Review: Hell is Us

Im Vorfeld vor allem mit Demon’s Souls und Konsorten verglichen, entpuppt sich Hell is Us im Test als eine kunterbunte Mischung verschiedener Franchises, die aber von der ersten bis zur letzten Minute wunderbar aufgeht und für einprägsame Videospielmomente sorgt.

Angesiedelt ist das vorwiegend als Action-Adventure fungierende Hell is Us im fiktiven Staat Hadea, den wir am ehesten im osteuropäischen Raum ansiedeln würden. Das Land ist geprägt von einem tobenden Bürgerkrieg und die Grenzen sind geschlossen. Niemand kann das Land verlassen oder betreten, was den Protagonisten Rémi Letam aber dennoch nicht davon abhält, in seine Heimat zurückzukehren. Als kleines Kind wurde er von seinen Eltern getrennt – als Erwachsener kehrt er als Soldat der Friedenstruppen über einen Schleichweg zurück. Dass die Rückkehr kein Spaziergang wird, zeigt bereits die einleitende Videosequenz, in der Rémi augenscheinlich gefangen, unter Drogen gestellt und verhört wird. Wie es dazu kommen konnte, gilt es im Spiel herauszufinden. Während sich die ersten Schritte in Hadea noch wie ein Aufguss vom Survival-Horror-Abenteuer Alan Wake anfühlen, wandelt sich das Gameplay mit zunehmender Spielzeit eher in eine Mischung aus The Legend of Zelda, Demon’s Souls und Gothic, doch dazu später mehr. Uns soll es nur recht sein, fühlt sich diese Mixtur aus besagten Meilensteinen der Videospielgeschichte wirklich hervorragend an. Gepaart ist diese Zusammensetzung von Hell is Us mit einem ernsten, erwachsenen und nicht zuletzt düsteren Setting, das uns zeitlich in die frühen 1990er-Jahre versetzt und uns storytechnisch schlucken lässt.

Kreaturen aus der Hölle

An dieser Stelle müssen wir anmerken, dass Hadea nicht nur als Kriegsschauplatz herhält, denn das Land ist von einer weiteren Katastrophe gezeichnet. Mit der Ankunft von Rémi tauchen in Hadea auch böswillige Kreaturen auf, was die notleidende Bevölkerung zusätzlich belastet. Kurz nach Spielbeginn müssen wir in eine mittelalterliche Ruine hinabsteigen und treffen dort auf einen der sogenannten Hollow Walkers. Unempfindlich gegen Pistolenkugeln lernen wir schnell, dass wir nur mit Nahkampfwaffen eine Chance gegen das Übernatürliche haben. Mit der Zeit stehen uns in Hell is Us neben einem Schwert auch Äxte und Lanzen zur Verfügung, die je nach Gegnertyp mal mehr und mal weniger effektiv sind. Wir visieren wie in The Legend of Zelda einen Gegner an, weichen Angriffen aus oder blocken diese und schlagen im richtigen Moment zurück. Hierzu stehen uns überwiegend einfache Angriffe zur Verfügung, doch können wir eine Attacke vorbereiten, indem wir die Waffe aufladen. Peu à peu erlernen wir auch Skills, mit denen wir eine Drohne einsetzen können, um beispielsweise einen Hollow Walker abzulenken, während wir einen anderen bearbeiten. Manche Hollow Walkers sind auch mit einem oder mehreren symbiontartigen Hazes unterwegs, die ihren Wirt solange schützen, bis wir sie selbst aus dem Weg geräumt haben. Ganz schön anspruchsvoll!

