Review: SimCity

SimCity (1)Auf der Gamescom 2012 hatten wir erstmals die Gelegenheit, uns den neuen Teil der Reihe anzuschauen. Ein halbes Jahr später ist SimCity wie geplant erschienen und kämpft derzeit wie kein anderes Spiel mit Fan-Protesten und um die Gunst der Spieler.

SimCity (2)Den Start des Spiels haben Publisher Electronic Arts und Entwickler Maxis gehörig in den Sand gesetzt, denn vor einem halben Jahr schenkte man den Worten der beiden Firmen noch nicht so viel Gehör, was die sozialen Komponenten des Spiels betreffen. Bereits einige Tage vor dem Deutschland-Release, schwappten aus den Vereinigten Staaten negative Stimmen herüber. SimCity verlangt von uns nicht nur eine einmalige Origin-Aktivierung, die einen Weiterkauf des Spiels unmöglich macht, sondern auch noch eine ständige Internetverbindung. Auch das wäre irgendwo noch verkraftbar gewesen, doch lief die Verbindung zunächst über die hoffnungsvoll überfüllten Server von Electronic Arts. Beim Release in Nordamerika kam es deshalb zunächst zu ewiglangen Warteschlagen und ständigen Spielabstürzen. Aus diesen Fehlern hätte man binnen weniger Tage lernen können und für Europa sofort eine Infrastruktur anbieten können, in welcher der Spielstart sofort problemlos funktionieren könnte. Geschafft haben das Maxis und Electronic Arts nicht, denn in den ersten Tagen beschwerten sich dann auch die deutschen Fans über die Online-Anbindung. Es dauerte jedoch nicht lange, da hat der Entwickler geschaltet und weitere Server ermöglichen seitdem, zumindest bei uns, ein reines Spielvergnügen. Die Fan-Proteste halten dennoch weiterhin an.

Online-Nachbarschaft

SimCity (3)Der Online-Zwang ist nämlich nicht aus den Köpfen der Spieler und Fans wegzudenken und wir können das sehr, sehr gut nachvollziehen. Stand die SimCity-Reihe bisher für ein tolles Einzelspieler-Erlebnis, haben Solisten jetzt nur noch eingeschränkt Spaß. Das liegt zum einen daran, dass mobile Aufbaustrategen das Spiel unterwegs nun nicht mehr auf ihren Notebooks spielen können. Zum anderen liegt das am internen Spielablauf, welcher sich von bisherigen Teilen der Reihe leicht bis stark unterscheidet. Zunächst einmal müssen wir uns nämlich aussuchen, ob wir in einer komplett freien Region unsere erste Stadt errichten wollen oder ob wir an einem freien Platz in einer bereits bestehenden Nachbarstadt den Grundstein für unsere Metropole legen möchten. Wir können zum Glück zwar auch aussuchen, dass wir nur Freunde in unsere Region hineinlassen wollen oder auch andere Spieler, doch um das volle Potential des Spiels zu erleben, sind Mitspieler eigentlich schon zwingend erforderlich. So können wir erlangtes Wissen mit unseren Mitspielern teilen und diesen harte Arbeit ersparen. Haben wir außerdem einmal keine Rohstoffe wie Wasser oder Erdöl mehr, können wir sie auch aus den Nachbarstädten einkaufen. Wir können zwar reintheoretisch alle Bauplätze beanspruchen, doch niemand treibt schon gerne Handel mit sich selbst.

