Review: Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy

Im Oktober 2001 wurde das Seriendebüt der Ace-Attorney-Reihe für den Game Boy Advance in Japan veröffentlicht. Hierzulande machte der japanische Publisher Capcom die Marke mit der DS-Portierung des ersten Serienteils im Jahr 2005 publik, weitere Ableger folgten. Mit der Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy werden die ersten drei Episoden auf der Switch zusammengefasst.

Wer sich nach exotischen Videospielen umsieht, wird früher oder später zwangsläufig über das Ace-Attorney-Franchise stolpern. Dabei handelt es sich um eine illustre Mischung, die auf der einen Seite aus einer Gerichtsverhandlungssimulation und auf der anderen Seite aus einem japanischen Text-Adventure besteht. In Phoenix Wright: Ace Attorney, dem ersten Teil der Videospielreihe, schlüpfen wir in die Rolle des titelgebenden Rechtsanwalts Phoenix Wright, mit dem wir einen irrwitzigen Fall nach dem anderen gewinnen müssen. Ähnlich wie der Zuschauer bei der Eröffnung einer jeden Folge der Krimiserie Columbo, erfährt der Spieler zu Beginn eines Kapitels, wer der wahre Täter des Verbrechens ist. Davon weiß Phoenix aber nichts, sodass er ohne dieses Hintergrundwissen einen Fall behandeln muss. Wir können ihm lediglich dabei helfen, ihn in die richtige Richtung zu lenken. In der Exposition des Spiels wird ausgerechnet Phoenix’ bester Freund Larry Butz des Mordes beschuldigt – und wir müssen im Verlauf einer relativ kurzen Gerichtsverhandlung seine Unschuld beweisen. Dies ist bei Weitem nicht die vollständige Handlung des Spiels, weitere spannende Fälle und Verhandlungen folgen. Zum einen nehmen die anderen Kapitel deutlich mehr Spielzeit ein und zum anderen sind alle Abschnitte auf irgendeine Weise stimmungsvoll miteinander verzahnt, was auch wiederkehrende Charaktere wie Polizisten oder Staatsanwälte mit einschließt.

Wahnwitziges Gerichtsverfahren

Eine Verhandlung läuft meist so ab, dass sich zunächst der Angeklagte zur Tat äußert und sich damit gelegentlich ins eigene Bein schießt. Danach folgen die Zeugen, unter denen sich stets der wahre Täter befindet. Diese geben ihre augenscheinlichen Beobachtungen wieder oder verraten uns, was sie aus der Ferne gehört oder am Tatort gesehen haben. Manchmal scheinen die Zeugen ein wasserfestes Alibi zu haben, dann müssen wir nachbohren. Damit gelingt uns häufig der Durchbruch und wir können die nun löchrige Aussage mit Beweisen widerlegen. Beschuldigen wir Personen zu Unrecht, führt das zu einer Strafe und zu viele Strafen zum Game-Over-Bildschirm. Regelmäßiges Speichern, das jederzeit möglich ist, ist daher zu empfehlen, um Frust zu vermeiden. Ebenso sind unbedingt die erstaunlich facettenreichen Charaktere zu erwähnen. Zwar ist uns als Spieler jederzeit durchaus bewusst, dass uns von den Personen im Zeugenstand gerade eine Lüge nach der anderen aufgetischt wird, doch die Leichtgläubigkeit der Staatsanwaltschaft und des Richters führt dazu, dass wir oft mehr Beweise als nötig vorlegen müssen, damit uns Glauben geschenkt wird. Je aussagekräftiger die Beweise sind, desto eher bröckelt die Fassade der Befragten, wodurch ganz neue Charakterzüge zum Vorschein kommen. Dass diese überzeichnet sind, passt hervorragend zum fiktiven Strafrechtsystem des Ace-Attorney-Universums, bei dem der Angeklagte so lang als schuldig gilt, bis seine Unschuld bewiesen wurde. Umso stärker fällt das befriedigende Gefühl aus, wenn wir aus einer Verhandlung erfolgreich hervorgehen.

