Review: Nioh Collection

Im Jahr 2017 erschien mit Nioh einer der größten Konkurrenten zu Dark Souls und Konsorten. Drei Jahre später folgte 2020 mit Nioh 2 der nächsten Serienteil, der aber nicht ganz an die Qualität des Debüts anknüpft. In der Nioh Collection gibt es beide Teile für die PlayStation 5.

Mit der Nioh Collection dürfen sich Fans des japanischen Rollenspielgenres über neues Futter auf der PlayStation 5 freuen. Inhaltlich wurden beiden Spiele von Team Ninja allerdings nicht noch einmal angepackt. Das Hauptaugenmerk der Portierung auf die PlayStation 5 lag in der Entwicklung eindeutig auf den technischen Anpassungen. Das heißt, dass sowohl Gameplay als auch Story mit allen Vor- und Nachteilen unangetastet blieben. Wer von den beiden Nioh-Titeln noch nichts gehört und diese somit auch noch nicht gespielt hat, dem sei gesagt, dass es sich hierbei um zwei recht knackige Rollenspiele handelt. Leben, sterben, wiederholen – so und nicht anders lautet die Devise, auf die wir uns beim Spielen einlassen müssen. Schlimm ist das aber nicht, denn wie schon bei anderen Vertretern des Spielkonzepts zeigt sich in Nioh und Nioh 2 schnell, dass diese Spielmechanik aus verschiedenen Gründen sehr motivierend sein kann. Auf der einen Seite werden wir Stück für Stück vertrauter mit den verschiedensten Waffen wie Katana, Äxten, Speere, Pfeil und Bogen, Luntenschlössern, Kusarigama oder Tonfa und können diese geschickter gegen die Gegner mit ihren vielschichtigen Bewegungsmustern einsetzen. Auf der anderen Seite lernen wir die Spielwelt besser kennen, nehmen verschiedene Wege zum Ziel und treiben die Story nach dem Besiegen der Bossgegner voran.

William und Hide – zwei ungleiche Helden

In beiden Spielen schlüpfen wir in die Haut unterschiedlicher Charaktere. So mimen wir in Nioh den englischen Seefahrer William, der auf der historischen Figur William Adams basiert, der im Jahr 1600 Japan erreichte und dort Einfluss beim Shōgun Tokugawa Ieyasu gewann. Im auf etliche Spielstunden ausgelegten Abenteuer verfolgen wir den – ebenso auf einer historischen Persönlichkeit basierenden – Alchemisten Edward Kelley quer durch Japan. Bei Nioh 2 handelt es sich allerdings nicht um eine Fortsetzung der Handlung, sondern um eine Vorgeschichte. Diesmal übernehmen wir den weniger gut charakterisierten Helden Hide, den wir im Gegensatz zum ersten Serienteil mit Hilfe eines Editors persönlich zusammenschustern dürfen. Zeitlich ist das Spiel im Jahr 1555 und somit mitten in der Sengoku-Zeit angesiedelt. In dieser übersetzt als Zeit der streitenden Reiche bekannten Epoche bekämpfen sich nicht nur die einzelnen Provinzen. Außerdem streifen Yōkai durchs Land, die die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen. Im Grunde reisen wir in beiden Spielen von einem Ort zum anderen, um uns humanoiden Widersachern und gefräßigen Monstern zu entledigen. Bei diesem Unterfangen klappern wir verschiedene Örtlichkeiten wie Dörfer, Höhlen, Friedhöfe, Schreine und Burgen ab. Nioh und Nioh 2 beinhalten fast alles, was das japanische Szenario zu bieten hat.

