Review: Revolver – Back for Revenge

Rache ist nicht nur ein Gericht, das am besten kalt serviert wird, sondern auch ein beliebtes Thema, das in etlichen Filmen, Fernsehserien und Videospielen bereits thematisiert wurde. Das als Kriminalfilm getarnte Drama Revolver – Back for Revenge schlägt in diese Kerbe.

Regisseur O Sŭnguk ist, obwohl er bereits 1963 geboren wurde, selbst im südkoreanischen Kino noch ein ungeschriebenes Blatt. Revolver – Back for Revenge aus dem Jahr 2024 ist tatsächlich erst sein drittes Werk, das er auf die Leinwand gebannt hat. Obwohl gerade das südkoreanische Actionkino im deutschsprachigen Raum seine Fans gefunden hat, dürfte es Os Werk hierzulande schwer haben, Anklang zu finden. Das liegt nicht etwa an der ostasiatischen Prämisse, denn der Film arbeitet mit grundsätzlich leicht verständlichen Themen und spielt vor spannenden Kulissen. Zunächst einmal ist es schwierig, den Film einem Genre zuzuordnen, denn während der hiesige Vertrieb den Film als Actionthriller bewirbt, sprechen andere Quellen eher von einem Kriminalfilm. Womöglich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, lassen sich doch Elemente beider Kategorien im Film wiederfinden. Vielmehr wirkt der Film wie ein Drama, denn Protagonistin Ha Suyŏng nimmt eine Last auf sich, die sie in eine missliche Lage bringt, in der sie quasi vor dem Nichts steht. Das klingt spannend und motivierend zugleich, doch ist es das wirklich sehr langsame Erzähltempo, welches den geneigten Zuschauer vor unvollendete Tatsachen stellt. Revolver – Back for Revenge baut sich extrem langsam auf, zertrümmert die Erwartungen des Zuschauers und endet schließlich zu abrupt.

Eine Frau schwört Rache

Bei Protagonistin Ha handelt es sich um eine ehemalige Polizistin, die aufgrund eines Korruptionsskandals um den Sohn eines Politikers die Schuld auf sich nehmen und für zwei Jahre ins Gefängnis gehen muss. Als Entschädigung winken ihr eine luxuriöse Wohnung und eine größere Geldsumme – nicht unbedingt der schlechteste Deal für eine zweijährige Freiheitsstrafe. Kaum wird Ha aus dem Gefängnis entlassen, steht sie jedoch vor dem Nichts. Unter anderem wurde die Wohnung auf jemand anderes übertragen, einer ihrer Handvoll Schuldner sieht die Radieschen inzwischen von unten und ein anderer hat seine Anstellung im Unternehmen verloren, das für Has Finanzen zuständig ist. Im Hintergrund werkeln aber noch größere Mechanismen, denn Ha wird auf Schritt und Tritt von Chŏng Yunsŏn überwacht, die sowohl für die Polizei als auch das Verbrechersyndikat arbeitet. Mit der Zeit spannt sich die Lage in Revolver – Back for Revenge immer weiter zu. Ha macht dabei auch nicht Halt vor Gewalt und macht gelegentlich Gebrauch von einem Teleskopschlagstock, um sich ihren männlichen Peinigern erwehren zu können. Ebenfalls mit dabei ist das titelgebende Schießeisen, das im Film aber nicht für den eigentlichen Gebrauch konzipiert ist. Tatsächlich wird der Revolver in 114 Minuten nur einmal abgefeuert, was den Zuschauer wohl oder übel überraschen dürfte.

Zu langsam erzähltes Drama

Wer sich auf Os Revolver – Back for Revenge einlassen will, erwartet ein durchweg langsam wie zumeist ruhig erzählter Film. Wendungsreiche Überraschungen bleiben dabei aber aus, denn Ha wird in den meisten Fällen nur von einer Stelle zur nächsten geschickt und wartet zuweilen das Unausweichliche einfach ab. Das kann einem gefallen, muss es aber nicht, zumal auch das Schauspiel der Hauptdarstellerin zu wünschen übrig lässt. Ha wird reichlich apathisch von Chŏn Doyŏn gespielt, was der Rolle einfach nicht gerecht wird. Deutlich besser sieht es bei den Nebenrollen aus. Für Chŏng stand zum Beispiel Im Jiyŏn vor der Kamera, die mit ihrer überdrehten Art überzeugt. In weiteren Rollen sind unter anderem Chŏng Mansik, Kim Junhan und Chŏn Hyejin zu sehen, die ihren Teil zur Atmosphäre beitragen. Als Kulisse für den Film dienen zum einen ein städtisches Szenario mit Nachtclubs und Büros und zum anderen auch ein auf dem Land gelegener Tempel, der in seichtem Nebel gehüllt ist. Das ist nett anzusehen und unterstützt auch die Rachestory, die aber aufgrund ihres langsamen Tempos viel von der Spannung nimmt, die der Zuschauer spüren müsste. Immerhin überzeugt das knackscharfe Bild. Der Soundtrack von Cho Yŏnguk, der Jahre zuvor auch die Musik zu The Berlin File komponierte, ist ebenso toll, rettet das Drama aber nicht vor der Mittelmäßigkeit.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): In einer Zeit, in der Filme im Rahmen ihres Erzähltempos merkwürdigerweise immer schneller, schriller und nicht zuletzt belangloser werden müssen, kontert der südkoreanische Regisseur O Sŭnguk mit einer sich langsam aufbauenden Story, was zunächst positiv auffällt. Mit der Zeit geht dieser Geschichte aber die Puste aus. Hier und da ist diese durchaus dynamisch, es kommt sogar vereinzelt zu Höhepunkten, doch können diese an einer Hand abgezählt werden. Kaum schießt Adrenalin in die Venen des Zuschauers, ebbt die Spannung auch direkt wieder ab. Revolver – Back for Revenge ist unfassbar langsam erzählt und bietet mit seinen cleveren Zeitsprüngen in den Erzählebenen nicht genügend Gegengewicht, um den Zuschauer durchweg bei Laune zu halten. Auch der Einsatz von Gewalt fällt spärlich aus, sodass Os Werk höchstens mit dem tollen Bild, der angemessen dosiert genutzten Klaviermusik und ein paar Darstellern glänzt, wozu aber nicht die Hauptdarstellerin zählt, die ihre Rolle gemessen an ihrem Auftrag viel zu apathisch angeht. Revolver – Back for Revenge ist leider ein sehr durchschnittlicher Film geworden, der Fans des südkoreanischen Kinos nach dem Abspann ernüchtert zurücklässt.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Revolver – Back for Revenge!

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