Review: Star Wars: Outlaws

Im Jahr 2013 wurde bekannt, dass Disney die Star-Wars-Lizenz für Videospiele bis auf wenige Ausnahmen exklusiv an Electronic Arts vergeben hat. Selbst für beinharte Fans war das zu viel des Guten. Diese dürfen sich dafür aber über Star Wars: Outlaws von Ubisoft freuen.

Electronic Arts sowie Ubisoft stehen nicht unbedingt in dem Ruf, die besten Videospiele der Galaxis zu fabrizieren. Herauskommen sind meist solide Spiele, die sich aber häufig zu sehr auf etablierte Genrestandards konzentrieren. Das Action-Adventure Star Wars: Outlaws, das Ende August 2024 von Ubisoft veröffentlicht wurde, reiht sich in diese Produktionen ein. Im Spiel schlüpfen wir in die Rolle von Kay Vess, die sich als Diebin, Schmugglerin, Lügnerin, also schlichtweg als Schurkin, auf dem Planeten Cantonica ihren Lebensunterhalt verdient. Allerdings befindet sie sich zu Beginn des Abenteuers noch relativ am Anfang ihrer Karriere, denn wirklich große Dinger hat sie noch nicht gedreht. Dies ändert sich jedoch in jenem Moment, in der ihr ein Auftrag angeboten wird, der sie in das Anwesen des Gangsterbosses Sliro Barsha führt. Wie ihr euch denken könnt, verläuft die Mission nicht nach Plan. Mit einem Raumschiff gelingt ihr zwar die Flucht von Cantonica, doch wird auf sie ein Kopfgeld ausgesetzt. Darüber hinaus findet sie sich zwischen den Fronten diverser Verbrechersyndikate wieder, die sie alle für ihre eigenen Zwecke ausnutzen wollen. Davon lässt sich Kay jedoch nicht aufhalten: Sie geht als Gesetzlose unbeirrt ihren Weg – und wir begleiten sie dabei, bereisen die Galaxis, bauen eine Crew auf und planen schlussendlich den Raub von Sliros Eigentum.

Spannende Handlung, ermüdendes Beiwerk

Angesiedelt zwischen der fünften und sechsten Episode der Star-Wars-Filmreihe bereisen wir während der durchaus spannend erzählten Handlung mehr oder weniger bekannte Welten wie den Savannenmond Toshara, den verschneiten Planeten Kijimi oder den Wüstenplaneten Tatooine. Hinzu kommen weitere Schauplätze wie Raumstationen im Weltall, an denen wir mit der Bahnbrecher, so der Name unseres Raumschiffes, andocken können. Während die allerwichtigsten Storymissionen gut geschrieben sind und sogar hin und wieder berühmte Figuren aus dem Star-Wars-Universum auftreten, gilt das nicht unbedingt für die Nebenaufgaben. Es gibt zwar auch hier nette Geschichten zu erleben, die sich aber vor allem wie Beschäftigungstherapie anfühlen. Das liegt vor allem daran, dass es sich bei den Planeten und Monden von Star Wars: Outlaws um weitläufige Spielzonen handelt. Die berühmtberüchtigte Ubisoft-Formel à la Assassin’s Creed taucht zwar nur in abgewandelter Form auf, doch bleiben diese offen angelegten Bereiche des Spiels dennoch mit Aufgaben gefüllt, die sich viel zu schnell abnutzen. Allen, die sich die Mühe machen wollen, jede kleine Ressource aufzusammeln, können wir nur empfehlen, diese Aufgaben häppchenweise parallel zur eigentlichen Handlung abzuklappern, da ansonsten viel zu schnell Ermüdungserscheinungen auftreten können.

Tierische Unterstützung

Kommen wir innerhalb der offen angelegten Spielwelt jedoch zu einem Punkt, an dem wir in einen linearen Storyabschnitt gelangen, spielt Star Wars: Outlaws sein volles Potenzial aus. Hier klettern wir in abgestürzten Raumschiffen, infiltrieren eine imperiale Raumstation oder räumen das Lager eines Syndikats aus. Unterlegt werden sämtliche Szenen mit verschiedenen Kommentaren von Kay zu ihrem tierischen Begleiter Nix, dem Gemurmel der Sturmtruppler oder Funkübertragungen von Kays jeweiligen Komplizen oder ihren Auftraggebern. All dies erinnert sehr stark an Uncharted. Sowohl die Klettereinlagen an markierten Stellen, abbrechenden Elementen, die den Rückweg blockieren, und auch die Schusswechsel, die hier und da mit Gaunern, Verbrechern, Kopfgeldjägern und Imperialen losgetreten werden, erinnern frappierend an Sonys Schatzjägerabenteuer. Dazu kommen verschiedene Rätsel, die Kay nur mit ihrem Merqaal Nix lösen kann. Beispielsweise hält das Tier eine Klappe auf, wodurch Kay einen Ionenschuss abfeuern kann, um einen Schalter elektrisch aufzuladen. Außerdem kann sie Nix Befehle geben, entfernte Knöpfe zu drücken, um verschiedene Mechanismen in Gang zu setzen, die sie zum nächsten Ziel bringen. Selbst im Kampf ist Nix hilfreich. So können wir ihm befehlen, Heilphiolen oder Granaten aufzusammeln oder Gegner abzulenken.

