Review: The Berlin File

The Berlin File (1)Dass südkoreanische Filme im Ausland gedreht werden, ist sehr selten. Noch seltener ist ein südkoreanischer Film, der in Deutschland gedreht wird und dazu auch noch sehr clever die deutsche Hauptstadt Berlin als Schauplatz auserkoren hat.

The Berlin File (2)Mitten in Berlin lebt der nordkoreanische Geheimagent Jong-seong seit Jahren unentdeckt und das obwohl seine Frau Jung-hee bei der nordkoreanischen Botschaft in der Hauptstadt als Übersetzerin beziehungsweise Dolmetscherin tätig ist. An einem Tag missglückt jedoch ein Waffendeal zwischen Nordkorea und einem russischen Waffendealer. Dadurch wird plötzlich die südkoreanische Gegenseite auf Jong-seong aufmerksam. Dabei bleibt es jedoch nicht, da die Gerüchte über einen Überläufer in der nordkoreanischen Botschaft die Runde machen. Die Gerüchte führen schließlich zu Jong-seongs Frau Jung-hee. Zwischen Beruf und Privatleben gefangen, kann Jong-seong niemandem mehr vertrauen. Selbst seine Kollegen wenden sich gegen ihn und aus Nordkorea wird bereits ein weiterer Agent geschickt, der die Vorfälle in der Botschaft überprüfen soll und zudem Jong-seong im Auge behalten will. Die Folge dessen sind mehrere Tote, die sich sowohl auf Verdächtige außerhalb der Botschaft, als auch Stellen in höheren Positionen belaufen. Jong-seong muss sich entscheiden, ob er weiterhin für sein Land eintritt und den Lehren des Regimes folgt oder ob er den Kampf aufnimmt und sowohl Wahrheit als Lüge als solche erkennt. Bei politischen Differenzen zweier Nationen ist der Grad zwischen beiden Wahrheiten jedoch schmaler, als Jong-seong annehmen kann.

Nahtstelle zweier Ideologien

The Berlin File (3)The Berlin File thematisiert in erster Linie die politischen Gegensätze zwischen Nordkorea und Südkorea. Regisseur Seung-wan Ryoo hätte für die Handlung des Films keinen besseren Ort als die deutsche Hauptstadt Berlin aussuchen können, da die Geschichte Deutschlands beziehungsweise der früheren Teilung Deutschlands starke Parallelen zur Teilung Koreas aufweist. Berlin konnte man durch den Mauerbau im Jahr 1961 schon als Nahtstelle ansehen, welche eine Nation aufgrund unterschiedlicher Ideologien der Siegermächte bis 1989 fast vollständig teilte. Stellvertretend für diese historische Tatsache, stehen sich Südkorea und der kommunistische Norden gegenüber. Während südkoreanische Agenten oftmals kein Blatt vor den Mund nehmen und den Kommunismus kritisieren, wird diese ideologische Anschauung von nordkoreanischen Agenten positiv hervorgehoben. Im Falle von Jong-seong wird das Regime nahezu glorifiziert, da er als Held der Republik verehrt wird. Dieser Volksglauben verliert innerhalb der nordkoreanischen Partei an Glanz und beginnt zu bröckeln, als seine Frau beschuldigt wird, eine Überläuferin zu sein. Diese beteuert jedoch selbst im privaten Umfeld, dass sie zurück in ihre Heimat Pjöngjang möchte und der wahre Überläufer ist eine Person, von der man es wohl am wenigsten erwarten würde. Spannend, aber langsam erzählt!

Komplizierte Zusammenhänge

The Berlin File (4)Da der Film langsam erzählt wird, verliert er besonders in der ersten Stunde sehr, sehr schnell an Fahrt, wird sogar teilweise monoton. Thriller, die politische Themen behandeln, können das deutlich besser, doch wer sich mit Politik gerne konfrontiert sieht, wird die zu Beginn fehlende Dynamik erst gar nicht bemerken. Zudem sollten die Hintergründe über die Vergangenheit Koreas (und Deutschlands) klar sein, denn sonst kann man als Zuschauer auch gar nicht die Zusammenhänge verstehen. Schlussendlich braucht The Berlin File ein hohes Maß an Konzentration, da die Charaktere nur selten mit Namen angesprochen werden und die Einprägungen dieser nicht eingehend funktioniert. Auf der technischen Seite kann The Berlin File jedoch mit einem klaren Bild in 1080p und im 16:9-Format (2,35:1) punkten, welches nur in zwei Szenen kurz ein wenig unklar wirkt. Da die Dreharbeiten überwiegend in Berlin (und teilweise in Namyang und Riga) stattgefunden haben, fühlt man sich als Deutscher, auch ohne jemals in der Hauptstadt gewesen zu sein, sofort heimisch. Anschauen sollte man sich den Film aber im Originalton, da hier tatsächlich darauf geachtet wird, in welcher Sprache sich die Darsteller unterhalten – sprich auf Koreanisch, Englisch und Deutsch. Leider existiert auf der Blu-ray kein Bonusmaterial, welches Einblicke in die Produktion hätte geben können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Als das Rezensionsexemplar eines Tages bei mir im Briefkasten landete, war ich schon sehr gespannt auf den Film. Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ein südkoreanischer Film in hiesigen Gefilden gedreht wird. Ich finde es jedoch gut, dass man dann auch besonders beim Originalton darauf geachtet hat, in welcher Sprache sich die Protagonisten unterhalten. Das erreicht zwar noch nicht ganz die Klasse wie in Prisoners of War, doch erhält der Film dadurch einen gehörigen Atmosphäre-Schub. Den braucht der Film auch, denn besonders die erste Stunde des 121 Minuten langen Filmes zieht sich teilweise dermaßen in die Länge, dass man schon vergisst, worum sich die Handlung des Films dreht und wenn dann plötzlich die Dynamik des Films in Action umspringt, versucht man auch erst gar nicht mehr, in die komplizierte Story einzusteigen. Die Action-Einlagen sind meiner Meinung nach zu plötzlich in die Geschichte eingewoben, denn The Berlin File basiert in erster Linie auf Dialogen, denen es genau zu lauschen gilt. Nicht nur, damit man die Charaktere irgendwann nach dem dritten, vierten Ansehen vielleicht beim Namen kennt, sondern auch, damit man die Zusammenhänge allesamt versteht. Nach dem ersten Ansehen blicke ich nämlich leider nur wenig durch, doch wer sich mit politischen und schwierigen Themen gerne auseinandersetzt, der wird The Berlin File sehr gerne verschlingen.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Berlin File!

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