Sims-Schreihälse

SimCity (4)Dies soll absolut keine Kritik an diesem System sein, denn wir finden diesen Schritt äußerst praktisch, um das Franchise auf eine neue Stufe zu hieven. Trotzdem gehören Online-Zwang und Kontenbindung nicht zum guten Ton – Electronic Arts verschenkt hier Pluspunkte! Haben wir uns dann aber einmal für einen freien Bauplatz entschieden und alle Eventualitäten in der Spielwelt abgewägt, wie beispielsweise Kohle-Vorkommen oder Windstärke, können wir mit dem Aufbau unserer Stadt beginnen. In der Haut eines Bürgermeisters müssen wir die noch gar nicht gebaute Stadt erst einmal an die Autobahn anbinden, damit anschließend überhaupt erst einmal die ersten Sims in unsere Stadt ziehen möchten. Für diese sollten wir flott einige Wohngebiete zur Verfügung stellen, danach in angemessener Reichweite Arbeitsplätze in Form von Industriegebieten errichten und anschließend auch ein paar Gewerbegebiete, damit die Sims ihr wohlverdientes Geld auch ausgeben können. Selbstverständlich dürfen wir nicht die Versorgung vergessen, denn ohne Elektrizität und Wasser werden die Sims ihr Haus sehr schnell wieder verlassen. Also schnell einen Wasserturm und ein Kraftwerk errichten und die Sims schreien bereits nach dem nächsten Problem. Schutz vor Feuer und Kriminalität, Müll- und Abwasserbeseitigung, sowie Bildung und Freizeitaktivitäten sollen ermöglicht werden.

Intelligentes Spielsystem

SimCity (5)Es ist zwar nicht sonderlich realistisch, doch muss man den Entwicklern zugute halten, dass man das Spielgeschehen zum Teil auf die nötigsten Punkte reduziert hat. Anstatt Wasserrohre und Stromleitungen zu legen, erledigen wir diesen Schritt mit dem Bau der Straßen. Praktisch, denn so sparen wir uns Zeit beim Planen und Bauen der Stadt. Das Problem liegt jetzt aber daran, dass jedes Gebiet und jedes Gebäude zwangsweise an einer Straße gebaut werden muss, die bereits besteht. Zudem sieht man als Spieler nicht immer ganz genau, wie viel Platz man einplanen muss, um die Stadt möglichst effizient zu bauen. Das war im ersten Serienteil auf dem Super Nintendo noch deutlich besser gelöst, doch gab es damals weitere intelligente Schritte nicht. Während die Polizeiwache damals nur einen bestimmten Radius abgedeckt hat, kann diese im neuen Teil der Reihe an jeden beliebigen Platz der Stadt ausrücken. Sollten die Verbrechen überhand gewinnen, so kaufen wir uns einfach weitere Streifenwagen und weitere Gefängniszellen einfach dazu. Wer jedoch den Steuersatz nicht zu hoch ansetzt und außerdem für gebildete Bürger wert legt, der wird ohnehin keine Probleme mit Gangstern bekommen. Ähnliche Systeme finden wir natürlich auch bei Schulen, Feuerwachen und Busunternehmen. Bei letzteren müssen wir beispielsweise auch noch geschickt Bushaltestellen platzieren. Nett!

Bis zur Endlichkeit!

SimCity (6)Nach ein paar Spielstunden haben wir dann den Rand der Karte erreicht, sofern wir unsere Stadt nicht im Vorfeld geschickt planen. Wenn wir aber dennoch mit einem Plan an das Aufbauspektakel herangehen, verzögert sich das Erreichen des Kartenrandes nur etwas. Die Aufbauflächen in SimCity sind nämlich sehr knapp bemessen und ohne eine Vision, wie die eigene Stadt später einmal aussehen soll, wird es unzählige weitere Stunden brauchen, die Infrastruktur zu überarbeiten beziehungsweise zu optimieren. Wir hoffen, dass Maxis bald einen Patch nachreicht, der nicht nur das von Fans geforderte Offline-Spielen ermöglicht, sondern auch größere Karten beinhaltet. Sobald nämlich auch noch Erhebungen und Meere den Bau einschränken, wird man es auch als SimCity-Veteran schwer haben, eine effiziente und zudem auch noch beeindruckende Stadt zu errichten. Nach ein paar Übungsstunden ist der Städtebau aber auch für Neulinge und Anfänger kein Problem mehr, denn selbsterklärende Gebäudenamen und kurze Beschreibungen erklären jedem Spieler schnell, wie sich eine Stadt optimal entwickeln kann. Ein ausführlicheres Tutorial oder gar Szenarien, in denen wir unser erlerntes Können anwenden dürfen, wären aber wünschenswert gewesen. Wie schön wäre es doch, könnten wir ein fiktives San Francisco nach einem Erdbeben wieder neu errichten.

