Review: Astro Bot

Um die Technik von neuer Hardware zu demonstrieren, hat Sony Interactive Entertainment in den letzten Jahren den titelgebenden Astro Bot in kleinere Abenteuer geschickt. Seinen ersten richtig großen Titel hat der kleine weiße Roboter allerdings erst im September 2024 erhalten.

Um Kenntnis von den Features einer Konsole oder einer Peripherie zu erhalten, setzen Hersteller auf kleinere Spiele oder Programme, die – ohne es abwertend zu meinen –, häufig als Techdemos bezeichnet werden. Eine solche Techdemo war 2013 das digitale Spiel The Playroom für die PlayStation 4, in der die Features des Controllers und der Kamera wunderbar zu erproben sind. Über die Zeit ist die Astro-Bot-Marke entstanden. Auf jeder PlayStation 5 vorinstalliert ist beispielsweise der Titel Astro’s Playroom, der sowohl die Rumble-Funktion als auch die adaptiven Trigger des DualSense-Controllers hervorhebt. Mit dieser Methode, ein Spiel auf einer Konsole kostenlos für jeden Besitzer mitzuliefern, hat Sony Interactive Entertainment definitiv den Nerv der Zeit getroffen. Schnell wurden Rufe nach einem vollwertigen Spiel mit Astro Bot in der Hauptrolle laut. Als der Publisher im Jahr 2021 sein Japan Studio schloss, was PlayStation-Fans bitter aufstoßen ließ, wurde Team Asobi als einziges Entwicklerteam des Studios übernommen. Sony Interactive Entertainment wusste ganz genau, dass diese Entwickler dem Konzern noch treue Dienste leisten würden. So entstand über die Jahre hinweg das vorliegende Astro Bot, das schlicht und einfach wie der Protagonist des Spiels heißt. Herausgekommen ist ein Lobgesang auf die letzten dreißig Jahre mit der PlayStation.

Collectibles im Weltall

Astro Bot ist mit einer dreihundertköpfigen Besatzung fern von der Heimat unterwegs. Der Weltraumschurke Nebulax bringt das Raumschiff von Astro Bot, das wie eine PlayStation 5 aussieht, zum Absturz. Die dreihundert Bots werden, genauso wie die sechs elementaren Bauteile des Schiffs, quer durchs All verteilt. Also machen wir uns als Astro Bot auf, verschiedene Systeme zu erkunden und auf etlichen Planeten zu landen, um nach den hilflosen Bots zu suchen. Diese sind deshalb so wichtig, da die Bossgegner auf der Oberweltkarte mit einem besonderen Schloss geschützt sind, welches sich nur mit einer Mindestanzahl an Bots öffnen lässt. Ähnlich verhält es sich mit bestimmten Stellen an der Absturzstelle: Haben wir noch nicht genügend Bots gerettet, können wir verschiedene Situationen noch nicht meistern. So motiviert uns das Spiel von Beginn an, mit offenen Augen durch die farbenfrohen Welten zu laufen. Verpassen können wir aber nur die wenigsten, denn die meisten Bots machen lautstark auf sich aufmerksam. Nur selten kommt es vor, dass sich ein Bot derart gut versteckt, dass wir den Level ein zweites oder ein drittes Mal angehen müssen. Weitere Collectibles gibt es in Form von Puzzle-Teilen und Münzen. Während wir mit den Puzzleteilen neue Gebäude an der Absturzstelle errichten, können wir die Münzen zigfach in einem Gashapon versenken.

Platformer und Geschicklichkeitsspiel

Jetzt fragt ihr euch sicherlich, was Astro Bot überhaupt für ein Spiel ist. Im Grunde handelt es sich bei dem Titel um einen Platformer. Wir laufen mit dem Roboter in der Regel geradlinig durch die dreidimensionale Spielwelt und springen nebenher über Abgründe und schwebende Plattformen. Ist der Abgrund zu breit, zünden wir den eingebauten Antrieb und können dann mit Hilfe unserer Düsen einen kurzen Moment selbst schweben. Stellen sich uns Gegner in den Weg, hauen wir sie auf Knopfdruck aus der Bahn. Allerdings sollten wir dabei vorsichtig vorgehen, denn mit Ausnahme der Bosskämpfe verträgt unser Held keinen Schaden. Sobald wir also von einem stacheligen Gegner gestochen, von einem elektrisch geladenen Feind geschockt oder von einem flammenwerfenden Widersacher versengt werden, müssen wir beim letzten Kontrollpunkt neu ins Gefecht starten. Tritt dieser Umstand ein, ist mit Ausnahme der Bots und Puzzleteile jeglicher Fortschritt futsch. Deshalb fühlt sich Astro Bot mit zunehmender Spielzeit eher wie ein Geschicklichkeitsspiel an, das von uns verlangt, jede Situation möglichst gut zu meistern. Wir verstehen nicht, warum die Entwickler Astro Bot keine Lebensenergieleiste spendiert haben. Bei jeglichem Bosskampf übersteht der Roboter ja auch zwei Berührungen mit dem Feind. Unserer Meinung nach leidet darunter etwas die Spielbarkeit.

