Review: Mafia III

mafia-iii-1Vor über einem Jahrzehnt erzählte der erste Mafia-Teil eine packende Geschichte. Der zweite Serienableger von 2010 scheiterte durch eine magere zweite Spielhälfte daran und die dritte Episode weiß oft nicht so recht, in welcher Form sie die Handlung überhaupt erzählen will.

mafia-iii-2Angesiedelt ist Mafia III im Jahr 1968. Wir schlüpfen in die Haut von Lincoln Clay, der gerade aus dem Vietnamkrieg zurück nach Hause in seine Heimatstadt New Bordeaux kommt. In der Südstaatenstadt, die am realen Vorbild New Orleans angelehnt ist, wollen wir eigentlich gar nicht so viel Zeit verbringen. Es zieht uns nach Kalifornien, doch da unser altes Viertel oder viel mehr unser Onkel Sammy Robinson Probleme mit dem hiesigen Chef der Mafia hat, wollen wir zunächst die Wogen glätten und alles für unsere Familie ins Reine bringen. Kaum haben wir uns mit dem Oberhaupt der Marcano-Familie unterhalten, schlittern wir auch schon in unseren ersten Job. Wir überfallen eine Bank, entkommen nach einem Schusswechsel den Ordnungshütern und freuen uns über zahlreiche Millionen US-Dollar. Lange dürfen wir uns an dem Geld aber nicht ergötzen, denn sprichwörtlich kommt es erstens anders und zweitens als man denkt. Nur knapp überleben wir einen Vorfall, bei dem unser Onkel und dessen Sohn Ellis sterben. Einige Zeit später wachen wir bei Priester und Ziehvater James und unserem früheren Kriegskameraden John Donovan, der inzwischen für das Federal Bureau of Investigation arbeitet, auf. Während Vater James alles andere als begeistert von unseren Racheplänen ist, hilft uns unser treuer Freund, Sal Marcano und seine Organisation zu Fall zu bringen.

Stärken und Schwächen der Handlung

mafia-iii-3In den ersten zwei bis drei Spielstunden setzt sich Mafia III wie ein Mosaik zusammen. Wir erfahren bruchstückhaft und im Dokumentarcharakter Hintergründe über Clay und wie der Bankraub abgelaufen ist. Im restlichen Spielverlauf trennt sich diese Erzählweise vom Spiel und erzählt dann entweder in Zwischensequenzen gegenwärtige Ereignisse oder nutzt Rückblenden, um von einer Szene zur nächsten zu springen, um so Logiklücken zu vermeiden. Größtenteils gelingt den Entwicklern die Erzählung; problematisch sind in diesem Zusammenhang auch nur zwei Punkte. Auf der einen Seite ist Clays Rachefeldzug zwar nachvollziehbar, doch seine Motivation, die Geschäfte in der Stadt zu übernehmen und Marcanos Stelle einzunehmen, wird nicht wirklich erklärt. Am Ende des Spiels lässt sich hier sogar eine folgenschwere Entscheidung treffen, die dann mehr uns, als Clay die Wahl lässt. Auf der anderen Seite kann sich die Geschichte streckenweise einfach nicht entwickeln, da wir immer wieder dazu gezwungen werden, in den verschiedenen Bezirken von New Bordeaux die Geschäfte zu übernehmen, indem wir Informationen aus Kleinganoven herauspressen, ganze Lagerhäuser verwüsten oder Funktionäre in der Organisation umbringen. Natürlich macht das im Rahmen der Handlung Sinn, wird jedoch einfach zu repetitiv und austauschbar eingesetzt.

Einer für alle, alle für keinen

mafia-iii-4Während wir in Mafia und Mafia II in der Regel für jemanden arbeiteten, dreht der dritte Teil den Spieß um. Jetzt lassen wir verschiedene Figuren mit ihren Handlangern für uns schwitzen – dachten wir uns zumindest vor den dutzenden Spielstunden, die wir mit Mafia III verbracht haben. Die Wahrheit ist nämlich, dass alle drei Mitverschwörer, mit denen wir die Stadt aufräumen wollen, sich gegenseitig einen Zickenkrieg liefern. Da das organisierte Verbrechen in New Bordeaux nicht von einer Person alleine gehandhabt werden kann, müssen wir die Geschäfte nach unserer – nicht gewaltfreien – Übernahme entweder an Cassandra, an Thomas Burke oder Vito Scarletta verteilen. Jeder möchte in der Stadt schließlich ein Stück vom Kuchen abbekommen und so müssen wir darauf achten, dass wir die Geschäfte geschickt und die Bezirke später noch gewiefter verteilen. Es ist nämlich nicht gerade die feine englische Art, die Geschäfte erst an Cassandra und Burke zu verteilen, nur um den Bezirk später Vito zu überschreiben. Wer hier zu hoch pokert, wird erst die Loyalitätsboni wie verbesserte Gesundheit oder größere Magazingrößen, und dann sogar den Freund verlieren. In unserem Test haben wir beispielsweise Burke zu wenige Gebiete zugeteilt, sodass dieser nicht mehr mit uns arbeiten wollte und wir ihn schließlich – zur Sicherstellung des Geschäfts – töten mussten.