Bröckelnde Spielerfahrung

Um auf einer Welt von einem Ort zum anderen zu gelangen, steigen wir ähnlich wie Darth Maul in der ersten Episode der Star-Wars-Filmreihe auf einen Gleiter. Zwar können wir Geschwindigkeit und Lenkung mit gefundenen Materialien später verbessern, doch fängt genau mit diesem Spielelement die positive Erfahrung endgültig zu kippen an. Der Gleiter ist gerade zu Beginn übersensibel und selbst wenn wir nur einen kleinen Gesteinsbrocken oder den Schwanz eines Lebewesens erwischen, fliegen wir vom Sitz. Werden wir in der Zeit von Banditen verfolgt, haben wir kaum eine Chance, ungeschadet zu entkommen. Verstehen wir uns mit einem Syndikat überhaupt nicht mehr, können solche Momente am laufenden Band geschehen. Es ist zum Verrücktwerden, dass dieser Umstand den Entwicklern offenbar nicht aufgefallen ist. Noch dazu ist auf der Benutzeroberfläche kein Platz für eine Minimap vorgesehen. Können wir also in der Ferne innerhalb der bemerkenswerten Weitsicht nicht erkennen, ob wir hinter dem auftürmenden Berg überhaupt zum nächsten Zielort gelangen können, müssen wir umständlich das Menü öffnen und die Umgebung analysieren. Auch dies hätte den Entwicklern in unseren Augen definitiv auffallen müssen. Zumindest optional erwarten wir solch ein Feature, wenn die Topografie der Level-Architektur förmlich danach verlangt.

Immersives Gameplay

Schön ist aber, wie Star Wars: Outlaws aufgebaut ist, woran der Ansatz der Immersion bezüglich der fehlenden Minimap zu erklären ist. Die Karte ist von Beginn an nicht mit Symbolen vollgekleistert, weshalb wir auch nicht direkt mit Aufgaben erschlagen werden. Düsen wir mit dem Gleiter durch die Landschaft, können wir am oberen Bildschirmrand erkennen, in welcher Himmelsrichtung sich interessante Orte befinden. Auch erhalten wir durch das konstante Abhören des imperialen Funkverkehrs Informationen, wo sich Stationen in der Nähe befinden, die wir ausräumen können. Am besten gefällt uns jedoch, dass wir uns in einer Bar am Tresen anlehnen müssen, um Dialoge zu belauschen. Erst dann wird ein entsprechender Marker auf der Karte gesetzt. Ob sich der Ausflug lohnt, können wir hingegen dem Aufgabenverzeichnis entnehmen. Hier werden alle Missionen in verschiedene Kategorien aufgeteilt. Diese Entscheidung begrüßen wir, können wir doch so schnell unser nächstes Ziel auswählen. Um den drögen Schurkenalltag aufzulockern, können wir uns auch an Arcade-Automaten vergnügen oder uns an den Pokertisch setzen, um das Kartenspiel Sabaac zu spielen – und dabei betrügen, wenn wir es denn wollen. Mit allem scheffeln wir jede Menge Credits, mit denen wir neue Ausrüstung sowie hilfreiche Upgrades für Gleiter und Raumschiff erwerben können.

Aneignen von Fähigkeiten

Eine ebenfalls positive Designentscheidung in Star Wars: Outlaws ist das Erlernen neuer Fähigkeiten. Je mehr Personen wir zu unserem Freundeskreis zählen, desto mehr Skills können wir im Action-Adventure erlernen. Dies geschieht aber nicht durch das simple Sammeln von Erfahrungspunkten und damit verbundenen Stufenaufstiegen, denn diese gibt es nicht – und hier ist das Spiel durchaus kreativ. Sobald wir jemanden kennengelernt haben, erhalten wir im Menü einen Überblick darüber, welche Fähigkeiten wir erlernen können. Hierfür sind jeweils verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen, die wir spielerisch umsetzen. Die einfachste Möglichkeit ist das Sammeln von bestimmten Ressourcen, von denen ein Material oftmals selten ist und nur an bestimmten Orten vorkommt. Haben wir alle Ressourcen beisammen, können wir uns auf diese Weise beispielsweise ein Gesundheitsupgrade einverleiben. Es kann aber auch sein, dass wir bestimmte Manöver ausführen müssen, um neue Skills zu erlernen. Hierzu zählt unter anderem das geräuschlose Ausschalten von Gegnern, während Nix sie ablenkt. So kommen wir an Fähigkeiten, die tatsächlich Auswirkungen aufs Spielerlebnis haben. Unter anderem können wir uns Feinden mit erhobenen Händen ergeben – nur um sie eben doch mit dem Blaster im richtigen Moment erschießen zu können. Han-Solo-Fantasien werden wahr!

