Review: Ninja Gaiden 4

Seit Yaiba: Ninja Gaiden Z aus dem Jahr 2014 lag die Ninja-Gaiden-Serie mehr oder weniger brach. Es hat tatsächlich bis 2025 gedauert, bis der japanischen Marke neues Leben eingehaucht wurde. Ninja Gaiden 4 ist jedoch alles andere als das erhoffte Meisterwerk geworden.

Neben dem vermutlich fantastischen Ninja Gaiden II Black und dem grandiosen Ninja Gaiden: Ragebound, die ebenfalls 2025 erschienen sind, hätte Ninja Gaiden 4 einen krönenden Abschluss unter diese Entwicklung setzen können. Leider vergeigt das Actionfeuerwerk eine Chance nach der anderen, denn obwohl die Entwickler offenbar auch Neulinge an Bord holen wollten, eignet sich der Titel unterm Strich nur für die allergrößten Fans. Warum das so ist, hat verschiedene Gründe. Allen voran gelingt es dem Spiel nicht, eine vernünftige Story zu erzählen. Da es sich hierbei um eine Fortsetzung handelt, wäre es alleine schon einmal gut gewesen, die bisherigen Ereignisse verständlich zusammenzufassen. Stattdessen wird der Status quo in wenigen Nebensätzen abgehandelt und wir direkt in die Handlung geworfen. Anstatt die Rolle von Serienlegende Hayabusa Ryū zu schlüpfen, mimen wir in Ninja Gaiden 4 den jungen Shinobi Yakumo aus dem Rabenklan. Spieltechnisch ist dies keineswegs schlimm, denn auch Yakumo kann die Gegner ordentlich vermöbeln, verdreschen und vierteilen. Dem Charakter ist jedoch keine vernünftige Exposition vergönnt. Stattdessen ist er auf der Suche nach einer Priesterin, um den dunklen Drachen, der sich nach wie vor um Tōkyō windet und die Stadt in giftigem Miasma versinken lässt, endgültig aus dem Reich der Lebenden zu tilgen.

Langweiliges Grundgerüst

Zwischendurch kommt es immer wieder zu kurzen Zwischensequenzen, die hier und da etwas übertrieben dramaturgisiert sind, aber immerhin ihren Zweck erfüllen. Viel häufiger erhalten wir von unseren Verbündeten jedoch Funknachrichten – wahlweise im japanischen Originalton oder in der englischen Synchronisation. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es zwar nicht, aber immerhin deutsche Untertitel, die beim hektischen Geschehen jedoch nicht immer flott mitgelesen werden können oder beim Innehalten an Ort und Stelle das Spieltempo bremsen. Da die Story aber ohnehin nicht sonderlich spannend ist und mehr als Mittel zum Zweck fungiert, können aber zumindest langjährige Serienfans darüber hinwegsehen. Trotzdem sei auch hier gesagt, dass frühere Serienteile wie Ninja Gaiden Σ2, das unter anderem in der 2021 veröffentlichten Master Collection enthalten ist, den Spagat zwischen Story und Action deutlich besser umsetzt. Dabei wäre Ninja Gaiden 4 aufgrund seiner weitgehend linearen Levelstruktur doch prädestiniert für eine dichte Erzählung der düsteren Ereignisse. Stattdessen rennen wir in den meisten Fällen aus der Third-Person-Perspektive mit Yakumo von einem Ort zum anderen, bekämpfen zwischendurch jede Menge Gegner und nehmen hier und da auch mal eine geheime Abzweigung zu versteckten Orten, wo dann aber nur noch mehr Feinde lauern.