Es ist nichts Persönliches, es geht nur ums Geschäft

mafia-iii-5Da der Titel nur über einen Spielstand verfügt, der zudem genau bei solchen entscheidenden Faktoren automatisch gespeichert wird, wird das für den einen oder anderen Spieler sicherlich mehr als ärgerlich sein. Eine Aktion ungeschehen zu machen bedeutet, noch einmal von Vorne zu beginnen. Immerhin wird man so dahingehend erzogen, Verantwortung für seine Taten zu übernehmen und mit den Konsequenzen wohl oder übel zu leben. Neben zahlreichen und abwechslungsreichen Boni bekommen wir durch diese Charaktere auch Zugriff auf diverse Nebenbeschäftigungen. Der Schmuggel von Rauschgift ist dabei genauso vertreten wie das Ausschalten feindlicher Krimineller. Allerdings wirken auch diese Aufträge sehr austauschbar, da sie immer nach demselben Schema ablaufen. Immerhin erfahren wir auf diesem ungalanten Weg, was aus Scarlettas Freund Joe Barbaro geworden ist. Hier fehlt es uns an allen Ecken und Enden an Interaktionsmöglichkeiten. Wunderbar hätten wir mit den Charakteren doch auch in der Stadt in Restaurants dinieren oder verschiedene Sportarten ausprobieren können. Leider nutzen die Entwickler hier bei Weitem nicht das Potenzial aus, denn auch in der offenen Spielwelt gibt es neben dem Einsammeln von Playboy-Heften, Propaganda-Postern und Konsorten nichts zu tun. Aus den Fehlern von Mafia II wollte man hier einfach nicht lernen.

Mobster am laufenden Band

mafia-iii-6Selbst im Kern ist Mafia III leider keine runde Nummer geworden. Das Konzept des Spiels ähnelt nun wesentlich stärker der Grand-Theft-Auto-Reihe und mit der ehrenwerten Gesellschaft hat das nur noch sehr wenig zu tun. Wir stehlen uns ein Auto von der Straße, fahren zum Zielpunkt, schießen alle Mobster über den Haufen, sammeln Geldbündel ein und lassen unserer kriminellen Ader allen Lauf der Welt. Das wiederholt sich so lange, bis wir den gegnerischen Geschäften so viel Schaden zugefügt haben, dass wir den Laden übernehmen können. Allerdings sind die Gegner nicht besonders klug. Wir können uns hinter einer Mauer oder hinter einer Kiste verschanzen, mit einem Pfiff einen Feind herbeilocken und so von der Truppe sondieren und ihn dann mit unserem Messer einen tödlichen Stich verpassen. Da wir auf diesem Weg immer nur einen Gegner anlocken können, haben wir alle Zeit der Welt und können so die Konkurrenten peu á peu dezimieren. Fallen wir doch mal auf, hilft nur noch ein Griff zur Schusswaffe. Da die Feinde jedoch wie Schießbudenfiguren auf uns zugelaufen kommen beziehungsweise hinter diversen Ecken ausharren, wo wir sie ebenfalls gut erledigen können, ist das für uns ein Kinderspiel. Während die Stealth-Elemente viel zu mächtig ausfallen, fällt die sehr schwache künstliche Intelligenz besonders bei Schusswechseln ins Gewicht.

