wohnzimmer.

Ein wenig seltsam ist es ja schon, einen Wettkampf als Weltmeisterschaft zu betiteln, wenn der Ausrichtungsort jedes Mal Nordamerika ist und damit in erster Linie amerikanische Enthusiasten anspricht. Möglicherweise hat der Konzern das erkannt und füllt das Sommerloch 2024 gleich mit einem Spiel, an dem sich weltweit die Kunden ergötzen können. Eventuell liegt die Verschiebung des Wettkampfes auch an der Tatsache, dass immer mehr Events ins Internet verlagert werden. Zumindest schmecken wir so einen herben Beigeschmack beim Spielen der Nintendo World Championships: NES Edition auf der Switch. Diese konzentriert sich, im Gegensatz zu der ursprünglichen Version auf dem NES, welche exklusiv die Finalisten der Weltmeisterschaft erhalten haben, auf hauseigene Titel. Rad Racer von Square und die immerhin von Nintendo entwickelte Version des russischen Puzzlespiels Tetris sind nicht mit von der Partie. Stattdessen bekommen wir es mit allen drei beziehungsweise vier Teilen von Super Mario Bros., Donkey Kong, Metroid, den ersten beiden Episoden von The Legend of Zelda, Kid Icarus, Excitebike, Ice Climber, Balloon Fight und nicht zuletzt Kirby’s Adventure zu tun. 150 kurze wie knackige Aufgaben, die auf 13 aufgezählten Spiele verteilt sind, gilt es in der Nintendo World Championships: NES Edition möglichst schnell und sicher zu lösen.

Konsekutiv aufeinander folgende Aufgaben

Bei diesen Aufgaben handelt es sich in der Regel um Herausforderungen, die zwischen ein paar Sekunden und wenigen Minuten zu bewältigen sind. Zum Beispiel liegt es an uns, mit Klempner Super Mario einen Pilz aus einem Fragezeichenblock zu befreien und zu mampfen oder mit Abenteurer Link ein Gebiet von mehreren Gegnern zu befreien. In Excitebike ist es wiederum unsere Aufgabe, eine Runde in möglichst kurzer Zeit abzuschließen und deshalb so gut es geht allen Hindernissen auszuweichen. Auffällig ist, dass die Aufgaben mancher Spiele wunderbar konsekutiv aufeinander folgen. Beispielsweise erfahren wir in Ice Climber peu à peu, wie die Steuerung funktioniert. Nach und nach lernen wir hierbei die verschiedenen Bestandteile der Levelarchitektur kennen und lösen die Abschnitte erst einmal einzeln. Mit der Zeit werden die Aufgaben innerhalb eines Spiels immer anspruchsvoller beziehungsweise schwieriger. Ganz am Ende müssen wir dann die meisten Kniffe beherrschen, um wie in unserem Beispiel Ice Climber ein ganzes Level durchzuspielen. Bei Super Mario Bros. ist das, unter Berücksichtigung der Warp-Röhren zu anderen Welten, am Ende sogar das ganze Spiel. Ununterbrochen läuft hierbei die Zeit weiter. Damit wir einen neuen Rekord in den Aufgaben der Nintendo World Championships: NES Edition aufstellen, sollten wir also nicht trödeln.

Wöchentlich wechselnde Herausforderungen

Sämtliche Aufgaben des Spiels machen wirklich Spaß, denn nicht selten ertappen wir uns kurz nach dem Aufstellen eines Rekords, dass wir uns der Challenge direkt erneut stellen – wir könnten ja schließlich ein noch besseres Ergebnis erzielen. Entsprechend korrigiert sich die Spielzeit, bis wir in allen Aufgaben möglichst den A- oder sogar S-Rang erzielt haben, mit kurzweiligen wie vergnüglichen Aufgaben nach oben. Abseits des sogenannten Speed-Run-Modus gibt es allerdings nicht so viel zu tun. In der Weltmeisterschaft müssen wir beispielsweise fünf ausgewählte sowie wöchentlich wechselnde Herausforderungen so schnell wie möglich beenden. Nach einer Woche können wir das Ergebnis mit anderen Spielern der Nintendo World Championships: NES Edition weltweit vergleichen. So erfahren wir, auf welchem Platz wir allgemein gelandet sind, und dann auch, auf welchem Platz wir bei allen Spielern stehen, die im selben Jahr wie wir geboren sind. Spaßeshalber erfahren wir auch, wie alt wir waren, als der jeweilige Titel für das Nintendo Entertainment System erschienen ist respektive ob wir zu dem Zeitpunkt überhaupt schon geboren waren. In diesem Zusammenhang nehmen wir es Nintendo aber mehr als bloß übel, dass wir uns weder im Speedrun- noch im Weltmeisterschaftsmodus online oder lokal direkt mit unseren Freunden vergleichen können.

