Review: Mafia: The Old Country

Tatsächlich hat die Mafia-Reihe seit ihrem Debüt im Jahr 2002 die Vereinigten Staaten von Amerika als Handlungsort nicht verlassen. Mit Mafia: The Old Country macht die Serie nicht nur einen Sprung nach Sizilien, sondern geht zeitlich gar noch ein Vierteljahrhundert zurück.

In den 1900er-Jahren konnte die Cosa Nostra auf Sizilien noch weitgehend unbehelligt von der Polizei ihren illegalen Geschäften nachgehen. Darunter leidet auch Protagonist Enzo Favara, der in jungen Jahren an Don Ruggero Spadaro verkauft wurde, um in dessen Mine zu schuften. Eines Tages gelingt ihm die Flucht, die ihn jedoch direkt in die Hände von Spadaros Konkurrenten Don Bernardo Torrisi treibt. Unter dessen Fittiche genommen, gelingt es Enzo, sich in der „ehrenwerten“ Gesellschaft einen Namen zu machen. Immer mehr treibt es ihn in den Sündenpfuhl der Mafia. Trotz allem lässt sich Enzo nicht blenden und reflektiert mit der Zeit seine Taten immer mehr, zumal er sich in eine Frau verliebt, die ihn zunehmend in Gefahr bringt. Die Geschichte von Mafia: The Old Country ist stark erzählt, denn obwohl die meisten Charaktere in ähnlicher Weise bereits in den Vorgängern auftreten oder klar von bestimmten Ganoven aus Mobsterfilmen wie Der Pate inspiriert sind, können sie mit einer gewissen Tiefe aufwarten. Natürlich führt dieser Umstand dazu, dass Storywendungen zu einem guten Teil vorhersehbar sind, diese aber selbst mitzuerleben, lässt uns das eine oder andere Mal schlucken. Teils romantisiert, teils desillusioniert und nicht zuletzt dramaturgisch inszeniert kann die Handlung des circa fünfzehnstündigen Actiontitels von der ersten bis zur letzten Minute überzeugen. Es ist ein zum Spiel gewordener Mobsterfilm, der es echt in sich hat.

Epische Story, veraltetes Gameplay

An der Spielzeit ist auch sehr gut zu erkennen, dass Entwicklerstudio Hangar 13 nicht denselben Fehler macht, den es seinerzeit bei Mafia III verbrochen hat. Obwohl der Titel auf eine offene Spielwelt setzt, ist diese wie schon im ersten und zweiten Serienteil mehr eine Kulisse als tatsächlicher Ort zum Erkunden. In vierzehn aufeinanderfolgenden Kapiteln gibt es kaum eine Verschnaufpause. Ein Ereignis folgt auf das nächste, sodass wir ständig ein klares Ziel vor Augen haben. Nebenmissionen wie in Grand Theft Auto und Co gibt es nicht. Dies ist in unseren Augen auch die richtige Entscheidung, denn sonst hätte Mafia: The Old Country kaum das epische Ausmaß in puncto Storytelling erreicht, wie wir es im fertigen Produkt erleben. Trotz allem kann der Einstieg durchaus zäh sein, denn trotz actionreicher Momente verläuft die Geschichte in den ersten Spielstunden eher ruhig. Die ersten Kapitel dienen gar als Tutorial, in dem wir uns die wichtigsten Kniffe aneignen: Schleichen, Gegner hinterrücks abstechen oder erwürgen, Geldkassetten knacken, auf Pferden reiten, hinter dem Steuer von Karosserien Platz nehmen und schließlich den Abzug von Pistolen und Gewehren betätigen. Während es zunächst nur bedingt zu Schusswechseln kommen kann, artet dies gerade zum Ende hin in regelrechten Schießereien aus. Auch das macht jede Menge Spaß, doch scheint das Gameplay diesbezüglich wohl in den späten 2000er-Jahren hängen geblieben zu sein.

Atmosphärisches Gesamtwerk

Schlimm ist das aber nicht zwangsläufig, denn diese unkomplizierte Art von Spiel ist in Anbetracht etlicher aufgeblähter Spiele der letzten Jahre erfrischend. Dies ist auch an der einfachen Steuerung zu merken, denn Mafia: The Old Country spielt sich sowohl mit dem Controller als auch mit Maus und Tastatur gut. Hinzu kommt die dichte Atmosphäre. So gefallen uns Architektur, Landschaft und Kostümdesign. Auch die Automobile passen gut in die Zeit, obwohl uns die Geschwindigkeit der einfachen Modelle gefühlt zu hoch erscheint und so ein wenig an der Authentizität kratzt. Trotz allem sieht der Titel in grafischer Hinsicht fantastisch aus. Auf unserem Testrechner (Intel i5 13600K, GeForce RTX 4070, 32 GB DDR5 RAM) läuft das Spiel in der Full-HD-Auflösung bei hohen Grafikeinstellungen durchweg flüssig. Rein theoretisch müsste die Konfiguration auch mit „epischen“ Eintellungen laufen, doch trotz gegenteiliger Angaben vom Spiel läuft der Grafikspeicher irgendwann voll, was unweigerlich zu Spielabstürzen führt. Letzteres ist deshalb ärgerlich, da es keine manuelle Speicherfunktion gibt. Der Unterschied zwischen hohen und epischen Grafikeintellungen ist aber marginal und fällt nicht sonderlich ins Gewicht. Dafür entschädigt der fantastische Soundtrack, der die Tragik der Handlung passend unterstreicht. Wer nach dem Ende der Story immer noch nicht genug von Mafia: The Old Country hat, kann sich in der Autopedia ein freigeschaltetes Fahrzeug schnappen und in der Spielwelt verpasste Sammelgegenstände nachholen. Nett!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Seit dem ersten Serienteil bin ich ein großer Fan der Mafia-Reihe – mit Ausnahme der dritten Episode, die nicht wirklich zum Franchise passen will. Mafia: The Old Country nutzt zum Glück die Stärken der ersten beiden Teile und konzentriert sich daher voll und ganz auf die Story. Diese ist dicht erzählt, mit tollen Charakteren vollgestopft und trotz vorhersehbarer Wendungen mitreißend. Ich fiebere vierzehn Kapitel mit, wie sich Enzo aus all dem Schlamassel wohl befreien will. Leider kann ich über das Gameplay nicht dasselbe sagen, denn dieses ist der typische Genrestandard, den Fans von Actionspielen seit den späten 2000er-Jahren kennen. In meinen Augen ist das nicht schlimm, da die Story dieses Defizit locker ausgleicht. Dennoch könnten sich verwöhnte Spieler genauso an diesem Umstand stören wie an der offenen Spielwelt, die zumindest während der Story nur bedingt frei befahrbar ist. Mafia: The Old Country ist ein lineares Spiel, das kaum Zeit zum Verschnaufen lässt. Ich mag es, dass es keinen Leerlauf gibt. So fühle ich mich, als ob ich ein zum Spiel gewordenen Mobsterfilm nacherleben kann. Daher kann ich das Spiel unter Beachtung der erwähnten Einschränkungen bedenkenlos empfehlen.

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