Zwischen 1980 und 1984 hat der 2024 verstorbene Manga-Zeichner Toriyama Akira sein erstes großes Werk verfasst beziehungsweise gezeichnet. Die Rede ist von Dr. Slump, einer Reihe, die im selben Universum wie sein späteres und weltweit bekanntes Werk Dragon Ball spielt. Zu Beginn der 2000er-Jahre wurde der Manga vom hiesigen Carlsen-Verlag vollständig veröffentlicht – noch bevor die zweite Anime-Serie bei uns im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Viele Jahre lang waren die Manga vergriffen, doch im Zuge der angestiegenen Popularität des Künstlers hat sich Carlsen dazu entschieden, Dr. Slump eine Neuauflage zu spendieren. In neun Massivausgaben, die jeweils zwei Bände der ursprünglichen Publikation zusammenfassen, geht es für den Leser nach Pinguinhausen. Hierbei handelt es sich um ein idyllisches Städtchen irgendwo im Nirgendwo, in dem aber ein Großteil der schrulligen Bewohner einen ordentlich an der Klatsche haben. Im Mittelpunkt steht der Wissenschaftler Norimaki Senbē, der schon im ersten Kapitel des Auftakts an einem Robotermädchen werkelt. Dieses tauft er auf den Namen Arare, die fortan bei ihm lebt und seinen Alltag gehörig auf den Kopf stellt. Arare ist nämlich nicht nur gehörig stark, sondern auch neunmalklug und nicht zuletzt naiv, was sowohl sie als auch ihrem Erschaffer in schwierige und brenzlige Situationen bringt.
Lesespaß ohne Verschnaufpause
Dementsprechend erzählt Dr. Slump vor allem kleine und zumeist abgeschlossene Geschichten, die nur bedingt Bezug auf vorherige Kapitel nehmen. Trotzdem gelang es Toriyama, an vielen Stellen Anhaltspunkte zu finden, die immer wieder im Rahmen der einzelnen Erzählstränge an Bedeutung gewinnen. Beispielsweise steht Senbē total auf Arares Lehrerin Yamabuki Midori und nähert sich ihr eher mit perversen Mitteln denn anständigen Gesprächen an. Selbst Nebenfiguren wie Bankräuber haben wiederkehrende Auftritte im Manga. Damit es nicht langweilig in Pinguinhausen wird, erfindet Senbē regelmäßig neue Dinge wie den Time Slipper, mit dem Arare und ihre Freunde beispielsweise durch die Zeit reisen können. Auch die Minimax-Strahlenpistole gilt es zu erwähnen, die in Arares Händen vermutlich falsch aufgehoben ist, da sie total auf Monster der Marke Gojira oder Gamera steht. Daher ist es nachzuvollziehen, dass Dr. Slump ein unfassbar humorvoller Manga ist. Toriyama lässt dem Leser auf kaum einer Seite eine Verschnaufpause. Ein Witz jagt den nächsten. Dies geschieht über eine besondere Wortwahl, markante Mimik und nicht zuletzt nette Gesten wie dem Aufheben und der feierlichen Überreichung eines Scheißhaufens an die Polizei. Wer mit Absurditäten und Albernheiten jedes Kalibers etwas anfangen kann, kommt um Dr. Slump nicht herum!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der ersten Auflage): Das erste Mal aufmerksam wurde ich auf Dr. Slump in der Anime-Serie Dragon Ball, spielt ein kurzes Intermezzo dort doch in Pinguinhausen. Auch die zweite Anime-Serie von Dr. Slump, die erste lief bei uns erst gar nicht, habe ich täglich mit großer Vorfreude verfolgt. Den Manga habe ich damals, wie ich zu meinem Leidwesen gestehen muss, jedoch verpasst. Ein Glück, dass Carlsen Manga mit der massiven Neuauflage der kultigen Marke eine neue Chance gibt. Erzähltechnisch ist das Werk von Toriyama Akira einfach gestrickt. Im Grunde erleben Robotermädchen Arare und ihre Freunde Kapitel für Kapitel neue Abenteuer, die aber derart witzig ausfallen, dass mir diese Auftrennung der Erzählstränge gar nicht negativ in den Sinn kommt. Außerdem nutzt das Werk hier und da bereits Erlebtes als Aufhänger, um dann und wann leicht daran anzuknüpfen. Eine ausgeklügelte Story ersetzt dies aber natürlich nicht. Das muss es auch nicht, denn gerade der überdrehte Humor der frühen 1980er-Jahre kann in Dr. Slump richtig glänzen. Wer es lustig und das in einer hohen Gagdichte mag, muss den Manga unbedingt einmal gelesen haben!
Vielen Dank an Carlsen Manga für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dr. Slump [Massiv] (Band 1)!