Vergeudetes Kampfpotenzial

Jetzt stellt sich euch sicherlich die Frage, ob denn wenigstens die Action in Ninja Gaiden 4 funktioniert. Darauf gibt es leider keine eindeutige Antwort, denn eigentlich bietet das Spiel zahlreiche Kombinationsangriffe, die wir nach und nach im Verlauf des Abenteuers bei Lehrmeister Tyran erlernen können. Dieser taucht regelmäßig an bestimmten Stellen der einzelnen Levels auf und bietet seine Dienste für Ninja-Münzen feil, die wir für erledigte Feinde erhalten. Ebenfalls können wir unsere Waffen verbessern, indem wir sie oft genug einsetzen und mit verdienten Erfahrungspunkten insofern aufwerten, dass wir plötzlich ganz neue Angriffsmuster beherrschen. Mit der Zeit ergibt sich so ein unfassbar riesiger Katalog an Fähigkeiten, der grundsätzlich nur so vor Abwechslungsreichtum sprießt. So reißen wir unter anderem Gegner in die Luft, reagieren auf ihre Angriffe mit Paraden oder stoßen sie gleich in den nächstbesten Abgrund. Problematisch ist hierbei jedoch, dass wir diese Fähigkeiten fast allesamt in einer sicheren Umgebung, aber niemals unter echten Kampfbedingungen erlernen. Die bittere Realität ist nämlich, dass Ninja Gaiden 4 selbst auf der untersten Schwierigkeitsstufe ein unfassbar heftiges Spiel ist, an dem nicht nur Einsteiger aufgrund der zu hohen Gegneranzahl pro Kampf und einer Kameraführung, die der Hölle entspringt, scheitern werden.

Technischer Reinfall

Erschwerend kommt hinzu, dass die Spielgeschwindigkeit von Ninja Gaiden 4 viel zu hoch ist, sodass bei dem ganzen Chaos auf dem Bildschirm lediglich Spieler mit richtig guten Reflexen auf die Angriffe der Feinde reagieren dürften. Alle anderen werden einfach nur in unfaire Situationen geworfen, in denen es gilt, gleichzeitig einer anrückenden Nahkampftruppe als auch feindlichen Geschossen gleichzeitig auszuweichen. Freude macht das nicht wirklich, zumal die Steuerung recht hakelig ausfällt und in Zusammenarbeit mit der miesen Kameraführung den letzten Funken Spielspaß raubt. Zwar finden wir hin und wieder Objekte, welche die Lebensenergie leicht verlängern, aber ist das in Anbetracht der technischen Probleme und dem zu hohen Schwierigkeitsgrad keine äquivalente Entschädigung. Obwohl das Actionspiel auf der PlayStation 5 anständig läuft, wirkt die Optik für unseren Geschmack viel zu trist. Sie weckt Erinnerungen an die Zeit der braun-grauen First-Person-Shooter. Entsprechend abwechslungsarm fallen die Umgebungsgrafiken aus. Auch über den Soundtrack können wir nur schmunzeln. Die meiste Zeit über dümpelt dieser im Hintergrund vor sich hin. Auch wenn die Soundeffekte ordentlich Wucht verspüren lassen, kommt ohne Musik einfach kein Gefühl für Rhythmus auf, was in den Kämpfen unfassbar wichtig wäre. Für uns ist Ninja Gaiden 4 ein weiterer Serienteil, den die Reihe nicht gebraucht hätte. Hier greifen nur beinharte Fans zu!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Monatelang habe ich auf Ninja Gaiden 4 entgegengefiebert. Gerade nach dem fantastischen Ninja Gaiden: Ragebound habe ich große Lust auf das neue Werk verspürt, hinter dem zur Hälfte auch noch Platinum Games steht. Leider wurden meine Erwartungen bei Weitem nicht erfüllt. Ich will es nicht nur auf das andere beteiligte Entwicklerstudio, namentlich Team Ninja, schieben, aber bei Ninja Gaiden 4 stimmt in meinen Augen vorne und hinten kaum etwas. Das fängt schon bei der mau präsentierten Story an, bei der kaum jemand wissen dürfte, was eigentlich Sache ist. Auch die einzelnen Levels sind langweilig in Szene gesetzt. Lediglich beim umfangreichen Kampfsystem sehe ich so etwas wie Potenzial, das aber von regelrecht unfairen Spielsituationen zunichtegemacht wird, bei denen nicht nur Anfänger zu knabbern haben dürften. Schuld daran sind viel zu viele Gegner, die gleichzeitig bekämpft werden wollen, was in unübersichtlichen Situationen auf dem Schlachtfeld gipfelt. Ebenso ihren Beitrag leisten die hakelige Steuerung und die absolut miese Kameraführung. Wer bislang noch keine Erfahrungen mit der Serie gesammelt hat, sollte schleunigst Abstand von Ninja Gaiden 4 nehmen. Nur beinharte Serienfans dürften diesem höchstens durchschnittlichen Actionfeuerwerk eine Chance geben wollen.

Vielen Dank an Microsoft Xbox für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ninja Gaiden 4!

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