Review: Drop Duchy

Seit Mitte der 1980er-Jahre verführt das Puzzlespiel Tetris Spieler auf der ganzen Welt. Unzählige Stunden haben auch wir in das Werk gebuttert. Das Sleepy Mill Studio baut mit Drop Duchy auf dem zeitlosen Gameplay auf, überzeugt aber vor allem mit den eigenen Aspekten.

Wenn Entwicklerlegende Alexei Leonidowitsch Paschitnow in den 1980er-Jahren geahnt hätte, welche Wellen sein Puzzlespiel Tetris über Jahrzehnte ununterbrochen schlagen dürfte, hätte er es vermutlich nicht für möglich gehalten. Nicht nur erfährt die Tetris-Reihe seit jeher Reinkarnationen am laufenden Band, auch andere Entwickler lassen sich vom unaufhaltsamen Siegeszug inspirieren. Auch das Sleepy Mill Studio versucht sich am regelrecht zeitlosen Gameplay, verbrennt sich dabei aber aufgrund überwiegend eigener Ideen keinesfalls die Finger. So handelt es sich bei Drop Duchy zwar immer noch um ein Puzzlespiel, das aber auch taktische Elemente enthält und sich trotz aller Ähnlichkeit zu Paschitnows Werk überwiegend anders wie frisch spielt. Neben dem Positionieren der bis zu vier Felder umfassenden Spielsteine auf dem schachbrettartigen Raster müssen wir auch noch Spielkartentexte verinnerlichen, die Areale der abgelegten Steine passend dazu lesen und schlussendlich jede Menge Ressourcen sammeln, die gerade in Hinblick auf die Rogue-like-Elemente eine wichtige Schlüsselrolle einnehmen. All das klingt im ersten Moment zwar unglaublich kompliziert – und so fühlt es sich in den ersten Spielminuten auch an –, doch schon während der ersten Partie gehen plötzlich alle Befehle gut von der Hand und lassen uns viele Stunden nicht mehr los!

Krieg und Frieden

Angesiedelt in einer mittelalterlichen Welt ist es in Drop Duchy unsere Aufgabe, auf dem schachbrettartigen Feld einerseits die Spielwelt zu erschaffen und sie andererseits für unsere Ziele umzuformen. Hierbei ist es wichtig, an bestimmten Punkten Produktionsstätten und militärische Gebäude zu errichten, die ebenfalls durch die abzulegenden Spielsteine symbolisiert werden. Wie im großen Vorbild sehen wir am linken Bildschirmrand, wie die Reihenfolge der nächsten Steine aussieht. Entsprechend können wir unser Bauvorhaben in gewisser Weise planen. Im Gegensatz zum standardisierten Modus in Tetris ist der Steinvorrat in Drop Duchy allerdings endlich. Ebenfalls verschwinden die Steine nicht auf dem Spielfeld, wenn wir eine Reihe schließen. Stattdessen erhalten wir Ressourcen wie Nahrung, Holz, Stein oder Gold – je nachdem, welche Areale wir in der jeweiligen Reihe platziert haben. Diese Ressourcen nutzen wir, um die Gebäudekarten in unserem Deck aufzuwerten. Dadurch steigt der Wirkungskreis der dazugehörigen Steine mehr oder weniger stark an, was dazu führt, dass wir noch mehr Ressourcen erhalten oder eine größere Armee aufstellen. Letzteres ist ebenfalls ein wesentlicher Aspekt von Drop Duchy, denn aufgrund des mittelalterlichen Settings kann es auch in diesem scheinbar doch nicht so gemütlichen Puzzlespiel nicht gänzlich friedlich ablaufen.

Süchtigmachendes Spielprinzip

Kriegerisch geht es aber erst zur Sache, wenn wir entweder alle Steine auf dem Spielfeld platziert oder die obere Spielfeldbegrenzung erreicht haben. Da die zu platzierenden Steine mitunter auch die feindlichen militärischen Ziele gehören und diese von Boni wie umliegenden Wäldern oder Feldern profitieren, sollten wir im Vorfeld darauf achten, wo genau wir diese ablegen. Dementsprechend müssen wir in Drop Duchy stets bei der Sache sein. Die Schlacht selbst ist aber recht unspektakulär. Wir legen lediglich eine Reihenfolge fest, wie sich Bogenschützen, Schwertkämpfer oder Hellebardenträger verbünden und wie sie die Feinde attackieren. Dabei sind gemeinsame und gegensätzliche Attribute zu beachten, um möglichst viel Schaden auszurichten. Wenn am Ende feindliche Einheiten übrig bleiben, reduzieren diese unsere Lebensenergie. Sinkt der Wert auf Null, endet die Partie und wir müssen, wie es bei Rogue-like-Spielen üblich ist, wieder von Vorne beginnen. Auch wenn uns eine durchdachte Kampagne wie in Might and Magic: Clash of Heroes lieber gewesen wäre, sorgt das süchtigmachende Spielprinzip dafür, dass wir uns immer wieder ins Getümmel stürzen wollen. Wer Tetris oder vielleicht sogar Puzzlespiele im Allgemeinen mag, nichts gegen eine leicht zu erlernende Abwandlung des Gameplays hat, kommt um Drop Duchy definitiv nicht herum!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Drop Duchy hat mich nahezu vom ersten Moment an überzeugt. In den ersten Spielminuten wirkt das Geschehen zwar noch etwas undurchsichtig, doch lässt sich das Prinzip noch während der ersten Partie problemlos verinnerlichen. Peu à peu kommen weitere Elemente wie unterschiedliche Areale und Gebäudetypen mit Spezialfähigkeiten hinzu, die das Spiel so schnell nicht langweilig machen. Obwohl ich eine regelrechte Abneigung gegen Rogue-like-Spiele entwickelt habe, komme ich von Drop Duchy überraschenderweise nicht so schnell los. Dies mag zu einem guten Teil an den Tetris-Anleihen liegen, doch sollte das Spiel nicht darauf reduziert werden. Im Grunde geht das auch nicht, da der Titel reichlich eigene Akzente setzt, die es von Paschitnows Werk abheben. Schade finde ich jedoch, dass es keinerlei Ranglisten gibt, in denen ich mich mit Freunden vergleichen kann. Auch einen Multiplayer-Modus suche ich vergebens. Beides hätte das Spiel genauso wie eine durchdachte Kampagne noch einmal ordentlich aufgewertet. Wem diese fehlenden Charakteristika aber nicht so wichtig sind und wer ganz allgemein Puzzlespiele mag, der sollte sich das ungewöhnliche, aber sehr spaßige Drop Duchy trotz allem nicht entgehen lassen.

Vielen Dank an The Arcade Crew für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Drop Duchy!

Hinterlasse einen Kommentar