Überlebensk(r)ampf auf kleinen Bildschirmen

Ähnlich verhalten sind wir beim Überlebensmodus, denn in diesem stellen wir uns lediglich den Geistdaten von sieben anderen Spielern. In drei aufeinanderfolgenden Aufgaben müssen wir zunächst mindestens Vierter und in der mittleren Runde mindestens Zweiter werden, um ins Finale einziehen zu können. Auch diese Challenges wechseln durch. Eigentlich ist dieser Ansatz gut, motiviert aber nur wenig. Die Nintendo World Championships: NES Edition zielt darauf ab, dass wir den Titel nach dem einmaligen „Durchspielen“ wöchentlich anschmeißen und uns mit anderen Spielern messen. Dabei würde uns ein simultaner Mehrspielermodus doch so viel mehr Spaß machen! Dieser ist tatsächlich enthalten, lässt sich aber nur lokal mit bis zu sieben Mitspielern auf der Switch spielen. Hier kommen wir allerdings zum nächsten Knackpunkt, denn der Bildschirmausschnitt, auf dem wir spielen können, ist unfassbar klein. Das gilt sowohl für den Einzelspielermodus als auch den Mehrspielermodus, für letzteren aber umso mehr. Ihr könnt ja gerne mal versuchen, sieben Freunden Controller in die Hand zu drücken und dann auf einem kleinen Fernseher die Pixelhelden zu steuern. Gut, Nintendo ist so fair und gibt einen Hinweis vor dem Starten des Mehrspielermodus darauf, dass ein größerer Bildschirm empfohlen wird. Alternative Lösungen wären auch hier definitiv ratsam gewesen.

Originale Spielerfahrung mit Slowdowns

Wir verstehen nicht, warum die Nintendo Entertainment Planning & Development Division in Zusammenarbeit mit Indieszero das grundlegend geniale Konzept nicht besser durchdacht hat, zumal die Entwickler bereits mit NES Remix und NES Remix 2 gezeigt haben, dass es auch anders geht. Gerade wenn wir etwas weiter weg vom Bildschirm sitzen, weil der Raum es in Anbetracht von Möbelstücken nicht anders hergibt, leidet die Spielbarkeit darunter. Ein wenig besser funktioniert die Bedienung im Handheldmodus des OLED Models der Switch. Unter technischen Gesichtspunkten laufen die betagten NES-Spiele im Emulator genauso wie sie ältere Semester in Erinnerung haben. Soll heißen, dass unschöne Slowdowns die Spielerfahrung beeinträchtigen oder unterstützen – je nachdem ob ihr die Originale bestens in Erinnerung habt. Wir hätten uns über eine angepasste Programmierung gefreut, verstehen aber sehr gut, warum Nintendo uns hier eine Spielerfahrung nahe den Ursprungswerken serviert. Beim Soundtrack gibt es nichts zu meckern. Hier verwöhnt uns bis aufs Menü beste 8-Bit-Musik, die wir als Kenner der Klassiker direkt mitsummen und uns noch tiefer ins Gameplay einsteigen lassen. Die Nintendo World Championships: NES Edition hat zwar einige Defizite, doch wer Geschicklichkeitsaufgaben und Zeitdruck zu bewältigen weiß, darf einen Blick riskieren.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Ich bin ein sehr großer Fan der NES-Remix-Reihe und nehme es Nintendo immer noch krumm, dass an diesem Potpourri der Kreativität bis heute nicht mehr angesetzt worden ist. Die Nintendo World Championships: NES Edition geht zwar in eine ähnliche Richtung, doch nachdem ich in den letzten Tagen noch einmal in mich gegangen bin, kam ich zu dem Schluss, dass die Werke nicht miteinander verglichen werden dürfen. So setzt der vorliegende Titel durchweg auf Speedrun-Herausforderungen und weniger auf kreative Mischungen verschiedener Spiele. Mit allen 150 Aufgaben habe ich meinen Spaß und versuche diese in mehreren Anläufen so gut es geht abzuschließen. Das kann teilweise ganz schön dauern, was aber nur für das Spiel beziehungsweise die Klassiker spricht, die noch ein wenig Einarbeitungszeit verlangen. Es ist eine wahre Freude, einen neuen Rekord aufzustellen. Allerdings geht es mir nicht in den Kopf, dass ich meine Bestzeiten nicht mit Freunden vergleichen kann. Gerade das würde doch den Reiz des Spiels ausmachen und dazu verlocken, den Titel über Wochen oder gar Monate hinweg anzuschmeißen. Auch technisch unverständliche Maßnahmen wie der viel zu kleine Bildschirmausschnitt stören mehr als sie Sinn ergeben. Ich mag das Spiel wirklich, aber damit es für mich und vermutlich viele andere Spieler interessant bleiben soll, muss unbedingt ein zeitnaher Patch her, der zumindest die gröbsten Designschnitzer korrigiert.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Nintendo World Championships: NES Edition!

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