Review: Die Sims (Legacy Collection)

Häuslein bauen, Innendekorateur spielen und anschließend über das Leben der illustren Bewohner bestimmen: Damals wie heute gibt es kein vergleichbares Werk wie Die Sims oder den Nachfolgern. Zum fünfundzwanzigsten Jubiläum wurde der Klassiker wiederbelebt.

Inspiriert von einer Monographie zu den Themenfeldern Architektur, Innenausstattung und Lebensqualität begann Entwicklerlegende William Ralph „Will“ Wright, seines Zeichens der Erfinder von SimCity, zu Beginn der 1990er-Jahre mit der Entwicklung einer Lebenssimulation. Es verging fast ein ganzes Jahrzehnt, bis diese Lebenssimulation konkrete Formen annahm und den Grundstein für eine Videospielreihe legen konnte, die auch ein Vierteljahrhundert später noch in aller Munde ist. Die Rede ist vom Klassiker Die Sims, den Herausgeber Electronic Arts zum fünfundzwanzigsten Jubiläum des Franchises zusammen mit dem zweiten Serienteil noch einmal veröffentlicht hat. Es handelt sich hierbei aber nicht um eine Neuauflage im Stil eines Remasters, sondern um dasselbe Spiel, das uns noch aus dem Jahr 2000 bekannt ist. Allerdings hat es sich Electronic Arts nicht nehmen lassen, alle in den Jahren 2000 bis 2003 veröffentlichten offiziellen Erweiterungen in die sogenannte Legacy Collection zu packen. Soll heißen, dass wir den Lebenssimulationsklassiker in dieser Ausgabe tatsächlich mit allen existierenden Add-ons spielen können. Womit Electronic Arts in den frühen 2000er-Jahren in monatlichen Abständen den Reibach gemacht hat, kostet in der vorliegenden Legacy Collection nur einen Bruchteil, dürfte aber womöglich Neulinge anfangs etwas erschlagen.

Zeitloses Spielprinzip eines Klassikers

Habt ihr noch nie von Die Sims gehört, interessiert ihr euch vermutlich weniger für simulationslastige Videospiele oder habt die letzten Jahrzehnte unter einem Stein gelebt. Beginnt ihr das Spiel, solltet ihr dann aber wohl direkt mit dem kurzen und knappen Tutorial einsteigen, in dem ihr zumindest die Grundmechaniken verinnerlichen könnt. Schon im Jahr 2000 wirkte dieser Einstieg ein wenig spartanisch. Electronic Arts hatte damals jedoch die Muße, dem Spiel eine gedruckte Bedienungsanleitung beizulegen. Zwar könnt ihr wichtige Begriffe in einer Enzyklopädie nachlesen, doch ist diese vielleicht noch mehr wie das Spiel selbst ein Kind seiner Zeit, sprich mit viel Text bestückt, aber nicht bebildert. Allerdings sei gesagt, dass Die Sims keine Lebenssimulation mit einer steilen Lernkurve ist. Die meisten Kniffe gehen leicht von der Hand und sind schnell verinnerlicht. Haben wir das Tutorial hinter uns gebracht, können wir auf eine vordefinierte Familie, zwei Freundinnen oder einen Junggesellen zurückgreifen. Wir dürfen darüber hinaus aber auch eine eigene Personenkonstellationen erstellen, Eigenschaften festlegen und mit einem kleinen Startkapital ein Haus in einem US-amerikanisch inspirierten Vorort beziehen. Anschließend heißt es, das Heim umzubauen, die Innenräume zu gestalten und am Ende die titelgebenden Sims aufs neue Zuhause loszulassen.

Drei ineinander verzahnte Spielmodi

Im Jahr 2000 war dieser kunterbunte Genremix in Form der damals technischen Möglichkeiten etwas völlig Neues. Entsprechend positiv fiel die Resonanz aus, zumal sich der Titel aufgrund seines zeitlosen wie endlosen Spielprinzips besonders für die noch junge Gruppe der Gelegenheitsspieler eignete. Grundsätzlich unterteilt sich der Titel in drei Spielmodi, dem Bau-, Kauf- und Live-Modus. Im Baumodus gestalten wir unser Haus nach Gutdünken, indem wir vorhandene Strukturen verändern oder neue Räume schaffen. Auch können wir hier die bereits vorhandene Innendekoration verschieben. Im Kaufmodus erwerben wir hingegen die Dinge, die unser Eigenheim in Die Sims benötigt. Zur Auswahl stehen Schränke, Öfen, Tische, Stühle, Betten, Duschen und etwaige Elektrogeräte wie Fernseher oder Lampen. Diese können wir auf einem schachbrettartigen Raster genau so anordnen, bis das Haus unseren persönlichen Anforderungen entspricht. In beiden Modi ist die Simulation im Übrigen pausiert. Erst wenn wir den Live-Modus betreten, lebt die Spielwelt auf. Unsere Charaktere verbringen ihren Eigenschaften entsprechen den Tag. Dennoch bietet die Lebenssimulation die Möglichkeit, in den Alltag unserer Schützlinge einzugreifen, weshalb das Konstrukt von Die Sims auch schon mal als Puppenhaus bezeichnet wird. Dem können wir nur zustimmen.