Knüppelharte, aber spaßige Erfahrungen

Neben der Erkundung der Spielwelt mit ihren verschiedenen in Missionen eingeteilten Abschnitten stehen in der Nioh Collection vor allem die hitzigen und nicht zu unterschätzenden Kämpfe gegen eine Vielzahl an Gegnern im Mittelpunkt. Es ist dabei immens wichtig, die teilweise ganz schön gerissenen Bewegungsmuster der Feinde zu durchschauen und bei einer aufkommenden Lücke in der Verteidigung anzugreifen. Jede Aktion zerrt an unserem Ki respektive unserer Ausdauer, die im richtigen Augenblick auf Knopfdruck wieder aufgefüllt werden kann – aber auch dies müssen wir erst einmal lernen. Während die Lernkurve in Nioh zwar steil, aber durchaus zu bewältigen ist, sieht das in Nioh 2 wiederum ganz anders aus. Hier müssen wir Angriffen nicht nur geschickt ausweichen oder diese kontern, sondern auch noch spezielle Yōkai-Fähigkeiten einsetzen, die insbesondere bei den übermächtigen Bossgegnern zum Tragen kommen. Wer genügend Sitzfleisch und Einarbeitungszeit mitbringt, wird aber auch bei Nioh 2 voll und ganz auf seine Kosten kommen. Frustresistent solltet ihr bei beiden Spielen sein, denn wenn ihr sterbt, verliert ihr euer Amrita. Hierbei handelt es sich um all eure Erfahrungspunkte, die ihr für einen Stufenaufstieg benötigt. Ihr könnt diese dann zwar einmalig wieder einsammeln, doch sterbt ihr vorher erneut, ist auch das Amrita futsch.

Technische Verbesserungen

Visuell wurde die Nioh Collection ein wenig poliert. Insbesondere bei den Effekten und den Texturen ist im Vergleich zu den beiden PlayStation-4-Fassungen ein kleiner, aber feiner Sprung zu bemerken. Dennoch darf nicht erwartet werden, dass Nioh und Nioh 2 so schön aussehen wie das Remake zu Demon’s Souls. Dafür ist die PlayStation-4-Herkunft bei beiden Spielen zu sehr zu spüren. Entscheidender dürfte aber sein, dass Spieler, die über die nötige Hardware verfügen, auch Zugriff auf neue Bildmodi haben, bei denen zum Beispiel die Bildwiederholungsrate auf 120 Bilder pro Sekunde umgestellt werden kann. Auch eine 4K-Auflösung wurde der Collection spendiert. Am positivsten fällt ins Gewicht, dass die Ladezeiten auf ein absolutes Minimum reduziert worden sind. Binnen ein bis zwei Sekunden können wir nach einem Ableben wieder ins Spiel einsteigen – und das passiert in beiden Spielen oft genug. In puncto Steuerung lassen sich beide Titel gut bedienen und auch an ein paar – leider nur rudimentäre – Rumble-Funktionen für den DualSense-Controller haben die Entwickler gedacht. Wer die Spiele bereits für die PlayStation 4 besitzt, darf seine Spielstände auf der PlayStation 5 importieren – und wer gerne online spielen möchte, kann dies kooperativ via Crossplay-Option auch mit Besitzern der älteren Versionen tun. Da in der Nioh Collection auch alle Download-Inhalte integriert sind, bietet diese zwischen einhundert und zweihundert Stunden Spielspaß. Fans von knackigen Rollenspielen der Marke Dark Souls greifen zu!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5- und PlayStation-4-Fassung): Nioh war 2017 meine erste richtige Erfahrung mit Spielen wie Dark Souls, Bloodborne und Co, die das Gameplay in ein japanisches Korsett zwängt. Das funktioniert auch auf der PlayStation 5 immer noch wunderbar – zumindest im ersten Serienteil. Mir gefällt die Story um den Seefahrer William. Zudem laden die einzelnen Spielabschnitte wunderbar zum Erkunden ein und die Kämpfe gegen die verschiedenen Gegner machen jede Menge Spaß. Nioh sollte jeder Fan des Genres zumindest einmal ausprobiert haben! Leider kann ich selbiges nicht über den zweiten Teil aus dem Jahr 2020 behaupten. In puncto Schwierigkeitsgrad legt dieser ein paar Schippen zu viel obendrauf und auch die Steuerung braucht für meinen Geschmack viel zu lange, bis ich sie wirklich beherrsche und mich vor allem gegen die viel zu harten Bossgegner behaupten kann. Dennoch bieten beide Spiele wirklich gelungene technische Verbesserungen. So wirken Texturen und Effekte noch ein wenig schärfer und die verkürzten Ladezeiten tun ihr übriges, damit ich zwischen Leben und Tod nicht zu viel Zeit verliere. Wer Spiele wie das Remake zu Demon’s Souls mag und Nachschaub auf seiner PlayStation 5 braucht, sollte zuschlagen!

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Nioh Collection!

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