Review: Princess Principal (Vol. 2)

Nachdem das Warten auf die Anime-Serie Princess Principal nach qualvollen drei Jahren im deutschsprachigen Raum im Mai 2020 ein Ende hatte, erschien die zweite und letzte Volume nur einen Monat später. Diese führt die Spionage-Geschichte vorerst zu einem runden Ende.

Wie schon das erste Episodenpaket von Princess Principal verfügt auch die zweite Ausgabe der Anime-Serie über sechs Episoden. Diese führen die Geschichte um die Spioninnen Ange, Beatrice, Tōdō Chise, Dorothy und die titelgebende Prinzessin stringent fort. Eine Ausnahme bildet dabei die achte Episode der Serie, die ein wenig in der Zeit zurückspringt. Ein ständiges Hin und Her wie in der ersten Volume gibt es damit nicht. Hinzu kommt, dass die chronologische Reihenfolge der Geschehnisse wesentlich einsteigerfreundlicher ist. Einerseits baut die Serie so peu à peu aufeinander auf, andererseits werden die Zusammenhänge schneller klar. Für die einzelnen Episoden haben sich die beiden Animationsstudios 3Hz und Actas weitgehend Einzelfälle ausgesucht. In der siebten und damit ersten Folge der zweiten Volume erhalten Beatrice und Dorothy beispielsweise den Auftrag, eine Leichenhalle aufzusuchen, um dort einen Code des königlichen Außenministeriums zu beschaffen. Bei diesem Auftrag werden sie mit der Vergangenheit respektive Dorothys Vater konfrontiert. Eine Episode später will sich Chise wiederum mit dem rassistischen Cameron Fain Wallace, der ihre Ehre beleidigt, duellieren. Kurz darauf wird das Geschehen jedoch wieder auf einen echten Fall gelenkt, für dessen Lösung vier der fünf Protagonisten Hand in Hand zusammenarbeiten müssen.

Zwischenmenschliches Missionsdesign

Dennoch bleibt auch in der neunten Folge von Princess Principal, genau wie in jeder anderen Episode, genug Platz für die Charakterentwicklung, die insbesondere durch die zahlreichen Nebenfiguren ausgelöst wird. Dazu zählt zum Beispiel die kleine Julie, die gezwungen wird, als Straßendiebin auf Raubzug zu gehen. Eingepackt sind all diese Aufträge in die Operation Kuckuckskind, die allerdings mehr und mehr dazu führt, eine bestimmte Figur aus dem Weg zu räumen. Mehr soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden, denn die Story der Serie gehört zu den besten, die es in den letzten Jahren im Anime-Bereich zu bestaunen gab. Es ist jedoch schade, dass es noch so viel mehr über die Figuren zu erzählen gäbe, was aber wohl erst in der geplanten sechsteiligen Filmreihe geschehen wird. Bis dahin kann die Serie mit ihren hübsch gestalteten, großartig animierten und vor allem detaillierten Charakteren, die in einer ausgearbeiteten Steampunk-Welt agieren, aber immer wieder aufs Neue überzeugen. Neben der bildschirmfüllenden Optik in Full-HD kann auch die Akustik mit atmosphärischer Musik und stimmungsvollen Synchronstimmen im Deutschen und Japanischen punkten. In puncto Bonusmaterial gibt es neben drei Picture Dramas den 25-minütigen Ange-Report, der die wichtigsten Eckpunkte von Princess Principal noch einmal kompakt zusammenfasst.

Geschmackvolles und umfangreiches Booklet

Während die digitale Seite des Bonusmaterials durchaus verbesserungswürdig ist, gibt es auf der physischen Seite wirklich nichts zu meckern. Der Blu-ray Disc liegt ein Booklet bei, das mit 62 Seiten zu den dicksten Wälzern in dem Bereich zählt. Beim Aufschlagen des Heftleins erhält der Leser zunächst einen Einblick in den Aufbau der einzelnen Folgen. Selten gibt es im Anime-Bereich einen Episodenguide zu bewundern, der so verspielt und wirklich liebevoll aufbereitet ist. Sowohl der Ablauf der jeweiligen Mission mitsamt des Ziels wird genauestens erklärt als auch einzelne Motive wie Pistolen oder Brettspiele erläutert. Daraufhin folgen die so genannten Character Reports zu den Figuren Beatrice und Chise. Ebenfalls Erwähnung finden weitere Charaktere wie der Herzog der Normandie, Gazelle und Zelda. Hinzu kommen Erklärungen zu Handlungsorten, die dafür sorgen, dass der Leser und somit auch der Zuschauer noch tiefer in das Universum von Princess Principal eintauchen kann. Damit nicht genug bietet das Booklet auch noch Platz für eine Übersicht der mechanischen Vehikel und Geräte, die in der Serie auftauchen. All diese Inhalte werden mit Screenshots, Artworks und Skizzen aufgewertet. Mit einer Galerie schließt das Booklet und hinterlässt somit einen sehr wohltuenden Beigeschmack, der das Gesamtbild von Princess Principal gehörig aufwertet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Princess Principal ist eine Anime-Serie, die unglaublich atmosphärisch ist. Das liegt zum einen an der spannenden Handlung, den vielen intelligent gestrickten Charakteren und der ausgearbeiteten Steampunk-Welt. Jede einzelne Folge ist ein wahrer Genuss. Allerdings überzeugt die Anime-Serie nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch. Die Figuren sind äußerst detailliert gestaltet, die Hintergründe und Umgebungen stimmungsvoll und auch die wenigen Spezialeffekte fügen sich hervorragend in dieses Bild ein. Schade ist hierbei nur, dass es nach der zwölften und damit letzten Episode äußerst schmerzvoll ist, die Spioninnen wieder zu verlassen. Zwölf Folgen sind einfach zu wenig, um die Geschichte zu einem vernünftigen Abschluss zu bringen. Dieses Makel werden die anstehenden sechs Filme hoffentlich aus der Welt schaffen. Abseits dessen kann die zweite Volume mit einem wunderschönen Booklet punkten, auch wenn das digitale Bonusmaterial mit drei Picture Dramas und einer Zusammenfassung noch etwas dürftig ausfällt. Dennoch sollte jeder Princess Principal mal eine Chance geben!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Princess Principal (Vol. 2)!

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