Review: Kabaneri of the Iron Fortress: Compilation Movie 1 – Sich versammelndes Licht

Zwischen Dezember 2019 und März 2020 veröffentlichte Kazé Anime die aus zwölf Episoden bestehende Anime-Serie Kabaneri of the Iron Fortress in drei Ausgaben. In leicht geraffter Form reichte der Publisher im Mai 2020 die erste Serienhälfte als Compilation Movie nach.

Europäische Zuschauer, die an das Steampunk-Szenario denken, haben sicherlich zunächst die Vorstellung eines alternativen viktorianischen Zeitalters im Sinn. Dass das düstere Setting aber nicht nur auf London um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert oder gar England im selbigen Zeitraum beschränkt sein muss, zeigt sowohl die Anime-Serie als auch der erste Compilation Movie von Kabane of the Iron Fortress. „Sich versammelndes Licht“ demonstriert dies anhand der an Japan angelehnten Insel Hinomoto. In einer der Meiji-Zeit ähnlichen Epoche erzählt der Film eine Geschichte rund um den Wissenschaftler Ikoma. Dieser lebt mit hunderten anderen Menschen in einer geschlossenen Siedlung, die als Bahnhof fungiert. Auf Hinomoto gibt es mehrere solcher Ortschaften, die über das Schienennetz miteinander verbunden sind. Gesichert sind die Siedlungen mit übergroßen Mauern. Wer hier an Attack on Titan denkt, darf genüsslich schweigen. Ähnlich wie in dieser Anime-Serie, die ebenfalls von Animationsstudio Wit entworfen wurde, gibt es außerhalb der Mauern eine große Bedrohung, vor denen sich die Menschen schützen müssen. Damit sind die untoten Kabane gemeint, die willenlos sind und wie Zombies vor sich hin vegetieren. Endgültig können diese nur getötet werden, wenn ihr von Blei geschütztes Herz durchbohrt wird. Das ist ganz schön düster!

Düsteres und erschreckendes Szenario

Araki Tetsurō, der nicht nur bei der Serie, sondern auch beim Film die Regie führte, verzichtet abermals auf eine große Exposition und diese ist auch im Film nicht nötig. Alle Informationen, die wichtig für den Zuschauer sind, zeigt Arakis Werk genau wie ein Film von Kurosawa Akira sofort oder sie werden zumindest beiläufig erwähnt. So beginnt die Handlung mit einem schlimmen Ereignis, das dem Zuschauer ein gutes Bild von der zugleich faszinierenden als auch erschreckenden Steampunk-Welt vermittelt. Eingepfercht im Bahnhof Aragane leben Ikoma und die anderen Bewohner in ständiger Furcht vor den Kabane, die sie infizieren könnten. An dem Tag, an dem die titelgebende Eiserne Festung, also eine überdimensional proportionierte Dampflokomotive, in Aragane eintreffen soll, brettert diese ungebremst und mit Kabane überlaufen in die Stadt hinein. Es bricht Panik aus, Feuer lodert in allen Gassen und in all den Wirren wird zu allem Übel Held Ikoma während des Versuchs, einen Kabane mit einer neuen Waffen zu töten, von diesem gebissen. Was wie das tragische Ende eines Charakters im Franchise von The Walking Dead klingt, ist in Kabaneri of the Iron Fortress allerdings der Auftakt einer spannenden Story. Ikoma gelingt es, dem Virus zu trotzen und lernt seine Kräfte zu nutzen. Dennoch fürchten sich die Menschen vor ihm, insbesondere die adligen Bushi.

Durchdachte und erwachsene Erzählweise

Neben Ikoma dreht sich der 107-minütige Film auch um die junge Mumei, da sie gegen die Kabane kämpft und den Menschen zur Flucht verhilft. Prinzessin Yomogawa Ayame sieht der Situation hingegen aus einer entfernten Position ins Auge, setzt sich aber auch für Ikoma ein. Wichtiger ist da schon Ikomas bester Freund Takumi, durch den die Story Fahrt aufnimmt. Ohne Zweifel ist die Geschichte von Kabaneri of the Iron Fortress den Köpfen bei Studio Wit absolut geglückt, da sie mit mehreren Höhepunkten gepflastert ist. Da die Episoden der Serie nahtlos aneinander geknüpft sind, funktioniert die Umsetzung als Compilation Movie mit der erwachsenen Erzählweise ebenfalls sehr gut. Unter technischen Gesichtspunkten steht „Sich versammelndes Licht“ der Serie in Nichts nach, da das gleiche Bildmaterial genutzt wurde. So sind die Charaktere detailliert gestaltet und hervorragend animiert. An allen Ecken und Enden ergänzen sich die Gestaltungsmerkmale des Film im bildschirmfüllenden 16:9-Format. Daher sind auch Kleidungsstil der Figuren und die Beleuchtung der einzelnen Szenen zu erwähnen. So ähnelt Arakis Film bildtechnisch fast schon den Werken von Shinkai Makoto, auch wenn qualitativ noch Welten dazwischen liegen. Zusammen mit der stimmungsvollen Musik ergibt Kabaneri of the Iron Fortress ein wahrhaft erinnerungswürdiges Gesamtbild, das nicht nur als Serie, sondern auch als zusammenfassender Film noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Kabaneri of the Iron Fortress gehört auch in Filmform zu den Überraschungen der letzten Jahre. Regisseur Araki Tetsurō gelingt es, Steampunk- und Japan-Setting gekonnt miteinander zu verbinden und eine sehr spannende Geschichte zu erzählen. In dieser bedient sich der Regisseur zwar altbekannter Motive, lässt diese allerdings in einem frischen Szenario aufleben. Zusammen mit den zahlreichen Höhen und Tiefen, die die Charaktere während ihrer Reise durchleben, bleibt es an keiner Stelle langatmig oder gar langweilig. Actionreiche und entspannende Szenen wechseln sich in einem angenehmen Rhythmus ab, sodass die Szenenfolge genügend Abwechslung bietet. Die Umsetzung der ersten Serienhälfte als Film ist Studio Wit auf ganzer Linie geglückt, auch wenn auf Bonusmaterial unverständlicherweise gänzlich verzichtet wurde. Die eigentliche Qualität des Anime-Films wird dadurch aber nicht tangiert, weshalb sich kein Action- und Steampunk-Fan Kabaneri of the Iron Fortress entgehen lassen darf!

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Kabaneri of the Iron Fortress: Compilation Movie 1 – Sich versammelndes Licht!

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