Gesellschaftskritische Äußerungen

mafia-iii-7Nur selten verlangt Mafia III unser Können ab. Schließlich ordert das Wachpersonal, wenn wir es nicht rechtzeitig ausschalten, per Telefon Hilfe – das können wir übrigens auch, denn per Funkgerät können wir ein Einsatzkommando bestellen. Während die mageren Gefechte an Eintönigkeit leiden, gilt dies keinesfalls für deren Schauplätze. Unter anderem schleichen wir uns durch einen Vergnügenspark, ballern uns durch ein Apartment, jagen eine Mülldeponie in die Luft oder befreien in Hinterhöfen gefesselte Afroamerikaner, die von der Southern Union (vergleichbar mit dem Ku-Klux-Klan) als Sklaven gehalten oder hingerichtet werden. Mafia III macht in diesen Punkten keine Kompromisse. Den Entwicklern war es spürbar wichtig, die Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten der 1960er mit all ihrer Grausamkeit auf der Gegenseite möglichst glaubhaft in Videospielform zu präsentieren. Besonders in Erinnerung bleibt uns hier eine Versammlung der Southern Union, bei der schon fast zu einem Genozid aufgerufen wird. Kritischer geht es selbst in den zahlreichen und vor allem vielschichtigen Dialogen, in denen rassistische Äußerungen seitens der Charaktere getätigt werden, kaum. Die Hautfarbe des Protagonisten bleibt nicht nur einmal Thema der Unterhaltungen. Selbst in Radiosendungen wird einprägsam gepredigt, welchen Stellenwert Hautfarben letztlich haben.

Solide Technik, toller Soundtrack

mafia-iii-8Abseits der inhaltlichen Tiefe kann uns auch New Bordeaux überzeugen. Obwohl es nur sehr wenige unterschiedliche Aufgaben zu tun gibt, mögen wir die Stadt mit ihren verschiedenen Stadtteilen sehr. Unterschiedliche Architekturen zeugen von Ungleichheit in der Bevölkerung und sogar die Bewohner und Ladeneigentümer reagieren verschieden auf unser Auftreten. Selbst die Polizei betrachtet uns als Afroamerikaner gleich als Kriminellen. Wirklich glaubhaft ist ihr Auftreten aber nicht, da sie selbst bei einem Einbruch gleich das Feuer eröffnet und im Gegenzug sämtliche Verkehrsregeln, mit Ausnahme von Kollisionen, toleriert. Warum all diese kleinen Macken bei der Qualitätssicherung nicht aufgefallen sein wollen, ist uns ebenso ein Rätsel wie die geradeso noch solide Technik. Auf unserem PC ist das Spiel regelmäßig abgestürzt und lief selbst bei verringerten Details und gar niedrigeren Auflösungen mit einem Rechner, der die empfohlenen Systemvoraussetzungen fast erfüllt, selten flüssig. Die Updates, die über Steam am Veröffentlichungswochenende nachgeschoben wurden, haben die Performance nur bedingt verbessert. Nach einiger Zeit hat man sich aufgrund des tollen Soundtracks aber daran gewöhnt, denn mit Songs von Steppenwolf, The Rolling Stones und The Beach Boys taucht man sehr gerne 25 bis vierzig Spielstunden in die virtuellen Sechzigerjahre ab.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Ich habe mich im Vorfeld sehr auf Mafia III gefreut und wurde am Ende leider „nur“ zufriedengestellt. Der erste Teil der Mafia-Reihe wird heute als Klassiker und Meisterwerk verehrt, kratzte damals aber schon am Fehlen einer funktionierenden offenen Welt. Ähnlich war es in Mafia II und meine Hoffnungen, dass die Entwickler es mit dem dritten Teil endlich richtig machen, waren entsprechend sehr hoch. Die Welt ist zwar wieder einmal stimmig geworden, ist aber leider nur mit Sammelobjekten gefüllt, die zum Erkunden einladen. Immerhin kann ich neben den Story-Aufträgen auch kleinere Aufgaben von meinen drei Mitverschwörern erledigen; am Ende fehlt mir hier tatsächlich aber die soziale Komponente, die mir sagt, weshalb ich mich gerade so besonders um die Figuren kümmern möchte. Selbst das zentrale Gameplay ist ein klarer Rückschritt seit dem zweiten Teil. Die Mobster sind allesamt Schießbudenfiguren und zu leicht zu überwältigen. Zudem nervt es mich, immer und immer wieder auf ein- und dieselbe Weise die Geschäfte der Stadt zu übernehmen. Das einzig Interessante daran ist die Verteilung an meine Freunde, die sich dann einen regelrechten Zickenkrieg liefern, sich so auch schnell zu Feinden entwickeln können und dann prompt von mir aus dem Weg geräumt werden müssen. Neben dieser wirklich guten und konsequenten Spielmechanik, hätte man aber wesentlich besseren Feinschliff walten sollen. Meiner Meinung nach hätte man dem Spiel an einigen wichtigen Stellen noch ein paar Monate Entwicklungszeit gönnen sollen. So hat sich Mafia III zwar zu keinem umwerfenden Spiel gemausert, aber immerhin noch zu einem zufriedenstellenden Titel entwickelt, mit dem man ein paar dutzende Stunden trotz klarer Defizite seine Freude haben kann.

Vielen Dank an 2K Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mafia III!

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