Verzicht auf Hilfefunktionen

Neben den Kämpfen stehen Erkundungstouren in den zumeist überschaubaren, dafür aber fast schon labyrinthartigen Gebieten von Hell is Us an der Tagesordnung. Im Vergleich zu anderen Spielen funktioniert dies wesentlich immersiver, denn Entwicklerstudio Rogue Factor hat bewusst die Entscheidung getroffen, auf Funktionen wie eine Minimap oder Zielmarkierungen zu verzichten. Das heißt auch, dass wir beim Lösen von Rätseln die Umgebung gut im Blick haben sollten. Viele Rätsel setzen auf visuelle und teils sogar auditive Merkmale der Spielwelt, andere wiederum auf Texte, die es genau zu lesen gilt. Allzu große Kopfnüsse gibt es zwar nicht, aber zumindest Spieler, die nicht so viel Erfahrung mit Adventures gemacht haben, könnten hier und da vor einer kleinen Herausforderung stehen. Mit einem Augenzwinkern geben wir den Tipp, dass Stift und Papier unfassbar mächtige Werkzeuge sind. Während der Verzicht auf Hilfefunktionen bei anderen Titeln aufgrund ihrer generischen Ader tödlich wäre, passt die Entscheidung der Entwickler zu ihrem Werk wirklich gut. Schrittweise leben wir uns in der zerrütteten Spielwelt ein und prägen uns relativ leicht ein, wo sich welche Wahrzeichen befinden sind und in welcher Entfernung sie zueinander stehen. Laufwege fallen auch aufgrund der großzügig verteilten Kontrollpunkte in Hell is Us oftmals sehr kurz aus.

Gute Taten und ernste Präsentation

Mitunter liegt das auch daran, dass es einige Nebenaufgaben gibt, die wir durch Gespräche mit Nicht-Spieler-Charakteren oder rein zufällig durch das Lesen eines Dokuments starten. Erledigen wir diese als gute Taten bezeichneten Aufgaben, kann das im späteren Spielverlauf durchaus von Relevanz sein. Auch gefallen uns die bedacht geschriebenen wie übersetzten Dialoge des Spiels, zeugen sie doch sehr gut vom apokalyptischen Szenario von Hell is Us, das auch auf ernste Themen wie ethnische Abstammung eingeht. Schade finden wir jedoch, dass keine deutsche Synchronisation existiert. Dafür gibt es aber immerhin den Kanadier Elias Toufexis zu hören, der unter anderem Adam Jensen in Deus Ex: Mankind Divided sprach. Im Großen und Ganzen lässt sich das Action-Adventure gut bedienen, da es auf etablierte Genrekonventionen setzt. Beispielsweise müssen wir bei Rätseln Items an den richtigen Stellen in einen Mechanismus einfügen. Auch die Kämpfe gehen bis auf seltene Timingaussetzer locker von der Hand. Wer diese zu leicht oder zu schwierig findet, kann den dreistufigen Schwierigkeitsgrad jederzeit nach oben oder unten korrigieren. Grafisch sieht das Abenteuer ebenso schick aus und läuft auf unserem Testrechner (Intel i5 13600K, GeForce RTX 4070, 32 GB DDR5 RAM) in höchsten Grafikeinstellungen in der Full-HD-Auflösung butterweich. Wer sich auf Hell is Us einlässt, wird so zwanzig bis dreißig Stunden lang wunderbar unterhalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Hell is Us ist für mich tatsächlich eine kleine Überraschung geworden, habe ich im Vorfeld lediglich ein ganz passables Spiel der Machart wie in Demon’s Souls erwartet. Das Action-Adventure ist aber so viel mehr, denn es orientiert sich an weiteren großen Franchises wie The Legend of Zelda oder Gothic. Hinzu kommt, dass ich das Setting großartig finde, denn die Mischung aus osteuropäischer 1990er-Jahre-Ästhethik und teils mittelalterlicher Schauplätze geht für mich voll auf. Es macht Spaß, mich in die teils taktischen Kämpfe zu werfen, die Spielwelt nach audiovisuellen Merkmalen abzusuchen, Rätsel zu lösen und mich den motivierenden Nebenaufgaben zu stellen. Ebenfalls bin ich in der Ansicht, dass die Spielwelt mit verschiedenen Wahrzeichen und besonderen Charakteren detailliert gestaltet ist und trotz oder gerade wegen des labyrinthartigen Aufbaus im Gedächtnis bleibt. Generisch ist hier kaum etwas, weshalb es auch eine gute Idee seitens der Entwickler war, auf Hilfestellungen und Orientierungshilfen gänzlich zu verzichten. Ich kann das Spiel jedem Genrefan nur wärmstens empfehlen. Enttäuscht werdet ihr hier absolut nicht.

Vielen Dank an Nacon für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Hell is Us!

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