Kinoreifes Videospielerlebnis

Atmosphärisch kommt an allen Ecken das typische Film-Feeling auf. Besonders dann, wenn jemand einen Blasterschuss abfeuert oder im Weltraum ein Tie-Fighter an uns vorbeizischt, fühlen wir wie im Film. Der Soundtrack ist stimmig, kommt aber nur in seltenen Fällen an die markante Musik von John Towner Williams heran, was für den einen oder anderen Fan von Belang sein könnte. Cineastische Stimmung ist aber vor allem durch die Grafik gegeben. Das Spiel sieht wirklich gut aus und gerade in den Zwischensequenzen bewegen sich die einzelnen Figuren stilecht. Leider passen die Lippenbewegungen in der deutschen Synchronisation nicht immer zum Gesagten. Manche Stimmen wirken zudem unpassend. Abgesehen davon bietet das Action-Adventure ein tolles Feature bezüglich des Seitenverhältnisses. So können wir zwischen der bildschirmfüllenden Option oder dem Kino-Modus im 21:9-Format wählen – letzteres sogar dann, wenn unsere Auflösung im 16:9-Format vorliegt. Dadurch haben wir ein breiteres Sichtfeld, auch wenn die schwarzen Balken oben und unten störend sein könnten. Vorteilhaft ist, dass das Spiel so weniger Bildpunkte berechnen muss und uns einen Performance-Boost auf unserem Testrechner (Intel i5 13600K, GeForce RTX 4070, 32 GB DDR5 RAM) beschert, der bei maximalen Grafikdetails sonst leicht ins Stottern kommt. Alles in allem mag Star Wars: Outlaws nicht jeden umhauen – es ist aber dennoch ein wirklich solides Videospiel für jeden Fan der Weltraumoper geworden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Bis heute kann ich über den zehn Jahre laufenden Deal zwischen Disney und Electronic Arts nur den Kopf schütteln. Dabei sind zwar durchaus passable bis gute Star-Wars-Videospiele herausgekommen, doch ein Meisterwerk war nicht dabei. Andere Hersteller hätten sicherlich auch gerne mit der Marke gearbeitet. Publisher Ubisoft und Entwicklerstudio Massive Entertainment haben mit Star Wars: Outlaws das Rad zwar nicht neu erfunden, bieten jedoch eine andere Spielerfahrung. Bei diesem Erlebnis bin ich jedoch zwiegespalten. Auf der Habenseite mag ich die dichte Atmosphäre, die mich an die Filme erinnert. Auch habe ich Gefallen an der Geschichte von Kay Vess und ihrem tierischen Begleiter Nix gefunden. Ebenfalls positiv fällt das Erlernen neuer Fähigkeiten aus. Zu guter Letzt mag ich die linearen Storymissionen, die mich in actionreiche Situationen führen und mich Rätsel lösen lassen. Überschattet wird das ganze mit einer offenen Spielweltstruktur, in der eigentlich immer nur dasselbe passiert: Hier ein Banditenlager überfallen, dort einen imperialen Stützpunkt infiltrieren und nebenher noch ein paar Schätze aufklauben. Manche Nebenmissionen führen mich sogar an Haupthandlungsplätze zurück, wodurch diese an Gewicht verlieren. Noch dazu gehört die Gleitersteuerung zu den schlimmsten Bedienungen von Vehikeln, die ich je in Videospielen erlebt habe. Diese macht einfach keinen Spaß und nervt gerade bei den unaufhörlichen Verfolgungsjagden enorm. Gerade dann, wenn ich es mit einem der drei spielrelevanten Syndikate verscherzt habe, gibt es fast keine Verschnaufpausen mehr. Ärgerlich! All das verhindert, dass ich den Titel länger als zwei Stunden am Stück spielen will. Star Wars: Outlaws macht in sehr vielen Momenten definitiv Spaß, fühlt sich unterm Strich aber nicht ganz fertig konstruiert an. Fans werden mit dem Spiel durchaus ihre Freude haben, sofern sie sich auf die nicht von der Hand zuweisenden Defizite einlassen können.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Star Wars: Outlaws!

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