Review: Blue Prince

Mit Blue Prince erschien am 10. April 2025 ein Adventure, das auf ein spannendes Konzept setzt. Dennoch entpuppt sich der Titel mit der Zeit als ein Spiel, das aufgrund Zufallsgeneratoren und Rogue-like-Elementen nicht bei allen Interessenten auf Zustimmung stoßen dürfte.

In Blue Prince schlüpfen wir in die Rolle von Simon P. Jones, der im Begriff ist, das Anwesen seines Großonkels Herbert S. Sinclair zu erben. Zu früh freuen sollten wir uns darüber aber nicht, denn ans Erbe ist – wie könnte es auch anders sein –, eine Bedingung geknüpft. Damit das Testament rechtskräftig wird, müssen wir das geheime 46. Zimmer des aus 45 Räumen bestehenden Anwesens aufspüren. Dies klingt grundsätzlich nach einer durchaus spannenden Angelegenheit. Beim Betreten des Gebäudes werden wir aber schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, denn ein Brief in der Eingangshalle verrät uns, dass sich die Villa in den Bergen jede Nacht neu zusammensetzt. Deshalb dürfen wir nicht innerhalb unserer möglicherweise künftigen vier Wände nächtigen. Auch ist es uns untersagt, Gegenstände wie Schlüssel, Edelsteine oder Goldmünzen aus der Villa zu entfernen. Diese Dämpfer sorgen bei uns zu Beginn schon für ein mulmiges Gefühl, denn beim Öffnen einer der drei in der Eingangshalle vorhandenen Türen öffnet sich ein kleines Menü, aus dem wir das Zimmer auswählen, das wir als nächstes betreten wollen. In Wahrheit sind also wir der Architekt – und das kann ganz schön schiefgehen und mitunter sogar frustrierend sein. Bei Blue Prince entscheidet nur bedingt spielerisches Können, sondern vielmehr der Zufall und eine Prise Glück.

Problembehaftete Rogue-like-Struktur

Keine Frage: Wer Rogue-like-Spiele mag, wird mit Blue Prince durchaus seine Freude haben. Allerdings müssen Versuch-und-Irrtum-Situationen dafür in Kauf genommen werden. Das ist in unseren Augen zwei- bis dreimal noch ganz unterhaltsam, aber wenn wir einen Tag abbrechen müssen, da wir uns aufgrund mangelnder vorherseherischer Kräfte verbaut haben, geben wir früher oder später genervt auf. Zur Auswahl stehen uns stets verschiedene Räume, die mit der Tür mittig an die jeweils freigelegten Zimmer andocken können. Sackgassen belohnen uns häufig mit speziellen Items wie Edelsteinen, Goldmünzen oder Schlüsseln, die wir an anderer Stelle dringend benötigen. Auch gibt es Orte, an denen wir beispielsweise unsere Münzen für Schlüssel eintauschen können. Dennoch legt uns Blue Prince Stolpersteine in den Weg, denn so manchen Raum können wir nur auf die schachbrettartig aufgebaute Blaupause legen, wenn in unserer Kasse Geld oder Klunker vorhanden sind. Je näher wir uns dem 46. Zimmer nähern, dessen Vorkammer fest auf dem Grundriss verankert ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Türen verschlossen sind. Jetzt kann es aber sein, dass wir schon durch alle Türen gegangen sind, keine Räume mehr auf den Spielplan legen und auch keine Schlüssel mehr finden können. In solchen Fällen endet unser Durchlauf viel zu abrupt. Echt unschön!

Verstecktes wie verschenktes Potenzial

Dabei hätte das von Entwicklerstudio Dogubomb stammende Blue Prince reichlich Potenzial, ein unvergessliches Abenteuer zu werden. In den einzelnen Räumen sind hier und da Details in Form von Fotografien oder Dokumenten zu finden, die selbst außerhalb des Anwesens von Bedeutung sind. Hinzu kommen kleinere Rätsel, die uns mit Boni belohnen. Diese Motivation, die bei jedem Durchgang von neuem entfacht, wird durch die Rogue-like-Elemente und Zufallsgeneratoren bei der Raumauswahl aber immer wieder zunichtegemacht. Permanente Veränderungen sind in der Unterzahl. Immerhin lässt sich der Titel abseits dieser mehr oder weniger großen Probleme gut spielen. Egal ob mit Maus und Tastatur bewaffnet oder einem Controller in den Händen, aus der First-Person-Perspektive bewegen wir Simon kinderleicht durch das Gemäuer. Bildschirmanzeigen, wie viele Items wir mit uns herumschleppen und wie viel Energie Simon noch zum Erkunden bleibt, sprechen zudem für eine gute Lesbarkeit. Dies passt zum Grafikstil des Spiels mit seinen gedämpften Farben. Auch die ruhige Hintergrundmusik sorgt für Entspannung beim Erkunden. Da es keine deutschen Bildschirmtexte in Blue Prince gibt, solltet ihr für den vollen Spielspaß gutes Schulenglisch mitbringen, damit euch das Lösen der Rätsel einfacher fällt. Das sonstige Gameplay kratzt dies nur wenig an.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Falls euch Zufallsgeneratoren und Rogue-like-Elemente in Kombination große Freude bereiten und ihr ein Spiel immer und immer wieder mit größtmöglichen repetitiven Mechaniken erleben wollen, dann ist Blue Prince die absolut richtige Wahl für euch! Falls ihr aber bei nur einem dieser Faktoren aufhorcht, solltet ihr euch die Anschaffung gut überlegen. Blue Prince setzt auf eine durchaus spannende Kulisse, die sich in meinen Augen mit der Zeit aber selbst zerlegt. Ich kann nicht verstehen, wie ein Entwicklerstudio der Ansicht sein kann, dass diese Zusammensetzung gut funktioniert. Wenn ich sowohl bei einer ausbalancierten, einer vorpreschenden als auch einer zurückhaltenden Spielweise bei der Raumauswahl früher oder später auf verschlossene Türen stoße und mir daraufhin der Fortschritt verwehrt bleibt, ist das immer wieder frustrierend. Gerne würde ich Blue Prince uneingeschränkt empfehlen, denn die sachte verstreuten Hinweise zur Geschichte des Anwesens sind unterhaltsam wie spannend und motivieren immer wieder aufs Neue, weitere Anläufe in Kauf zu nehmen. Es ist eines dieser Spiele, die Genrefans polarisieren dürften – die einen feiern es, die anderen sind abgeschreckt. Leider befinde ich mich am unteren Ende der Fahnenstange. Adventures können mehr bieten als das, was Blue Prince mir vorsetzt.

Vielen Dank an Raw Fury für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Blue Prince!

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