Review: Caught Stealing

Manche Sachen gehen einfach gewaltig schief. Damit meinen wir keineswegs den Kriminalfilm Caught Stealing aus dem Jahr 2025 als Gesamterlebnis, sondern vielmehr den Weg, welcher Protagonist Hank Thompson einschlägt – und das größtenteils nicht einmal wissentlich.

Angesiedelt ist Caught Stealing im New York City des Jahres 1998. In der Ostküstenmetropole lebt Hank Thompson fernab jeglicher Verwandtschaft und kommt als Barkeeper über die Runden. Mit Yvonne steht ihm wenigstens eine hübsche wie zielstrebige Freundin zur Seite und sein Nachbar Russ Miner scheint auch ein netter Kerl zu sein. Als dieser eines Abends überstürzt nach England aufbricht, um seinen todkranken Vater noch einmal zu sehen, zwingt Russ seinem Nachbarn seinen Kater Bud auf. Widerwillig wacht er ein paar Tage über die Katze, doch als Hank aus Russ’ Wohnung Futter für Bud holen will, tauchen zwei russische Mobster auf, die ihm mit ein paar Schlägen so sehr zusetzen, dass ihm gleich eine Niere entnommen werden muss. Kurz darauf treten mit Lipa und Shmully Drucker noch zwei jüdische Ganoven ins Rampenlicht, die den beiden Russen die Klinke in die Hand drücken, die auch noch den Puertoricaner Colorado mit zu Besuch bringen. Selbst die Polizei, an die sich Hank wendet, kann ihm nicht helfen, da niemand weiß, wonach die Kriminellen eigentlich suchen. Fakt ist jedoch, dass Russ alles andere als der nette Nachbar war und in der Unterwelt Karriere macht. Hank wird immer mehr in den Strudel des Verbrechens gezogen. 107 Minuten lang begleitet der Zuschauer Hank in Caught Stealing dabei, aus der Situation auszubrechen.

Düsterer Grundton mit schwarzem Humor

Überwiegend schlägt das Werk von Regisseur Darren Aronofsky, der unter anderem auch Black Swan aus dem Jahr 2010 zu verantworten hat, sehr düstere Töne an. Zwar gelingt es dem Kriminalfilm, gerade in der zweiten Filmhälfte, mit pechschwarzem Humor auch für ein Lächeln oder zumindest Schmunzeln im Gesicht des Zuschauers zu sorgen, doch ist die Stimmung zumeist ernst und nicht zum Lachen. Hank sieht sich zahlreichen Gefahren ausgesetzt, die nicht nur sein, sondern auch das Leben seiner Freundin, seiner Freunde und nicht zuletzt seiner Mutter an der Westküste bedrohen. So bleibt der Zuschauer durchweg nah bei Hank und folgt diesem sogar in seine Traumwelt, wenn er mal wieder mehr oder weniger freiwillig ausgeknockt wird. Dementsprechend behält der Streifen ein hohes wie angenehmes Tempo, wodurch das Werk weder langweilig noch langwierig erscheint. Lediglich dass der Film nicht ganz so gut in Fahrt kommt und den Haupthandlungsfaden erst einmal finden muss, fällt ein wenig negativ auf. Dies mag aber womöglich auch der Buchvorlage des US-amerikanischen Autors Charlie Houston geschuldet sein, die 2004 unter dem Titel Der Prügelknabe auch im deutschsprachigen Raum erschien. Da scheint die Filmadaption überfällig gewesen zu sein. Dass Houston direkt auch das Drehbuch geschrieben hat, war die richtige Entscheidung.

Tolles Schauspiel, aber schwache Technik

In der Hauptrolle von Caught Stealing ist Austin Robert Butler als Hank zu sehen, der dem Charakter zunächst Distanz verleiht, die Entfernung im Handlungsverlauf durch Rückblenden und diversen Entscheidungen aber verringert. Zoë Isabella Kravitz stand hingegen als Yvonne vor der Kamera, bereichert das Werk aufgrund zu kurzer Screentime aber nur bedingt. Deutlich besser funktioniert das Schauspiel bei Matthew Robert Smith, den die meisten vermutlich aus Fernsehserien wie The Crown oder House of the Dragon kennen. Seine Rolle ist abgedreht und genauso fantastisch gespielt. Nicht zu verachten sind auch Isaac Liev Schreiber und Vincent Philip D’Onofrio, die im Film quasi nur im Doppelpack vorkommen und sich alleine deshalb schon hervorragend ergänzen. Allerdings gibt es Abstriche in puncto Bild- und Tonqualität. Allen voran wirkt das Bild im Format 1,85:1 durchweg unscharf, wobei es egal ist, ob das Geschehen gerade in Innenräumen stattfindet oder unter freiem Himmel gedreht wurde. Das mag mitunter zum traumatisierten Hauptcharakter passen, doch so erreicht das Bild kaum mehr als dürftiges DVD-Niveau. Beim Tonformat in DTS-HD Master Audio 5.1  ist vor allem die zu viel hohe Lautstärke der Musik anzukreiden, in der die Stimmen der Darsteller respektive Synchronsprecher gerade zu Beginn von Caught Stealing leicht untergehen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Nur durch Zufall bin ich über Caught Stealing im Geschäft gestolpert und hat mich rein vom Beschreibungstext nicht mehr losgelassen. Da bin ich froh, dass mir Plaion Pictures alsbald noch ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellen konnte. Der Film von Darren Aronofsky hat zwar hier und da ein paar Anlaufprobleme, doch sobald die eigentliche Handlung ins Rollen gekommen ist, funktioniert der Film bis zum Abspann tadellos. Mit seiner abstrusen Story, welche den von Austin Butler gespielten Hank Thompson mehr und mehr in die Scheiße reitet und dies sogar symbolkräftig im Film verarbeitet, kann mich der Film durchweg unterhalten. Das Werk profitiert aber auch von den zahlreichen Nebendarstellern, wobei mir Matt Smith am ehesten in Erinnerung bleiben wird, da seine Figur derart abgedreht geschrieben und mindestens genauso gut geschauspielert ist. Weniger schön ist hingegen das verwaschene Bild und die in meinen Augen beziehungsweise Ohren schlechte Tonabmischung, da die Stimmen vor allem in den ersten Minuten viel zu sehr in Musik und Umgebungsgeräuschen untergehen. Wer damit kein Problem hat, kommt bei Caught Stealing durchaus in den Genuss eines mitreißenden Kriminalfilms.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Caught Stealing!

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