Review: Dreamed Away

Videospiele prägen nicht nur Spieler, sondern vor allem Entwickler nachhaltig. Inspiriert von Rollenspielklassikern wie EarthBound, dem einfallsreichen Kampfsystem von Undertale und nicht zuletzt einer Handvoll an Horror-Elementen entstand das Rollenspiel Dreamed Away.

Sobald wir abends die Augen schließen, verschwinden wir ins Land der Träume. Einem Ort, der sich wie die Realität anfühlt, aber lediglich eine von unseren Gedanken verarbeitete Kette von Bildern und Erlebnissen ist. Sie können zwar eine viel zu schöne Erfahrung sein, doch ist es ebenso möglich, seltsame oder sogar schreckliche Dinge in Form von Alpträumen zu erleben. So etwa muss sich das Erlebnis für den kleinen Théo anfühlen, den Protagonisten von Dreamed Away, der sich von einer auf die andere Sekunde in einer traumatisch wirkenden Welt wiederfindet. Es stellt sich nicht die Frage, ob er träumt oder wach ist – es gilt zu überleben. Isoliert von seiner Familie begibt er sich auf die Suche nach dieser, allen voran seiner Schwester Louise. Je weiter die Suche voranschreitet, desto absurder und merkwürdiger verstrickt sich die Geschichte um Théo. So treffen wir in seiner Haut auf einen Erzähler, der womöglich über sein Leben berichtet. Dann gibt es einen Kapitän, der aus einer Hafenstadt entkommen will, aber ähnlich wie in der Fernsehserie From immer wieder am Ausgangspunkt angelangt. Hinzu kommen allerlei schrullige Bewohner, die Théo wohlgesonnen sind oder mit ihm allerhand Schabernack treiben. Auch mit Ankoù, dem personifizierten Tod nach bretonischer Überlieferung, machen wir im circa zehnstündigen Dreamed Away Bekanntschaft.

Gute Reflexe fürs Kampfsystem

Im Rahmen des Gameplays fühlt sich der Titel in erster Linie wie ein Rollenspiel an. In konsekutiv aufeinanderfolgenden Spielabschnitten, in die wir nur bedingt zu einem späteren Zeitpunkt zurückkehren können, nehmen wir Aufträge von Nicht-Spieler-Charakteren an, verprassen unser Geld bei Bäckern sowie an Automaten und bauen Théo als den einzig spielbaren Helden aus. Um an Geld zu kommen, müssen wir jedoch zahlreiche Gegner besiegen. Bei diesen handelt es sich um allerhand Ungetüme wie Fledermäuse oder Riesenspinnen, aber auch Skelette und Geister, sprich all die Dinge, die sich ein kleiner Junge erdenken kann. So steigen wir in Dreamed Away nach und nach im Level auf, werden stärker und haben dann bessere Chancen in späteren Kämpfen. Es sei jedoch gesagt, dass die Anzahl der Kämpfe überschaubar ist. Orte, an denen wir Théo aufleveln können, sind rar gesät. Gerade in den späteren Spielstunden geht das Spiel eher dazu über, uns vor kleinere Rätsel oder Botengänge zu stellen. Nichtsdestotrotz ist das von Undertale inspirierte Kampfsystem spaßig, da wir ständig unser Reaktionsvermögen unter Beweis stellen müssen, indem wir für einen Angriff punktgenau treffen sollten und gegnerischen Attacken ausweichen. Spezialfähigkeiten bergen oft ein Risiko, bringen aber Schwung in die Kämpfe. Auf lange Sicht mangelt es hierbei an Vielfalt.

Charismatischer Retro-Look

Optisch versprüht der Titel einen Charme, den wir in ähnlicher Form eigentlich nur aus dem im Jahr 1994 veröffentlichten Super-Nintendo-Rollenspiel EarthBound kennen. Große Köpfe, kleine Körper und kunterbunte Umgebungsgrafiken sprechen für das Grafikdesign von Dreamed Away. Zu beanstanden haben wir nur, dass das Spiel in der PC-Version selbst auf unserem Testrechner (Intel i5 13600K, GeForce RTX 4070, 32 GB DDR5 RAM) bei der Erkundung der Spielwelt nicht ganz flüssig läuft, obwohl die Systemvoraussetzungen auf Jahrzehnte alten Rechner zurückblicken lassen. So bekommen wir es mit einem leichten, aber spürbaren Dauerruckeln zu tun. Während der Kämpfe, in denen es auf gute Reaktionen ankommt, ist vom Rucklern aber nichts zu sehen. Hier fällt lediglich eine kurze Latenzzeit bei der Eingabe über den Controller auf. Trotz genutztem Controller mit Super-Nintendo-Button-Layout verwechselt das Spiel darüber hinaus A- und B-Taste, woran wir uns aber schnell gewöhnen. Über alle Zweifel erhaben ist der Soundtrack, der aus wenigen, aber eindringlichen Stücken besteht. Der melancholische Unterton des Spiels ist somit jederzeit spürbar. Zu guter Letzt fallen die hervorragenden deutschen Bildschirmtexte positiv auf, bei denen anzumerken ist, wie viel Liebe in Dreamed Away geflossen ist – ein Umstand, von dem sich große Entwicklerstudios in Zeiten von künstlicher Intelligenz durchaus eine Scheibe abschneiden können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Sobald ein Spiel auch nur im Entferntesten an den Super-Nintendo-Klassiker EarthBound erinnert, muss ich unbedingt einen Blick riskieren. Bei Dreamed Away ging das soweit, dass ich den Titel in Windeseile durchspielen musste. Die Geschichte um Théo auf der Suche nach seiner Schwester Louise mag zwar nicht jeden hinterm Ofen hervorlocken, aber die Art und Weise, wie sich die Handlung und die mit ihr in Verbindung stehende Spielwelt entfaltet, ist ganz großes Kino inklusive mehrere Enden. Auch das Kampfsystem ist spaßig gestaltet, zumal es auf gute Reaktionen ankommt. Somit bleiben die Kämpfe damit fast bis zum Abspann stets fordernd. Schade finde ich nur, dass die Spezialfähigkeiten höchstens Auswirkungen auf den normalen Angriff haben. Ich vermisse Vielfalt, die mir andere Rollenspiele eher bieten können. Auch dass das Spiel auf meinem PC trotz mehr als ausreichender Hardware-Leistung nicht flüssig läuft, finde ich mehr als bloß schade. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, findet in Dreamed Away eine wunderbare Mischung aus EarthBound und Undertale. Fans dieser Spiele können dürfen blind zuschlagen!

Vielen Dank an Pineapple Works für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dreamed Away!

Ein Kommentar zu “Review: Dreamed Away

  1. Hey, I’m Nico, the developer of the game. Thank you very much for the review!

    I would like to discuss the performance issues you encountered, as they definitely should not happen on the hardware you have, the game runs at 60FPS stable on a Switch 1.I suspect it has to do with something else. If there’s any way to reach you/discuss the issue, maybe on Discord, that would be awesome!Nico

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