Review: Heretic + Hexen

Es ist immer wieder spannend, Klassiker nachholen zu können. Das hat sich auch Bethesda Softworks gedacht und die First-Person-Shooter Heretic und Hexen erneut veröffentlicht. Das Doppelpack Heretic + Hexen bietet überraschenderweise sogar Gameplay-Verbesserungen.

Nachdem 1992 mit dem First-Person-Shooter Wolfenstein 3D von Entwicklerstudio Id Software der Archetypus des Genres erschien, erlangte ein Jahr später vor allem der vom selbigen Entwicklerstudio stammende Klassiker Doom derart an Popularität, dass das Genre fortan aus der Videospielszene nicht mehr wegzudenken war. Da ist es kein Wunder, dass Entwicklerstudio Raven Software, die inzwischen und vor allem für ihre Arbeit an der Call-of-Duty-Reihe bekannt sind, mit Id Software eine Kooperation einging, um ein weiteres Werk für das auflebende Genre zu erschaffen. Die Rede ist von Heretic, einem First-Person-Shooter, der in einer mittelalterlichen Fantasy-Welt angesiedelt ist. 1994 war es noch so, dass gerade in actiongeladenen Spielen Storys nicht sonderlich tiefgründig präsentiert werden mussten. So kommt die Geschichte um die ominösen Schlangenreiter, welche die Könige und ihre Armeen korrumpiert haben, gar nicht zur Geltung. Zum Verständnis wäre es zwar schön gewesen, dass die Handlung in der Neuauflage zumindest nebensächlich geschildert werden würde, aber für das eigentliche Gameplay ist dies ohnehin zweitrangig. Wir schlüpfen in die Rolle eines Elfen des Stammes der Sidhe, der resistent gegen die Magie der Schlangenreiter ist. Mit allerhand magischen Waffen nehmen wir im Alleingang den aussichtslosen Kampf gegen den übermächtigen Feind auf – dann zündet Heretic ein Actionfeuerwerk der Superlative.

Alte und neue Kampagnen

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Nachfolger Hexen: Beyond Heretic aus dem Jahr 1995. Hier gibt es zwar schon ein paar Story-Anleihen im Spiel zu bestaunen, doch bleibt die Geschichte abermals im Hintergrund. Der Kampf gegen die Schlangenreiter ist noch nicht vorbei und geht in die nächste Runde. Diesmal stellen sich gleich drei Helden dem Bösen: Ein Krieger, ein Kleriker und ein Zauberer. Aufgrund dessen, dass der Titel von der Spielerschaft angenommen wurde, erschien 1996 noch die Erweiterung Hexen: Deathkings of the Dark Citadel. Das Add-on führte die Handlung zwar nicht fort, bot aber zusätzliche Levels. In Heretic + Hexen sind aber nicht nur die beiden ersten Hauptteile und die Hexen-Erweiterung enthalten. Die für das Doppelpack verantwortlichen Entwickler der Nightdive Studios, die unter anderem am Remaster von Star Wars: Dark Forces werkelten, haben sich für die Neuveröffentlichung mit Id Software zusammengetan, und gleich zwei neue Kampagnen implementiert. So können wir uns gleichermaßen in Heretic: Faith Renewed sowie in Hexen: Vestiges of Grandeur in ein neues Abenteuer stürzen, das jeweils vom Hauptspiel inspiriert ist. Obwohl beide Kampagnen im Jahr 2025 entstanden und exklusiv in Heretic + Hexen enthalten sind, handelt es sich dabei nicht um Titel, die auf dem grafisch aktuellen Stand der 2020er-Jahre sind. Es sind schlichte Erweiterungen, die sich aber technisch und spielerisch hervorragend einfügen.

Klassische Genrekost

In spielerischer Hinsicht hat sich sowohl an Heretic als auch an Hexen: Beyond Heretic auf den ersten Blick nichts verändert. Ähnlich wie in Doom werden wir in einen Level geworfen und erwehren uns allen Gegnern, die auf uns losgestürmt kommen. Darunter befinden sich Gargoyles, Mumien, Trolle und andere Dämonen und Ungetüme, die wunderbar ins mittelalterliche Fantasy-Setting passen. Nebenher erkunden wir die Spielwelt, die sich aus alten Gemäuern, dunklen Höhlen, Kathedralen und Co zusammensetzt. Indem wir Schalter betätigen, öffnen sich an anderer Stelle verschlossene Türen. Auch Geheimräume lassen sich auf diese Art und Weise finden, wenn wir nur aufmerksam genug durch die Spielwelt laufen. In beiden Titeln ist die Spielgeschwindigkeit, wie wir es von First-Person-Shootern der 1990er-Jahre gewohnt sind, sehr hoch. Wir düsen mit einem Affenzahn durch die halbwegs offen gestalteten Spielabschnitte und übersehen daher schon mal leicht versteckte Schalter. Auch ist nicht immer ganz klar, wo sich denn eine Tür öffnet. Gerade im teils arg verwirrend aufgebauten Hexen: Beyond Heretic ist dies vor allem in der Originalversion nicht sonderlich spielspaßfördernd. In der in Heretic + Hexen enthaltenen Version gibt es jetzt immerhin ein paar wegführende Bildschirmeinblendungen oder Markierungen auf der verschachtelten Karte.

