Retro ist Kult! So könnte das Credo des japanischen Publishers Hamster lauten, der seit Jahren dabei ist, etliche Arcade-Spiele aus den 1970er- bis 1990er-Jahren auf heutigen Systemen neu aufzulegen. Mit Arcade Archives 2: Ridge Racer schlägt Hamster ein neues Kapitel auf.
Rechtzeitig zum Launch der Nintendo Switch 2 startete der japanische Publisher Hamster die Arcade-Archives-2-Reihe, um nicht nur Nintendos neue Hybridkonsole, sondern auch andere gängige Plattformen wie die PlayStation 5 oder die Xbox Series X künftig mit Retro-Spielen zu versorgen. Den Anfang innerhalb dieser frischen Reihe macht der Arcade-Klassiker Ridge Racer aus dem Jahr 1993. Wer das Rennspiel schon einmal an einem Arcade-Automaten gespielt hat, dürfte wissen, dass Ridge Racer grundsätzlich ein umfangarmes Spiel ist. Dessen müssen sich auch die Entwickler der Arcade-Archives-2-Version bewusst gewesen sein, sodass diese den Umfang leicht in die Höhe getrieben haben, soweit es ihnen möglich war. Starten wir das Spiel, können wir im Hauptmenü unter anderem zwischen der ursprünglichen japanischen Version und der Deluxe-Variante wählen. Auch wenn die sprachlichen Hürden marginal sind, da fast alle Texte auf Englisch sind, könnt ihr wahlweise auch die englischsprachige Version oder das jeweilige Deluxe-Pendant spielen. Im Spiel selbst können wir dann eigentlich nur noch den Schwierigkeitsgrad wählen, bevor wir mit unserem Rennwagen über die Straße flitzen. Die Schwierigkeitsstufe in Ridge Racer unterscheidet sich in der gewählten Strecke, der Höchstgeschwindigkeit und der Runden- wie der Kontrahentenanzahl.
Überschaubarer Umfang, aber tolles Gameplay
Eine Besonderheit von Ridge Racer ist, dass es nur eine Strecke gibt. Diese liegt in diversen Varianten vor, die wie erwähnt vom Schwierigkeitsgrad abhängig ist. Im Gegensatz zu späteren Rennspielstandards gibt es in Ridge Racer lediglich die First-Person-Perspektive, die vor der Motorhaube angebracht zu sein scheint. Wir rasen so die Piste entlang und schalten hierbei manuell oder automatisch. In der Deluxe-Version geschieht dies stilecht via H-Schaltung mittels des rechten Analog-Sticks. Zudem driften wir in den Kurven und nehmen auch mal den Fuß vom Pedal, sollten wir sonst nicht in einem Stück um die Ecke kommen. Gut, Letzteres wäre ohnehin nicht so tragisch, da es kein Schadensmodell gibt. Kollidieren wir mit Fahrzeugen oder stoßen an die Bande, verlieren wir lediglich an Tempo. Das ist deshalb oft tragisch, da der Titel ähnlich wie Out Run auf ein Zeitkonzept setzt. Unaufhörlich läuft der Timer nach unten. Um diesen aufzufüllen, müssen wir es bis zum nächsten Kontrollpunkt auf der Strecke schaffen. Je nach Schwierigkeitsgrad ist das teils nervenaufreibend. Uns motiviert diese Art des Gameplays enorm, da wir uns so anstrengen müssen, um neue Bestzeiten zu erreichen. Gerade wenn wir auf den Online-Ranglisten landen wollen, ist das Aufstellen von Highscores eine überaus angenehme Möglichkeit, die Spielzeit in die Höhe zu treiben.
Einstellungsmöglichkeiten für mehr Spielspaß
Personalisieren lässt sich Ridge Racer in der Arcade-Archives-2-Fassung ebenso bis zu einem gewissen Grad. Ist uns das Spiel auf bestimmten Schwierigkeitsgraden zu leicht oder heftig, können wir hierbei auch ein wenig tricksen, um es uns einfacher oder kniffliger zu machen. Kommen wir mit der Knopfbelegung trotz aller Simplizität nicht zurecht, so können wir diese auf Wunsch auch abändern. Wie es sich für Retro-Titel gehört, dürfen auch Scanlines in mehreren Stufen hinzugeschaltet oder ein Hintergrundbild statt der zum Glück standardmäßig eingeschalteten schwarzen Ränder ausgewählt werden. Letzteres ist bei Veröffentlichungen dieser Art ja nicht immer der Fall, wie Fans von Capcom-Kollektionen wissen. Ebenfalls lässt sich in der Menüstruktur der Optionen die tatsächliche Rundenanzahl für die verschiedenen Modi einstellen, sodass wir am Ende unseren ganz individuellen Spielstil festlegen können. Wir finden dieses Feature toll und würden uns freuen, wenn dieses in ähnlicher Form auch in künftigen Episoden der Reihe zurückkehren könnte – dann aber bitte mit einer nicht so schwammigen deutschen Übersetzung. Nichtsdestotrotz täten unserer Meinung nach auch andere Entwickler gut daran, sich die Optionsvielfalt des Titels einmal anzuschauen, um möglichst viele Spieler zu inkludieren. Wer also einen Einblick in die Arcade-Rennspiele der frühen 1990er-Jahre erhaschen will, kommt um Arcade Archives 2: Ridge Racer nicht herum!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Switch-2-Fassung): Vor einiger Zeit habe ich mit Ridge Racer 64 versucht, Zugang zur Reihe zu finden – und wurde dabei leider ein wenig enttäuscht. Mit Ridge Racer aus dem Jahr 1993 kann ich überraschenderweise deutlich mehr anfangen. Trotz des sehr überschaubaren Umfangs beeindruckt mich der Titel technisch deutlich mehr. Zudem motiviert er mich gerade deswegen so sehr dazu, immer weiter neue Bestleistungen aufzustellen. Ständig stehe ich wie in Out Run unter Zeitdruck und muss mich teilweise arg anstrengen, um überhaupt den nächsten Checkpoint zu erreichen. Mit jedem neuen Versuch merke ich, wo genau meine Fehler und Schwächen liegen. Peu à peu kann ich diese bei den nächsten Anläufen ausmerzen. Parallel dazu merke ich, wie ich plötzlich ein paar Plätze auf der Online-Rangliste nach oben klettere. Wem diese Art des Spielfortschritts gefällt, dürfte an Arcade Archives 2: Ridge Racer seine wahre Freude haben!
Vielen Dank an Hamster für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Arcade Archives 2: Ridge Racer!