Aufstiegschancen

SimCity (7)Auf der optischen Seite besticht SimCity mit hübschen Gebäuden und verspielten Details. Da flimmern Leuchtreklamen, Autos rasen durch die Straßen, Polizisten verfolgen Verbrecher, Feuerwehrmänner löschen Brände und dann gibt es auch noch die Katastrophen, die entweder automatisch passieren oder von uns nach Freischaltung ausgelöst werden können. Meteoriten stürzen herab, unbekannte Flugobjekte entführen Sims und Zombies wandeln durch die Straßen. Selbst auf einem unteren Mitteklasse-Rechner sieht das Spiel in einer niedrigeren Auflösung noch sehr hübsch aus, doch die wahre Grafikliebe wird wohl erst bei maximalen Einstellungen zum Vorschein kommen. Hinzu kommen noch ein paar Grafikfilter, welche unsere Stadt in den Look eines Film Noir tauchen oder bestimmte Farben hervorheben. Selbst an Grafikfilter für Farbenblinde hat Maxis gedacht – vorbildlich! Die hübsche Optik wird dazu mit einem Soundtrack gepaart, der sich immer den aktuellen Geschehnissen anpasst und dabei niemals störend auffällt. Einige Stücke hätten dennoch ein wenig prägnanter sein können. Wenn es Maxis schafft, die Fehler auszubessern und auch auf die Wünsche der Fans zu hören, dann kann sich SimCity zu einem der besten Aufbauspiele aller Zeiten avancieren. Mit der derzeitigen Geschäftspolitik bleibt dem Spiel jedoch der Genre-Thron verwehrt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Als ich das Spiel auf der letzten Gamescom bei Electronic Arts anspielen konnte, war ich hin und weg. Die letzten SimCity-Ableger haben mich nämlich absolut kaltgelassen und weiter verschlechtern konnte man sich auch nicht. SimCity erinnert sich an alte Tugenden und präsentiert mir ein Spiel, wie es in seiner Einfachheit auch schon auf dem Super Nintendo gegeben haben könnte. Dann beweist mir das Spiel aber im Detail eine kleine Komplexität, die SimCity so intelligent macht. Anstatt immer und immer wieder neue Schulen zu errichten, baue ich einfach ein paar Klassenzimmer an, verteile in der Stadt die Schulbushaltestellen und kaufe weitere Schulbusse ein. Meine Ausgaben wachsen dadurch zwar ins Unermessliche, doch meine Sims werden dadurch gebildeter, können dann neuen Tätigkeiten weitergehen und in eine neue Einkommensklasse aufsteigen. Ein Kreis, der sich schließt, sofern man denn auch auf die Wünsche der eigenen Bürger eingeht. Die gesamte Stadt muss ich dabei akribisch planen, nur damit sie am Ende effizient genug ist, damit ich  weitere Ausgaben tätigen kann. Genau da finde ich es so toll, dass man auch von den Errungenschaften der Mitspieler in der Region profitieren kann. Baut nämlich ein anderer Bürgermeister eine Verkehrsabteilung an sein Gemeindehaus an, kann ich sofort mit dem Bau von Busbahnhöfen beginnen, ohne auf das nächste Upgrade des Gemeindehauses zu warten. So toll das Feature auch ist, so nervig ist der Online-Zwang auch für mich. Das liegt bei mir aber daran, dass sich innerhalb des Testzeitraums (11. bis 18. März 2013) kein einziger Spieler in meiner Region ansiedeln wollte und aufgrund des geringen Bauplatzes erachte ich es als sehr viel schwieriger, alleine Erfolge zu erzielen. Trotzdem bleibt SimCity für mich unterm Strich ein tolles Aufbauspiel, welches mir in den nächsten Monaten noch sehr viele schaflose Nächte bereiten wird!

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von SimCity!

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