Review: Deck of Haunts

Gruselfans sind Spuk- und Geisterhäuser definitiv ein Begriff, gehören sie doch zu den beliebtesten Szenarien, selbst wenn sie manchmal nur Mittel zum Zweck sind. Deck of Haunts lässt uns Architekt spielen und unliebsamen Eindringlingen ordentlich das Fürchten lehren.

Geisterhäuser können für Horrorfans eine reine Wohltat sein. Es handelt sich bei ihnen nicht selten um scheinbar verlassene Herrenhäuser, durch die auch schon gerne mal der Wind pfeift und jedes Knarzen der Dielen oder Türen einen leichten Schauer über den Recken laufen lässt. Wer jetzt aber doch kein Faible für Spukgeschichten oder dergleichen hat, der dürfte schlimmstenfalls mit den Schultern zucken oder gleich einen Bogen um das alte Gemäuer machen. Wie gut, dass es Videospiele wie Deck of Haunts des belgischen Entwicklerstudios Mantis Games gibt, die in gewisser Weise kompensieren. Genauer gesagt dreht der Titel, der sich wie eine Mischung aus Aufbaustrategie- und Sammelkartenspiel bedienen lässt, den Spieß um. Statt alte Spukhäuser wie etwa in Luigi’s Mansion 2 HD zu erkunden, lässt uns Deck of Haunts unwissende Besucher vertreiben oder Grauenvolles mit ihnen anstellen. Da es nur einen einzigen Spielmodus gibt, solltet ihr auch keine Story oder gar eine Kampagne erwarten. Stattdessen konzentriert sich das Spiel mit seinen Rogue-Like-Mechanismen voll und ganz auf das Gameplay – und das ist im Gegensatz zu vielen anderen Rogue-Like-Titeln sogar ausreichend und immer wieder aufs Neue überaus befriedigend. Zudem kommen dank guter Erklärungen auch Anfänger respektive unerfahrene Spieler schnell auf ihre Kosten.

Herzlose Eindringe

Zu Beginn eines Spieldurchlaufs von Deck of Haunts ist unser Spukhaus noch recht überschaubar. Die Eingangshalle ist mit ein paar Räumen verbunden, die allerdings allesamt zum Herz des Anwesens führen – im wahrsten Sinne des Wortes, denn mitten im Haus pulsiert ein riesiges Organ. Unsere Aufgabe besteht darin, dieses Herz Nacht für Nacht vor jedwedem Eindringling zu beschützen. Es darf unter keinen Umständen gefunden werden, denn sobald eine Person den vermeintlichen Ursprung des Geisterhauses entdeckt, verlieren wir einen Lebenspunkt. Noch dazu nehmen die Leute bei diesem Anblick Reißaus und kommen bald mit Verstärkung zurück. Entsprechend wird es immer anspruchsvoller, den ungebetenen Besuchern Herr zu werden. Fällt unsere Lebensenergie auf Null, endet das Spiel. Dadurch erhalten wir jedoch Erfahrungspunkte, wodurch wir weitere Spielkarten erhalten, die wir beim nächsten Durchgang verwenden können. Nur mit Hilfe dieser Karten ist es in Deck of Haunts überhaupt möglich, sich den Menschen zu erwehren, die das Geheimnis unseres Geisterhauses aufdecken wollen. Also fügen wir ihnen mit unsichtbaren Krallen Schnittwunden zu oder lassen Geräusche ertönen, die an ihrem Verstand nagen. Für jeden körperlich oder mental getöteten Besucher erhalten wir Essenz, mit denen wir das Haus zwischen den Nächten ausbauen.

Rogue-like-Spukhäuser mit dem gewissen Etwas

Mit der Essenzwährung können wir nicht nur neue Räume anlegen, sondern diese auch verwandeln, um neue Features freizuschalten. So greifen Schlingpflanzen nach den Menschen und fügen ihnen physischen Schaden zu. Verlassene Kinderzimmer können in einem alten Gemäuer hingegen ganz schön angsteinflößend sein. Errichten wir den Uhrenturm, treibt fortan ein schemenhaftes Ungeheuer sein Unwesen in unserem Geisterhaus. Hinzu kommt, dass wir errichtete Räume auch wieder abreißen können, sollten wir unsere Besucher mit neuen psychologischen Tricks verwirren wollen. Trotz allem müssen wir darauf achten, nicht allzu verschwenderisch mit der uns zur Verfügung stehenden Essenz umzugehen. Es ist also überaus wichtig, jederzeit taktisch vorzugehen. Dies gilt auch für den Karteneinsatz, denn es gibt Multiplikatoren, die nur auf gerade besuchte oder auf leere Räume wirken. Rogue-like-typisch gehört hier ein wenig Glück dazu, da wir nie wissen, welche Karten wir denn in der folgenden Runde überhaupt auf die Hand nehmen können. Trotzdem motiviert das Gameplay über viele Stunden hinweg, da es sich nicht zuletzt mit Maus und Tastatur intuitiv spielen lässt. Lediglich das Anvisieren einzelner Eindringlinge ist fummelig. Audiovisuell kommt mit dezentem Musikeinsatz und dem düsteren Comic-Look in Deck of Haunts die richtige Atmosphäre auf.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Obwohl ich mit Rogue-like-Spielen nur bedingt etwas anfangen kann, musste ich Deck of Haunts eine Chance geben. Ein Geisterhaus zu errichten, kann unfassbar befriedigend sein – vor allem dann, wenn ich es vor ungebetenen Gästen beschützen darf. So baue ich Runde für Runde, Tag für Tag, mein Anwesen aus. Mit jeder weiteren Nacht wird es komplizierter, da immer mehr neugierige Besucher aus dem Weg geräumt werden müssen. Dies bewerkstellige ich durch bewusst kalkulierte Tode der Beteiligten, denn sowohl mental als auch physisch lassen sich diese hervorrufen. Das klingt erst einmal nach nicht viel, doch durch die bewusste Kombination der Karten, welche die verschiedenen Effekte bei von mir errichteten Gebäuden und den Besuchern anrichten, ist das über etliche Stunden hinweg sehr motivierend. Trotzdem, und dessen müsst ihr euch bei einem Kauf bewusst sein, spielt der Glücksfaktor immer mal wieder eine gewichtige Rolle, da nicht vorhersehbar ist, welchen Weg die Eindringlinge durchs Gemäuer nehmen und welche Karten in der nächsten Runde auf der Hand landen. Kommt ihr damit klar, steht dem Spielspaß bei Deck of Haunts nichts mehr im Weg!

Vielen Dank an Dangen Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Deck of Haunts!

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