Digitales Puppenhaus des Wahnsinns

Falls ihr euch daran erinnern könnt, in eurer Kindheit mit solch einem Puppenhaus oder auch mit vergleichbaren Spielzeugen gespielt zu haben, habt ihr euch dabei bestimmt die eine oder andere Geschichte ausgedacht und seid in eure Traumwelt geflüchtet. Ähnlich verhält es sich mit Die Sims: Wir dürfen den Charakteren unterschiedliche Befehle geben. So können sie mit der Inneneinrichtung interagieren, beispielsweise kochen, duschen, lesen, fernsehen oder Musik hören. Das verbessert mitunter ihre Eigenschaften und damit ihre Möglichkeiten, in der Spielwelt aufzublühen. Interessanter wird es jedoch, wenn Charaktere aus der Nachbarschaft zu Besuch kommen. Dann können sich unsere Protagonisten mit ihnen anfreunden, plaudern oder sonstigen Schabernack treiben. Es ist sogar möglich, dass sich Charaktere ineinander verlieben oder sogar Nachwuchs zeugen. Erwartet vom Seriendebüt aber bitte nicht, dass die Charaktere trotz des Verstreichens der Zeit auch älter werden beziehungsweise ihr die Kinder ähnlich heranwachsen sehen könnt. Dieses Feature hat erst Die Sims 2 aus dem Jahr 2004 eingeführt. Schon im ersten Serienteil ist es allerdings schon ziemlich lustig anzusehen, was alles passieren kann, wenn wir die Sims einfach machen lassen. Lustiger ist es sogar garantiert, wenn wir unsere Charaktere uns bekannten Personen zu Spielbeginn nachempfinden.

Konsumkosten und Bildzeitung

Spannend an diesen Möglichkeiten ist, dass diese fast gar nicht ihren Weg in das ursprünglich von Will Wright erdachte Spiel geschafft haben. In gewisser Weise ist Die Sims nämlich eine autobiografische Lebenssimulation, denn 1991 verlor der Videospieldesigner sein Heim bei einem Hausbrand. Dieser Schicksalsschlag ermutigte ihn. So sollen auch die Charaktere verschiedene Ereignisse durchleben, ihr Leben meistern oder auch schon mal daran zu knabbern haben. Im selben Atemzug sollten wir ergänzen, dass die ulkiges Kauderwelsch plappernden Bewohner auch Bedürfnisse wie Hunger oder Spaß haben, die es zu befriedigen gilt. All das zerrt umso mehr an der Haushaltskasse – und damit der Geldfluss in Die Sims nicht abreißt, können wir unsere Charaktere in der deutschen Version des Spiels auch einen Blick in die Bildzeitung werfen lassen. Ihr habt richtig gelesen: Im Spiel können eure Charaktere „die Bild lesen“, um sich einen Job zu suchen. Warum dies 2025 auch in der Legacy Collection der Fall sein muss, ist uns schleierhaft. Vielleicht ist es aber gerade der angedeutete Konsumaspekt des Spiels, denn damit die Sims wirklich glücklich sind, braucht ihr wie in der Realität viel Geld. Nur um eure eigenen Bedürfnisse stillen zu können, lässt es sich auch sparsamer leben. Im Spiel leben die virtuellen Menschen den Kapitalismus stattdessen in vollen Zügen aus.

