Review: Godzilla – Das Original

Godzilla - Das Original (1)Im Jahr 1954 legt Regisseur Ishirō Honda mit dem Filmklassiker Godzilla – Das Original den Grundstein für den bis heute anhaltenden Kult um die gleichnamige Riesenechse. Auslöser des Filmdrehs ist das Schiffsunglück der Daigo Fukuryū Maru am ersten März 1954.

Godzilla - Das Original (2)An diesem Tag zünden die Vereinigten Staaten von Amerika eine Atombombe im Pazifik, die besagtes Fischerboot radioaktiv kontaminiert. Dies führt dazu, dass die Schiffsbesatzung an der Strahlenkrankheit leidet und einzelne Mannschaftsmitglieder den Tod finden. Politisch ist dieser Vorfall ein Desaster, da sich beide Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg annähern. So nutzt Honda den Vorfall, um die beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki in den letzten Tagen des Kriegs zu verarbeiten. Godzilla beziehungsweise Gojira ist geboren, um Atomkraft als negative Kraft darzustellen; vor den Gefahren dieser Energie zu mahnen. Dabei nutzt Honda zunächst die Kulisse einer Insel vor Japan. Vor der Küste werden mehrere Boote von einer unbekannten Kraft zerstört. Überlebende gibt es kaum und wenn es sie gibt, sind sie nicht in der Lage, über die mysteriösen Geschehnisse zu sprechen. Auf der Insel Oda berichtet ein alter Mann den restlichen Dorfmitgliedern, dass hinter den Vorfällen das Monster Gojira steckt. Eines Nacht prasselt Regen nieder und es stürmt über die Insel. Der Schrecken steht im Gesicht eines jungen Dorfbewohners, denn dieser muss mit ansehen, wie Gojira auf die Insel kommt. Dr. Yamane reist mit weiteren Wissenschaftlern auf die Insel, um die Vorfälle dieser Nacht zu untersuchen. Dabei gelingt es ihm ein Foto von Gojira zu knipsen.

Verantwortung in Menschenhand

Godzilla - Das Original (3)Die Geschichte des Films dreht sich jedoch nicht hauptsächlich um Dr. Yamane, denn dessen Tochter Emiko ist mit Dr. Serizawa liiert. Sie empfindet für ihn jedoch nur brüderliche Liebe und ihr Herz gehört Hideto Ogata, doch ihr Vater stellt sich gegen sie. Der Film handelt somit nicht nur von der Jagd auf das uralte Monster, sondern dreht sich auch um die Figuren selbst. Liebe ist dabei nur ein kleiner Faktor, der mit in die Geschichte des Films einfließt. Wichtiger ist die Verantwortung, die in den Händen von Dr. Serizawa liegt. Diesem gelingt es nämlich, während seiner Forschungsarbeit ein Mittel gegen sämtliche Lebensformen zu entwickeln. Er ist sich jedoch bewusst, dass der Oxygen-Zerstörer niemals in die Hände einer Regierung oder einer Einzelperson fallen darf, welche die wohl gefährlichste Waffe der Menschheit für böse Zwecke missbrauchen könnte. Der Film trifft eindeutig die Aussage, dass derlei Kräfte nicht in Menschenhand gehören und kritisiert somit bereits den Ausgangspunkt des Films. Durch die Atomwaffentests der Vereinigten Staaten habe Gojira erst den Meeresboden verlassen, um sich ein neues Zuhause zu suchen. Seine Reise führt ihn dabei von der Insel Oda zum größten Ballungsraum der Welt. Tōkyō-Yokohama beginnt damit, sich auf einen Angriff von Gojira mit einem riesigen Netz aus Stromleitungen und einem militärischen Aufgebot zu wappnen.

Ein Monster wird sechzig Jahre alt

Godzilla - Das Original (4)Bei einer auf geschätzt fünfzig Meter großen Kreatur geht dieser Plan natürlich jedoch nicht auf. Gojira gelingt es, die Innenstadt von Tōkyō zu betreten und einzelne Stadtteile in Schutt und Asche zu legen. Heutzutage mag man die Effekte vielleicht amüsant finden, doch im Jahr 1954 beeindruckt Tricktechniker Eiji Tsuburaya mit kleinen Städten, Modelleisenbahnen und einem Gojira, der mit dem Speien von Energiestrahlen Autos zerstört, mit seinem Schwanz in den Städten ganze Gebäude niederreißt und Eisenbahnwagons in seinem Maul zerquetscht. In unseren Ohren erklingt dabei immer der typische Schrei des Monsters, der durch verfremdete Cello-Klänge erzeugt wird. Für Godzilla-Fans sicherlich eine wahre Freude, doch die Technik in puncto Bild und Ton hat sich in der Blu-ray-Fassung nur wenig verbessert. Da der Film im November 2014 seinen sechzigsten Geburtstag feiert, wäre eine Überarbeitung des Materials sicherlich ein nettes Geburtstagsgeschenk gewesen. Das schwarzweiße 4:3-Bild und der Ton in DTS-HD 1.0 rufen in uns stattdessen nostalgische Gefühle hervor. Bonusmaterial finden wir auf der Disc nur in Form von Trailern zu diversen Godzilla-Filmen vor, die bei Splendid Film erscheinen. Godzilla – Das Original, welcher an Eugène Louriés Panik in New York von 1953 angelehnt ist, sollte sich kein Filmliebhaber entgehen lassen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Während Godzilla (2014) im Kino erneut auf den Leinwänden zu sehen ist, erscheinen bei Publisher Splendid Film die Godzilla-Filme der Shōwa- und Heisei-Zeit vom japanischen Studio Tōhō. Godzilla – Das Original aus dem Jahr 1954 markiert dabei den Anfang einer Kinolegende. Kritisch werden Ereignisse aus den Jahren 1945 und 1954 thematisiert und sachlich verarbeitet. Um die Gefahren von Atomkraft zu verdeutlichen, entwickelt man das Monster Gojira, welches mühelos Tōkyō zerstören kann. Drumherum existieren glaubhafte Charaktere, die nicht nur Verantwortung tragen müssen, sondern auch lernen, damit umzugehen. Der Film stellt sich die Frage, ob man ein Problem (Gojira) mit einem anderen Problem (der Oxygen-Zerstörer) bekämpfen kann und welche Auswirkungen die Verwendung einer solchen Waffe überhaupt erst haben kann. Auswirkungen, die sich der ehemalige Kriegsgegner nicht dringend genug gestellt hat. Godzilla – Das Original ist nicht nur ein Stück Filmgeschichte, sondern ein historisches Kulturgut.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Godzilla – Das Original!

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