Review: Ninja Gaiden: Master Collection

Zwischen 2004 und 2013 erschienen die drei Spiele der Ninja Gaiden: Master Collection für verschiedene Plattformen in diversen Portierungen und Reinkarnationen. 2021 kramt Publisher Koei Tecmo die drei Titel für PlayStation 4, Xbox One, Switch und PC erneut hervor.

Koei Tecmo vermarktet die Ninja Gaiden: Master Collection weder als Remaster geschweige denn als Remake. Entsprechend handelt es sich bei den vorliegenden Spielen um Portierungen. Diese könnten qualitativ nicht unterschiedlicher sein, was logischerweise an der Entwicklung liegt, die die Spiele in einem Jahrzehnt durchgemacht haben. Mit der Story kann Entwicklerstudio Team Ninja aber auch heute noch punkten – zumindest dann, wenn ihr wie wir auf abgedrehte Geschichten in einem wahnwitzigen Setting steht. Im Mittelpunkt der sehr abstrusen Handlung von Ninja Gaiden Σ, dem ersten Spiel der vorliegenden Trilogie, steht der junge Shinobi Hayabusa Ryū, der für die Ermordung der Miko Kureha Rache schwört und sich daraufhin mit dem Vigoor-Imperium anlegt. Im zweiten Teil, Ninja Gaiden Σ2, geht es hingegen dem fiesen Schwarzspinnenklan an den Kragen, nachdem dieser die Central-Intelligence-Agency-Agentin Sonia zu entführen versucht. Ebenso wird der Kampf gegen den Erzdämonen thematisiert. In Ninja Gaiden 3: Razor’s Edge leidet der titelgebende Ninja hingegen unter einem Fluch, den er sich bei einem Einsatz in London zuzieht. Storytechnisch mischen die Spiele das japanische Mittelalter mit der Moderne. Auch viele Fantasy- und Science-Fiction-Elemente wie Kampfroboter und Dinosaurier haben ihren Weg in die Spiele geschafft. Irre!

Actiongeballtes Abenteuer

Ninja Gaiden Σ funktioniert weitgehend wie ein Action-Adventure. Wir erkunden Orte wie eine Burg, ein Dorf oder eine Stadt und kämpfen aus der Verfolgerperspektive gegen Gegner und vollziehen akrobatische Einlagen. Hin und wieder sammeln wir Schlüssel-Items und setzen diese an vordefinierten Stellen ein, um den Übergang in den nächsten Abschnitt freizulegen. Das ist motivierend und macht Spaß, auch wenn es sich bei den Rätseln wahrlich um keine Kopfnüsse handelt. Da hat selbst Resident Evil die Nase vorn! Ninja Gaiden Σ2 ist im Gegensatz zum Vorgänger wesentlich linearer. Soll heißen, dass die Levels zwar noch weitläufig sind, uns aber deutlich besser in eine bestimmte Richtung schubsen. Kommt es in Ninja Gaiden Σ schon mal vor, dass wir an einer Stelle nicht weiterkommen, können wir im zweiten Teil auf Knopfdruck in jene Richtung schauen und so die Füße in die Hand nehmen. Das erspart sehr viel Frust und führt zu einem noch schnelleren, gar flüssigeren Gameplay. Ninja Gaiden Σ2 wurde zudem von weiterem Ballast wie verbrauchbaren Pfeilen befreit. Jetzt können wir uns nach Herzenslust austoben, ohne uns um Nachschub Sorgen machen zu müssen. Von all dem, was die ersten beiden Teile auszeichnet, bleibt in Ninja Gaiden 3: Razor’s Edge aber nichts übrig. Es entpuppt sich schon fast als eine reine und nicht mal gute Schnetzelorgie.

Tiefgründiges Kampfsystem

Herausstechendes Merkmal der Ninja Gaiden: Master Collection ist das Kampfsystem, das vor allem in Ninja Gaiden Σ2 bestens funktioniert. Unsere Feinde malträtieren wir sowohl mit leichten als auch heftigen Angriffen. Dazu stehen uns je nach Spiel unterschiedliche Waffen wie das obligatorische Drachenschwert zum Schnetzeln, der Mondstab für einen Rundumschlag oder die Falkenklauen zum Zerfleischen zur Verfügung. Beim Hämmern auf die Aktionsknöpfe fühlen wir beim Angriff zwar keine großen Unterschiede, doch inszenatorisch sind die Attacken abwechslungsreich und ein Genuss fürs Auge. Hinzu kommt, dass wir gegnerische Angriffe blocken und im richtigen Moment kontern können. Auch das Ausweichen ist ein essentieller Teil der Spielerfahrung. Selbst im eher stumpfen Ninja Gaiden 3: Razor’s Edge kommen wir nicht ohne Ausweichrollen aus. Schade ist jedoch, dass das Ausweichen nur aus einer Abwehrhaltung möglich ist – und dann funktioniert das auch noch unschön über eine Analog-Stick-Bewegung. Auf Knopfdruck wegzurollen wie in der Nioh Collection, die ebenfalls von Team Ninja stammt, ist leider nicht möglich. Mit der Zeit kommen noch immer mehr Angriffs- und Verteidigungstechniken hinzu, durch die sich die drei Spiele auch nach vielen Stunden immer noch frisch anfühlen. Ja, umfangreich ist die Kollektion in jedem Falle.

