Review: DreadOut

DreadOut (1)Mit der unaufhaltbaren Verbreitung der Indie-Spielen hat auch das Genre des Survival-Horrors wieder einen spürbaren Auftrieb erfahren. Schließlich braucht es nicht immer die imposanteste Technik eines Blockbuster-Titels, um einem Spieler das Fürchten zu lehren.

DreadOut (2)Wir verfolgen Linda Meilinda bei einem Ausflug mit ihrer indonesischen Schulklasse ins Ungewisse. Ins Ungewisse insofern, dass wir uns schon nach wenigen Minuten Spielzeit in einer nebelverhangenen Geisterstadt wieder finden. Im verlassenen Schulgebäude sammelt sich die Gruppe erst einmal, aber wie es im Horror-Genre so üblich ist, sind wir schon sehr bald auf uns allein gestellt. Noch dazu bricht gerade die Nacht herein. Was Linda nur dabei bleibt, ist ihr geliebtes Smartphone. War es in Projekt Zero noch die Camera Obscura, halten heutzutage modernere Methoden zur Geisterbekämpfung her. Das schicke Mobiltelefon fungiert nicht nur als tragbare Lichtquelle, sondern bannt auch die Schreckgestalten des Spiels auf den digitalen Speicher des Geräts. Viele Geister gibt es zum Glück zwar nicht, aber diejenigen, die sich Linda in den Weg stellen, sorgen schon für genug Schweißtrieb. Dazu erfordern verschieden Geister unterschiedliche Taktiken, sodass Linda besonders bei einer Neubegegnung nicht selten erst das eine oder andere Leben lassen muss, bis sie dem Gegner Herr werden kann. Nach einem Tod starten wir übrigens nicht beim letzten Kontrollpunkt oder müssen das Spiel neu laden, denn Linda erwacht zunächst in einer Zwischenwelt.

Pixel-Panorama

DreadOut (3)Der Ausgang, symbolisiert durch grelles Licht, liegt direkt vor ihr beziehungsweise uns – nur erweitert sich die Strecke dahin pro Ableben um einen bestimmten Betrag. Dort angekommen, starten wir unmittelbar am Ort unseres Missgeschicks und können wieder loslegen, ohne Passagen wiederholen zu müssen – bestraft wird der Spieler somit nur durch die Geduldsprobe. Dieser Begriff beschreibt auch die Rätselstruktur des Spiels ungemein passend. Zwar sind die Rätsel intelligent gestaltet, doch müssen wir das Gemäuer schon sehr genau unter die Lupe nehmen. Das liegt daran, dass Linda Gegenstände nicht selten erst dann bemerkt, wenn sie direkt vor ihnen steht. Ihre Digitalkamera steht auch hier im Mittelpunkt, denn hin und wieder weisen Aufnahmen, geschossen aus einem bestimmten Winkel, auf versteckte Orte und Lösungen unserer Rätsel hin. Hierbei orientiert sich DreadOut wohl nicht nur spielerisch an PlayStation-2-Klassikern, sonder will diesen auch grafisch nacheifern. In jeder Hinsicht muss schon bei der Konzipierung des Spiels klar gewesen sein, dass Entwickler Digital Happiness hiermit niemanden zufrieden stellen wird. Nachdem der anfängliche Schock für die Augen überwunden war, mussten wir aber einsehen, dass die visuelle Gestaltung in sich doch stimmig ist. Es kommt tatsächlich das Gefühl auf, dass wir optische einen Retro-Titel spielen.

Per Achterbahn durchs Geisterhaus

DreadOut (4)Dazu spielen Horrorspiele wie diese glücklicherweise primär im Dunklen und im flackernden Lichtkegel können wir der verlassenen graubraunen Schule grafisch doch etwas abgewinnen. Zur Entschädigung jagen uns die Entwickler mit ihrem beklemmenden Sound-Design den einen oder anderen Schauer über den Rücken. Wieder einmal wird bewiesen, inwiefern uns mit passend platzierten Klängen mehr Angst eingejagt werden kann, als mit einer flüchtigen Schreckgestalt. Die ausgewogene Mischung zwischen subtiler Spannung und direkter Konfrontation mit dem Horror zieht sich durch die gesamten vier bis fünf Stunden Spielzeit, sodass auch das oberflächliche und simple Gameplay nie in Verlegenheit gerät, sich abzunützen. Leider ist die Spielstruktur, wie bei den meisten Spielen dieser Art, auf Backtracking ausgelegt, sodass die kurze Spielzeit noch einmal besonders negativ ins Gewicht fällt. Digital Happiness verfolgt mit DreadOut aber den Plan, das Spiel in mindestens einer weiteren Episoden fortzuführen, wovon auch das offene Ende zeugt. Lust darauf haben wir allemal, denn auch wenn das Grundkonzept wohl direkt aus dem Lehrbuch der Gruselspiele stammt, zeigen die indonesischen Entwickler glasklar, dass sie bei dieser Kickstarter-Kampagne ein Ziel vor Augen haben, dass sie hoffentlich erreichen werden.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Klassische Horror-Erlebnisse wie die Silent-Hill- oder Project-Zero-Reihe sie vermitteln, gehörten schon immer zu meinen Favoriten. Da war es nur natürlich, dass mich auch DreadOut reizte; den äußeren Umständen des Spiels war ich mir vorab natürlich bewusst. Die indonesische Orientierung fand ich erst einmal interessant, mein Fokus lag aber immer noch auf der Gruselstimmung und die haben die Entwickler hervorragend hinbekommen. Da ist es für mich auch verkraftbar, dass dieses Szenario – abgelegene Häuser mit finsteren Vergangenheiten – einmal mehr ausgetreten wurde. DreadOut reiht sich aber mühelos unter die erinnerungswürdigen Vertreter seiner Art ein. Auf das folgende Abenteuer mit Linda bin ich deswegen auf alle Fälle gespannt!

Vielen Dank an Digital Happiness für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von DreadOut!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s