Kleines Ideenfeuerwerk

Nichtsdestotrotz müssen wir Astro Bot eines zugutehalten: Jedes Scheitern einer Spielstelle macht uns definitiv stärker. Wir lernen die verschiedenen Passagen quasi im Vorbeigehen auswendig und reagieren bei der nächsten auch nur ähnlichen Situation instinktiv. Dadurch fallen wir trotz einiger Wiederholungen in einen angenehmen Spielfluss. Letzteres liegt in unseren Augen jedoch auch daran, dass das Spiel sehr kreativ gestaltet ist. Auffällig sind die Spezialfähigkeiten des Helden, die er alle paar Levels einsetzen darf. Beispielsweise schießt er mit einem Hund auf dem Rücken pfeilschnell nach vorne, während er mit einem Huhn huckepack genommen gen Himmel aufsteigt. Auch kann er sich affenartig an Klippen festhalten oder unter Wasser mit Hilfe eines Pinguin schneller fortbewegen. In späteren Levels kommen in Astro Bot auch neue Gegner hinzu, die ein Umdenken unserer Taktik fordern. Gelegentlich erwarten uns auch leichte Rätsel, die aber keine Kopfnüsse darstellen und eigentlich nur dazu da sind, um das Gameplay ein wenig aufzulockern. Bei diesem Ideenfeuerwerk stechen aber vor allem die cool inszenierten Bosskämpfe heraus. Unter anderem geht es einem riesigen Kraken an den Kragen – oder wir kämpfen gegen einen riesigen Vogel auf dessen Rücken. Hier gilt es, alle gelernten Fähigkeiten in der richtigen Abfolge gekonnt einzusetzen. Toll!

Einwandfreie Technik

So sehr wir Astro Bot auch mögen, müssen wir aber gestehen, dass wir fast alles schon einmal gesehen haben. Das ist auch kein Wunder, denn es ist schwierig, Platformer neu zu definieren. Außerdem ist es kaum möglich, gerade in diesem Genre gegen die Ideenschmiede Nintendo mit den zahlreichen Super-Mario-Spielen anzukommen. Trotzdem sollte euch das nicht davon abhalten, einen Blick zu riskieren. Ähnlich wie Sackboy: A big Adventure aus dem Jahr 2020 eine gelungene Alternative zu Super Mario 3D World darstellt, lässt sich Astro Bot als Konkurrent zu Super Mario Odyssey verstehen. Rein technisch betrachtet überflügelt Astro Bot die Konkurrenz sogar, denn das Spiel sieht fantastisch aus, hat einen eigenwilligen Look und läuft durchweg mit butterweichen sechzig Bildern pro Sekunde. Hinzu kommt ein gelungener Soundtrack, der uns mitfiebern lässt. Außerdem zeigt Team Asobi erneut, wie toll es ist, mit dem DualSense-Controller zu spielen. Egal auf welchem Untergrund wir uns bewegen, durchs Wasser schwimmen oder Erschütterungen spüren – all das fühlt sich super an. Schlussendlich stellt der Titel mit vielen Anspielungen an vergangene Tage inklusive ganzer Levels eine Reise durch dreißig Jahre PlayStation dar. Angefangen bei Ape Escape über LocoRoco bis hin zu Horizon: Forbidden West ist alles dabei, was sich jeder PlayStation-Fan nur wünschen kann.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Astro Bot zeigt wunderbar, zu welchen Glanzleistungen Sony Interactive Entertainment abseits von Uncharted, Horizon und filmreifen Adventures im Stande ist. Es mögen zwar nicht alle Facetten des Spiels originell sein, aber sie fügen sich allesamt zu einem mehr als funktionierenden Gesamtbild zusammen. Die audiovisuell ansprechenden Levels zaubern mir ein Lächeln aufs Gesicht, können mich aber gerade bei mehrmaliger Wiederholung an die Grenzen treiben. Mit jeder Wiederholung stärke ich jedoch meine Fähigkeiten. Schnell merke ich, dass ich bei ähnlichen Spielsituationen deutlich besser auf diese reagieren kann. In vielen Fällen würde ich die Geduld verlieren, doch Astro Bot schafft es, mich durchweg bei der Stange zu halten. Außerdem ist das Spiel, je nach Spielertyp und eigenem Anspruch, alle Collectibles zu finden, mit circa zehn bis zwanzig Spielstunden auch nicht sonderlich lang. Genau solch kreativen Spiele machen das Medium aus. Ulkigerweise greift Astro Bot etliche Elemente aus teils Jahrzehnten alten Marken auf und nimmt mich mit auf eine Reise durch dreißig Jahre PlayStation. Bleibt zu hoffen, dass auch die Verantwortlichen bei Sony Interactive Entertainment selbst einmal Astro Bot spielen, um zu begreifen, auf welchem Schatz sie sitzen. Mit gefällt Astro Bot definitiv sehr. Wer Platformer mag, wird definitiv seinen Spaß haben!

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Astro Bot!

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