Über sieben Brücken musst du gehen

Kommen wir zu den sieben integrierten Add-ons, die das Gameplay derart ausufern lassen, sodass sich das originale Die Sims schon fast wie ein anderes Spiel anfühlt. Auf einmal lassen sich dank Party ohne Ende Feten schmeißen, in Urlaub total eine Auszeit nehmen, in Hokus Pokus Zaubertricks vollführen, mit Haustieren in Tierisch gut drauf an Wettbewerben teilnehmen, eine Karriere zum Superstar in Megastar anstreben oder in Das volle Leben den Sensemann persönlich ins Haus holen. All diese Erweiterungen geben dem Spiel einen neuen Anstrich und machen es gerade für jene Spieler attraktiver, die dem Grundpaket zu schnell überdrüssig werden. Obwohl es hier und da noch an Möglichkeiten fehlt, zeigt der Auftakt der Videospielserie hervorragend, wie groß das Potenzial ausfällt. Trotzdem sind gerade diese überschaubaren Aspekte auch ein großer Pluspunkt für die Lebenssimulation. Die Sims bietet sich als Einstieg in die langlebige Reihe bestens an, zumal ihr auch das offizielle Komplettpaket erhaltet und ihr euch so austoben könnt. Es gibt keine wirklich „falschen“ Entscheidungen, die ihr im Spiel treffen dürft. Akzeptiert Fehlentscheidungen und freut euch über jedes Erfolgserlebnis, denn beides ist mit illustren Geschichten verknüpft, die für die Erfolgsformel von Die Sims stehen und bis auf wenige Ausnahmen auch nur in dieser Reihe möglich sind.

Klassiker mit Modernisierungsschwächen

Am Ende stellt sich jedoch die Frage, in welcher Version ihr Die Sims spielen solltet. Da Electronic Arts Kosten und Mühen gescheut hat, den Klassiker zu überarbeiten, reicht grundsätzlich auch ein Griff zu den ursprünglich veröffentlichten Versionen. Diese sind auf neueren PCs jedoch nicht ohne Modifikation spielbar, weshalb die Legacy Edition vor allem für jene Spieler einen Anreiz bietet, die es gerne bequem haben. Vorteilhaft an der Legacy Edition ist in jedem Falle die Unterstützung von Breitbildmonitoren, weshalb ihr das Erlebnis auch auf jüngeren Bildschirmen in voller Pixelpracht erleben könnt. Die Sims setzt mit seinem heutigen Retro-Look im Übrigen auf eine Isoperspektive und große Sprites. Für uns hat diese Zeitreise durchaus ihren Charme. Allerdings lässt sich das Spiel mit Maus und Tastatur nicht ganz so gut spielen, wie es heutzutage eigentlich angebracht wäre. Beispielsweise verändern wir die Kameraperspektive mit einem Klick auf zwei kleine Schaltflächen auf dem Interface in die eine oder andere Richtung. Auch ist es sehr fummelig, den Kopf eines Charakters anzuklicken, wenn wir mit diesem interagieren wollen. Auch das Interface selbst fällt im Vergleich zu den Zoom-Stufen viel zu winzig aus. Zusätzliche Anpassungs- oder Einstellungsmöglichkeiten gibt es nicht. Trotz allem lässt sich Die Sims auch im Jahr 2024 ganz gut spielen, doch wurde es versäumt, dem Spiel genau die Frischzellenkur zu spendieren, die es verdient hätte.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): In den frühen 2000er-Jahren gehörte Die Sims für mich zu den interessantesten Videospielprojekten aller Zeiten. Der soziale Aspekt hat mich damals aber nie wirklich interessiert. Viel interessanter fand ich damals den Baumodus, der sich aber schnell abnutzt, wenn ich nicht auch etwas Zeit im Live-Modus verbringe. Erst mit den Jahren habe ich die Genialität des Spiels erkannt und schätzen gelernt. Ein Haus nach meinen Vorstellungen errichten, es mit Interieur beschmücken und schließlich eigens erstellte Bewohner einziehen lassen – diese dreiteilige Spielerfahrung habe ich bislang in keinem anderen Spiel in dieser Intensität und dieser Form erlebt. Spätere Serienteile haben diese Formel noch verfeinert, doch Die Sims ist ein Klassiker, den es aus historischer Sicht nachzuholen gilt, falls ihr ihn noch nicht gespielt habt. Meiner Meinung nach macht die Lebenssimulation auch dann noch Spaß, falls ihr die Reihe noch gar nicht kennt. Ihr solltet aber immer im Hinterkopf behalten, dass das Spiel von Electronic Arts für die Legacy Edition so gut wie nicht angefasst wurde und sogar neue Spieldesignschnitzer wie ein zu klein geratenes Interface beinhaltet. Könnt ihr darüber hinwegsehen, steht der Zeitreise aber nichts mehr im Weg!

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Die Sims (Legacy Edition)!

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