Review: City of Darkness

Beim abendfüllenden Streifen City of Darkness handelt es sich um einen Gangsterfilm aus dem Jahr 2024 von Regisseur Chaeng Soi. Der Film kombiniert Stilmittel des Dramas und Martial-Arts-Elemente vor dem Hintergrund der regelrecht legendären Kowloon Walled City.

In den meisten Gangsterfilmen ist es Gang und Gäbe, dass ein Mobster durch einen vermeintlich  mächtigeren Anführer ersetzt wird, wenn seine Zeit gekommen ist. Schon vor der einsetzenden Story von City of Darkness erfährt der Zuschauer, dass ein Mann mit dem Spitznamen Tornado Kowloon übernommen hat. Chan Lok-kwan, ein Herumtreiber und Kampfkünstler, benötigt lediglich einen Ausweis, um aus Hongkong zu entkommen. Vom Triadenboss Mister Big betrogen, hat er keine andere Wahl, um ihn dessen Eigentum zu entwenden. Mit einem Sack voll Drogen leistet er sich mit Mister Bigs Handlangern eine wilde Verfolgungsjagd durch die Straßen von Hongkong. Schlussendlich flieht er in den ummauerten Stadtteil Kowloon, bei dem es sich um mehrere und fast schon organisch zusammengesetzte Gebäude handelt. Hier sind die Gassen derart eng, dass den vermeintlichen Bösewichten die Verfolgung schwer fällt. Chan gelingt es, Tornado ausfindig zu machen. Er schließt sich ihm über oder kurz lang an und lernt zudem die Stadt und ihre Bewohner besser kennen. Ihm gelingt es, unter der Führung von Tornado Gleichgesinnte zu finden, sodass er sich zumindest temporär ein neues Leben aufbauen kann. Ausruhen kann er sich in der Kowloon Walled City nicht, denn einerseits warten seine Verfolger und andererseits droht dem Gebäudekomplex der Abriss.

Licht und Schatten in Kowloon

Angesiedelt in den späten 1980er-Jahren spielt die Geschichte von City of Darkness entsprechend vor dem Hintergrund der Rückgabe der einstigen britischen Kronkolonie Hongkong an die Volksrepublik China. Kowloon droht daher der Abriss. Von dem, was an Videoaufnahmen und Fotografien die Zeit überdauert hat, lässt sich sagen, dass den Requisitenkünstlern und Bühnenbauern die Umsetzung von Kowloon überaus geglückt ist. In der Populärkultur dürften die Strukturen der Stadt längst bekannt sein, gehört sie ohne Zweifel zu den stärksten Einflüssen auf das Cyberpunk-Genre. Auch das Dreamcast-Spiel Shenmue II von 2001 nutzt Kowloon als einen der wichtigsten Handlungsorte der Reihe. Obwohl der Titel des Films nichts Gutes verheißen lässt, gibt es in der Stadt der Dunkelheit auch Licht. Wer jemandem hilft, dem wird auch selbst Hilfe widerfahren, heißt es zu Filmbeginn. So erhält der verwundete Chan anfangs Hilfe von wildfremden Personen, sodass er sich gleich daraufhin revanchieren kann. Neben Läden, Restaurants und Wohnungen von Familien gibt es auf der Kehrseite allerdings verruchte Hinterhöfe, heruntergekommene Fassaden und dreckige Gassen, wo das organisierte Verbrechen wie Blut in den eigenen Adern pulsiert. Durch den drohenden Abriss will Mister Big unbedingt in Kowloon investieren, was das besagte Blut hochkochen lässt.

Düstere Szenerie und Gestaltungsmethoden

Als Kulisse eignet sich Kowloon hervorragend für die Kämpfe. So prügeln sich die Charaktere in engen Gassen und unübersichtlichen Räumen mit niedrigen Decken und dünnen Wänden. Köpfe prallen auf Beton, Arme brechen und es wird auch nicht davor zurückgeschreckt, auf stumpfe wie scharfe Waffen zurückzugreifen. Die schnellen Choreographien sorgen für ein hohes Erzähltempo. Auch die ruhigen Szenen des 125 Minuten langen Films begeistern, sind sie doch nicht völlig frei von Anspannungen aufgrund übler Machenschaften. Passend zum düster gehaltenen Szenario fällt das Bild aus. In der Walled City gibt es kaum Licht und selbst am Tage bleibt es eher trist. In den Innenräumen ist das Licht gedämpft und elektronisch. Genauso sind das Flimmern von Fernsehgeräten und durch Zigarettenqualm vernebelte Räume Merkmale, die für City of Darkness stehen. Die Action ist mit adrenalingeladenen Stücken unterlegt, teils auch mit Gesang. Ruhige Szenen stehen mit sanften chinesischen Klängen im krassen Kontrast. Die deutsche Synchronisation ist passend und liegt im Format Dolby Atmos True HD vor, während der kantonesische Originalton auf DTS-HD Master Audio 5.1 setzt. Als Bonus winken ein Behind the Scenes, ein Making-of, entfallene Szenen, mehrere Interviews, eine kurze Tour durch die Kulissen, Eindrücke von der Premiere und mehrere Trailer und Teaser. Damit ist der Film besser kuratiert als vergleichbare Werke.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): City of Darkness ist ein Hongkong-Film, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen und erlebt habe. Getarnt als Gangsterfilm mit Elementen des Dramas und Martial-Arts-Anleihen erzählt der Film eine spannende Geschichte, die sich mit jeder Minute aufgrund übler Machenschaften unterschiedlicher Organisationen mehr und mehr zuspitzt. Es ist nicht alles als bare Münze zu nehmen, was im Film passiert, denn gerade die Choreographien sind massiv übertrieben, unterhalten aber Genrefans vielleicht gerade deshalb. Auch die Kulisse der Kowloon Walled City gefällt mir gut, ist sie doch ein Szenario, das bislang kaum bis gar nicht genutzt wurde. Es ist ein lebendiger Brennpunkt, ein Schmelztiegel unterschiedlicher Gestalten, der einfach nicht langweilig wird. Wer Filme dieses Kalibers mag, kommt um City of Darkness nicht herum. Es bleibt zu hoffen, dass es nicht der letzte Ausreißer nach oben im Hongkong-Kino bleibt.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von City of Darkness!

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