Zusätzliche Detektivarbeit

Ab dem zweiten Serienteil, Phoenix Wright: Ace Attorney – Justice for All, kommen noch die so genannten Psyche-Locks hinzu. Hierbei handelt es sich um sinnbildliche Schlösser, die mit unseren Anwaltsfähigkeiten erst einmal geknackt werden müssen, bevor der Zeuge auspackt. Häufig kommt es wie im echten Leben vor, dass eine Gerichtsverhandlung vertagt werden muss, wenn beispielsweise neue Indize auftauchen. Entsprechend sind wir auch außerhalb des Gerichtssaals tätig und betreiben investigative Recherche an unterschiedlichen Orten wie einer Lagerhalle oder Büros. Hierbei fühlt sich die Ace Attorney Trilogy fast schon so wie ein Point-and-Click-Adventure an, ohne dabei ihren japanischen Text-Adventure-Charme zu verlieren, der mit den in der Switch-Fassung hochauflösenden Anime-Zeichnungen glänzt. Mit einem Lupensymbol, das wir entweder mit dem Analog-Stick bewegen oder mit dem Daumen über den Touchscreen an Ort und Stelle bugsieren, können wir Bücherregale, Schreibtische, Vasen, Aktenordner und sonstige Objekte untersuchen. Ist die Analyse für Phoenix hilfreich, wandern die Beweise ins Gerichtsprotokoll und können dann in der Verhandlung zur rechten Zeit im Kreuzverhör rausgekramt werden. Auch die leider nicht vertonten Gespräche mit den zahlreichen Nicht-Spieler-Charakteren können Beweise und Indize zutage bringen. Verpassen lässt sich hierbei übrigens nichts, nur mit allen notwendigen Hilfsmitteln geht die Story weiter.

Textlastiges Abenteuer

Gut gelungen bei der Detektivarbeit ist auch, dass sich das Lupensymbol bei bereits angeklickten Objekten verändert und das Gefühl, einen wichtigen Beweis für Gespräche außerhalb der Verhandlung nicht zu besitzen, daher ausgeschlossen ist. Nicht nur die ersten beiden Serienteile, sondern auch Phoenix Wright: Ace Attorney – Trials and Tribulations, der Abschluss der Trilogie, sind nicht nur mit wunderbarer Musik unterlegt, sondern noch dazu auch sehr textlastig. Das kann auf Dauer anstrengend sein, da vor allem die Monologe und Dialoge in den Gerichtsverhandlungen ganz schön ausufern können. Hinzu kommt, dass das Spiel ähnlich wie in der 2014 veröffentlichten Fassung für den 3DS nur auf Englisch oder Japanisch spielbar ist, obwohl die ursprünglichen Versionen auf dem DS allesamt ins Deutsche übersetzt worden sind. Capcom arbeitet derzeit allerdings mit Hochdruck an einem Update, das im Sommer 2019 deutsche Bildschirmtexte ergänzen wird. Wer über gutes Schulenglisch verfügt, sollte mit den englischen Texten abgesehen von ein paar Fachwörtern, die in Wörterbüchern aber schnell nachgeschlagen sind, keinerlei Probleme haben. Jüngere Spieler sollten mit dem Kauf aber unbedingt bis zum Sommer warten, da Lesen und noch wichtiger Verstehen und Kombinieren ein essentieller und nicht zu unterschätzender Anteil der Spielerfahrung ist. Wer die Reihe bisher ausgelassen hat und neugierig geworden ist, sollte unbedingt zugreifen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Die Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy ist eine wirklich hervorragende Sammlung, die aus drei tollen Adventures besteht. Wer nichts gegen zu viele Texte hat, die stets genau gelesen werden müssen, wird die überspitzte Handlung lieben und die teils überdrehten Charaktere schnell ins Herz schließen. Obwohl ich die Reihe auf dem DS nur beiläufig mitbekommen und gespielt habe, macht mir das Nachholen auf der Switch gleich doppelt so viel Spaß. Es ist wirklich ein befriedigendes Gefühl, den eigenen Mandanten zu verteidigen und den wahren Täter nach ellenlangen Diskussionen zu entlarven, indem immer mehr Beweise gegen ihn erhoben werden. Die Detektivarbeit kann zwar ein wenig lästig sein, ist aber dennoch eine willkommene Abwechslung zum harten Alltag vor Gericht. Wer auf der Suche nach einem etwas anderen Adventure ist, bekommt mit der Ace Attorney Trilogy gleich drei Spiele, die dutzende Stunden lang an den Bildschirm fesseln können.

 

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