Zwischen 1933 und 1945 wurden auf deutschem Staatsgebiet derart schreckliche Verbrechen begangen, für die es keine Rechtfertigung geben kann. Das Adventure The Darkest Files will an das Grauen des Dritten Reiches erinnern und ist 2025 damit womöglich wichtiger denn je.
Eigentlich müssten heutzutage gerade die in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Bürger durch die massive Aufarbeitung der Geschehnisse zwischen den 1920er- und den 1940er-Jahren im Bilde darüber sein, welches Unrecht ihren Mitmenschen widerfährt, sollten sich in den politischen Strukturen Parteien ausbreiten, denen jegliche Art von Mitgefühl, Toleranz und Verständnis fehlen. Trotzdem scheint eine vereinfachte und nicht zuletzt verführerische Rhetorik dazu zu führen, dass aufgrund von möglichen Versäumnissen bisheriger Regierungen Parteien in den Bundestag einziehen, bei denen ekelerregende Gedanken an die Nationalsozialistische Arbeiterpartei hochkommen. Ähnlich muss es auch den Entwicklerinnen und Entwicklern von Paintbucket Games ergehen, die mit The Darkest Files den richtigen Nerv in einer Zeit treffen, in der extrem rechte Parteien innerhalb und außerhalb Europas erstarken. Das Spiel ist ein Mahnmal für das, was erneut geschehen könnte, wenn den falschen Menschen Macht gegeben wird. Trotz des gegenwärtigen politischen Hintergrunds und der historischen Kulisse des Adventures, bleibt The Darkest Files im Kern ein Spiel, das mit einer mitreißenden wie mitfühlenden Handlung und einer durchstilisierten Atmosphäre bindet und womöglich unbegründete Vorwürfe der simplen Lernsoftware mit Leichtigkeit entkräftet.
Arbeitsalltag einer Staatsanwältin
Wir schlüpfen in die Rolle der fiktiven Staatsanwältin Esther Katz, die in der jungen Bundesrepublik in Frankfurt am Main dem hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer dabei unterstützt, verschiedene Gräueltaten der Nationalsozialisten aufzuarbeiten und diese vor Gericht zu bringen. Dabei bewegen wir uns aus der First-Person-Perspektive durch die Kanzlei, suchen uns die benötigen Akten zusammen, nehmen deren Inhalte unter die Lupe, plaudern mit den Kollegen Christoph Wohlmuth und Simon Peters, ordern weitere Dokumente aus dem Archiv in Berlin und lassen durch Sekretärin Paula Fischer die Verdächtigen zur Befragung kommen. The Darkest Files ist zwar ein Spiel, das mit einer recht einfachen Oberfläche punktet und dadurch zunächst simpel erscheint, doch unter der Oberfläche schlummert ein Adventure, das richtig in die Tiefe geht. Wir müssen die zahlreichen Dokumente, die uns vorgesetzt werden, genau lesen. Selbst die kleinsten Details können von größter Bedeutung für die Lösung unserer Fälle sein. Damit wir den Überblick nicht verlieren, können wir auch nummerierte Klebezettel an den Textstellen oder Fotografien anbringen. Damit sich auch jüngere Spieler an den Titel wagen können, erhalten wir nebenher wertvolle Einblicke in die Strukturen des Dritten Reichs. Unter anderem gibt es eine Übersicht zu Dienstgraden und Uniformen.
Tiefgründige und relevante Inhalte
Während der Verhöre mit den Verdächtigen lässt uns The Darkest Files zudem gelegentlich die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden, indem wir Dokumente oder Aussagen vorlegen, um etwaige Thesen zu widerlegen. Ebenfalls lässt uns das Spiel in die Erinnerungen unseres Gegenübers eintauchen, sodass wir die verschiedenen Versionen des zu hinterfragenden Tathergangs im dreidimensionalen Raum greifbarer erleben. Haben wir alle Aussagen aufgenommen, können wir noch versuchen, den Tathergang zu rekonstruieren und Schlussfolgerungen aufzustellen, indem wir die Informationen miteinander kombinieren. Dies kann durchaus sehr herausfordernd sein, da das Spiel nur an wenigen Stellen sagt, ob wir mit unserer Annahme richtig liegen. Ziehen wir schlussendlich vor Gericht, müssen wir in den im Gegensatz zu Ace Attorney und Co recht kurzen Verhandlungen stichhaltig argumentieren. Gelingt uns dies nicht, fällt das Urteil zugunsten der Angeklagten aus. Die Story läuft anschließend einfach weiter, sodass uns trotz dieser nüchternen Erkenntnis ein Kloß im Hals stecken bleibt, was selten einem Spiel gelingt. Schade ist nur, dass The Darkest Files, das für den deutschsprachigen Markt von unfassbar großer Relevanz ist, am Ende nur auf Englisch synchronisiert ist und die deutschen Bildschirmtexte zwar gut, aber leider nicht gänzlich fehlerfrei übersetzt sind.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Strafverfolgung ist für unsere Gesellschaft ein wichtiges wie notwendiges Werkzeug, um allen Menschen ein gerechtes Leben zu bieten. Dass trotz allem Verbrechen geschehen, lässt sich zwar keinesfalls verhindern, doch sollte alles daran getan werden, die Welt jeden Tag ein kleines bisschen besser zu machen. Dies gilt auch für die zahlreichen Opfer des Nationalsozialismus, denen teilweise bis heute noch keine Gerechtigkeit widerfuhr. Entwicklerstudio Paintbucket Games ist es gelungen, sich Genregrößen wie Ace Attorney anzunehmen, und die Prämisse der Strafverfolgung hinter den Kulissen anhand tatsächlich stattgefundener Verbrechen der Nationalsozialisten spielbar zu machen. The Darkest Files spielt sich über weite Teile sehr trocken, doch der entschleunigte Spielstil sorgt dafür, dass ich mich noch genauer mit den Opfern, ihren Hinterbliebenen und den verblendeten Überzeugungen der Täter auseinandersetze. Selbst beim erneuten Durchlesen der Dokumente entdecke ich relevante Informationen, wenn ich zu einem späteren Zeitpunkt in den Besitz neuer Informationen gelangt bin. The Darkest File ist nicht nur pädagogisch wertvoll, sondern unterhält darüber hinaus mit seinem Gameplay, das Adventure-Fans durchaus zufriedenstellen sollte.
Vielen Dank an Paintbucket Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Darkest Files!