Kampf und Krampf

In puncto Schwierigkeitsgrad fallen die drei enthaltenen Spiele der Ninja Gaiden: Master Collection recht unterschiedlich aus. Vor allem der Auftakt und der Abschluss der Trilogie sind in unseren Augen äußerst knackige Spiele. Dies liegt allerdings nicht an zu heftigen Gegnern. Deren Taktik zu durchschauen ist noch relativ einfach; die eigenen Kampfmanöver in die Tat umzusetzen ist es hingegen nicht. Oft machen uns Kameraperspektive und Steuerung hier das Leben schwer. Beispielsweise fehlt es in den Nahkämpfen an einer Lock-on-Funktion, womit es wesentlich angenehmer wäre, sich auf einzelne Feinde zu konzentrieren. Auch dass die oft starre Kamera hier und da die Perspektive von sich aus wechselt, bleibt uns ein Dorn im Auge. Innerhalb der Reihe macht die Technik hier zwar eine Entwicklung durch, doch an deren Stelle treten dann Bosskämpfe, bei denen wir gleichzeitig vier verschiedenen Angriffsarten ausweichen, uns auf die Schwachstellen des Gegners konzentrieren, ständig in Bewegung sein und zugleich auch noch durchweg die Kameraperspektive mitdrehen müssen. Das hat unserer Meinung nach nichts mehr mit anspruchsvollem Gameplay zu tun. Es ist einfach eine Zumutung, ein Spiel, das auch damals schon diese Kritikpunkte aufwies, genauso noch einmal zu veröffentlichen, anstatt ihm wertvolle Quality-of-Life-Funktionen zu verpassen. Tragisch!

Verpasste Chancen der Neuauflage

Unter optischen Gesichtspunkten lassen sich die drei Titel durchaus sehen. Die meisten Texturen sind auf der PlayStation 4 knackscharf. Dennoch schaffen es die drei Spiele nicht, ihre Herkunft von PlayStation 3, Xbox, Xbox 360 und Wii U gänzlich zu verschleiern. Beispielsweise wirkt die Wasseroberfläche in Ninja Gaiden Σ überaus künstlich. Auch die Darstellung von Flammen zeigt das eigentliche Alter des Spiels in grafischer Hinsicht deutlich. Die Zwischensequenzen können diesen Umstand ebenso nicht kaschieren. Besonders schade ist das, da die drei Spiele bereits bei ihrer Erstveröffentlichung diese grafischen Defizite aufwiesen. Über ein wenig mehr Liebe zum Detail hätten wir uns genauso gefreut wie über die Überarbeitung der Bedienmethoden. Hier verschenkt Team Ninja ungeheures Potenzial, denn im Kern handelt es sich bei den drei Spielen um grundsolide Action-Titel, die je nach Spiel und Level jede Menge Spaß machen. Das liegt auch an den fantastischen Melodien, die das adrenalingetränkte Gameplay untermalen. Je nach Situation fühlen wir uns wie in einen Rausch versetzt, bei dem wir den Controller nur schwer zur Seite legen können. Wollen wir uns noch mehr in die Musik und die Artworks der Spiele verlieren, dürfen wir in der Deluxe Edition der Ninja Gaiden: Master Collection durch ein Artbook blättern und den Soundtrack genießen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Von der Ninja-Gaiden-Reihe habe ich bisher nur das Seriendebüt auf dem Nintendo Entertainment System gespielt. Danach habe ich zwar immer ein Auge auf die Serie geworfen, aber nie den Mut aufgebraucht, noch einmal einzusteigen. Dies war ein großer Fehler, wie sich im Nachhinein herausgestellt hat. Die Ninja Gaiden: Master Collection bietet drei ikonische Titel der Reihe, von denen zumindest zwei Drittel überzeugen. Ninja Gaiden Σ funktioniert hierbei noch halbwegs als Action-Adventure, zeigt aber schon sehr gut, wie anspruchsvoll und schwierig die Reihe sein kann. Ninja Gaiden Σ2 ist in meinen Augen ein richtiges Juwel, da in diesem Spiel sowohl die abgedrehte Story deutlich besser zur Geltung kommt, als auch als temporeiche Gameplay wesentlich flüssiger funktioniert. Ninja Gaiden 3: Razor’s Edge ist für mich jedoch klar eine kleine Enttäuschung. Genau die Elemente, die die ersten beiden Teile gerade so gut machen, sprich eine motivierte Erkundung und fantastische Kämpfe, sind in der dritten Episode Mangelware und längst nicht mehr so gut. Trotzdem kann ich jedem empfehlen, der über die technischen Unzulänglichkeiten in puncto Bedienung und Optik in allen drei Spielen hinwegsehen kann, sich die Ninja Gaiden: Master Collection einmal genauer anzusehen. Auch ohne Nostalgiebrille können zumindest zwei der drei Spiele auch Jahre später noch lange unterhalten.

Vielen Dank an Koei Tecmo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ninja Gaiden: Master Collection!

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