Doom-Klone mit Eigenanteil

Hinzu kommt die typische Suche nach bestimmten Schlüsseln, um die dazugehörigen wie gleichfarbigen Tore zu öffnen. Beide Spiele lassen sich durchaus als Doom-Klone bezeichnen, aber zumindest als wohlwollende, da Id Software als damaliger Publisher die Veröffentlichung sehr wohl begrüßt hat. Trotzdem fühlen sich sowohl Heretic als auch Hexen: Beyond Heretic hier und da ein wenig anders an. So gibt es in beiden Spielen ein simples Inventarsystem. Sobald wir ein Item aufnehmen, worunter beispielsweise Heiltränke, eine lichtspendende Fackel oder temporäre Power-ups für unsere Waffen fallen, werden diese nicht sofort aktiviert. Stattdessen setzen wir sie genau dann ein, wenn es unserer Meinung nach an der Zeit dazu ist. Somit bieten die beiden First-Person-Shooter durchaus eine taktische Tiefe, die es in vergleichbaren Titeln jener Zeit so nicht gibt. Bei den Waffen gibt es hingegen keine sonderlich großen Unterschiede zu Doom und Konsorten. An bestimmten Stellen finden wir neue Waffen wir Armbrüste oder Drachenklauen, mit denen wir magische Kugeln verschießen können. Im Grunde sind dies Schrotflinten und Maschinengewehre, die in Heretic + Hexen im Sinne des mittelalterlichen Szenarios umgemünzt wurden. Für Veteranen ist der Einsatz sofort einleuchtend, aber auch Neulinge dürften die Einsatzmöglichkeiten recht schnell verstehen.

Verbessertes Gameplay

Neben der leider nur rudimentären Wegführungsverbesserung gibt es noch weitere Gameplay-Änderungen. Die wichtigste Neuerung dürfte wohl sein, dass es in Hexen: Beyond Heretic nun möglich ist, an speziellen Stellen den Charakter zu wechseln. So ist es tatsächlich möglich, die ganze Bandbreite an Angriffsmöglichkeiten zu nutzen, denn beispielsweise greift der Kämpfer brachial im Nahkampf an, während der Magier aus sicherer Entfernung die Gegner aufs Korn nimmt. Dem Kleriker wurde ein Schild in die Hand gedrückt – blocken wir Angriffe im richtigen Moment, nehmen wir keinen Schaden und können sogar den Gegner kurz paralysieren. In dieser Zeit reicht ein Schlag oft schon aus, um ihn zu pulverisieren. Auch an den Schadenswerten haben die Nightdive Studios gewerkelt, sodass gerade unerfahrene Spieler besser ins Gemetzel eintauchen können. Grafisch gibt es mit neuen Texturen und teils frisch gestalteten Umgebungen ebenfalls ein Update zu bestaunen, auch wenn die Modifikationen aus der Community für die ursprünglichen Versionen schon deutlich bessere Lichteffekte bieten. Modsupport ist für die Nightdive Studios aber kein Fremdwort – hier wird sich zeigen, was in Zukunft passiert. Beim Mehrspielermodus herrscht aber trotz Crossplay-Funktion schon kurze Zeit nach Release tote Hose. Zum Testzeitpunkt am 25. August 2025 kam bei uns kein einziges Match zustande. Wer Doom, Quake und Co etwas abgewinnen kann, wird sich aber dennoch in den umfangreichen Singleplayer-Kampagnen von Heretic + Hexen verlieren.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Heretic + Hexen ist ein wunderbares Doppelpack zweier First-Person-Shooter-Klassiker geworden, das mich vor allem mit seinen kleinen Gameplay-Verbesserungen überzeugt. Dass ich mich gerade in Hexen: Beyond Heretic nicht mehr ganz so oft verlaufe und zumindest grob die Richtung kenne, macht schon vieles aus, auch wenn hier noch Luft nach oben gewesen wäre. Ebenfalls gefällt mir, dass ich an vordefinierten Stellen uneingeschränkt den Charakter wechseln kann, um mich auf verschiedene Spielsituationen einzustellen. Auch dass die Nightdive Studios an den Schadenswerten der Waffen gedreht haben, ist eine hervorragende Idee gewesen, um die Spiele trotz verschiedener Schwierigkeitsgrade noch etwas zugänglicher zu machen. Persönlich gefällt mir jedoch Heretic ein klein wenig besser, da es sich noch etwas mehr wie Doom anfühlt und die einzelnen Levels nicht ganz so unübersichtlich und verwirrend wie im Nachfolger sind. Für mich entsteht hier bei der hohen Geschwindigkeit klar der bessere Spielfluss. Wer die Spiele noch nicht gespielt hat, aber etwas für Titel wie Doom, Quake und Co übrig hat, darf gerne einen Blick riskieren. Selbst für Kenner der Originale, deren Microsoft-Disk-Operating-System-Versionen bei Spielstart ebenfalls wählbar sind, lohnt sich das Doppelpack. Mit zwei neuen Erweiterungen kommen nämlich selbst Fans in den Genuss vieler neuer Spielinhalte!

Vielen Dank an Bethesda Softworks für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Heretic + Hexen!

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