In den letzten Jahren hat Herausgeber Square Enix seine hauseigene Dragon-Quest-Marke ordentlich gepusht. Spannende Spin-offs und herausragende Remakes waren das Ergebnis. Mit Dragon Quest VII Reimagined erhielt Anfang Februar 2026 der siebte Teil ein Update.
Vermutlich dürfte das ursprünglich für die PlayStation veröffentlichte Dragon Quest VII aus dem Jahr 2000 genau der Serienteil sein, für den wir die meiste Zeit einplanen sollten, sofern wir es denn komplett durchspielen wollen. Nordamerikanische und japanische Spieler haben diese Erfahrung vor einem Vierteljahrhundert machen können – europäische Fans bekamen hingegen erst mit der als Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit bekannten Nintendo-3DS-Neuauflage Mitte der 2010er-Jahre eine Vorstellung davon, welchen massiven Umfang der Titel birgt. Alleine schon um den ersten Kampf in diesem japanischen Rollenspiel auszulösen, können gut und gerne anderthalb bis zwei Stunden ins Land ziehen. Dass diese langsame Erzählweise durchaus etwas für sich hat, aber sicherlich nicht den Massengeschmack bedient, hat auch Square Enix erkannt. So hat sich der Konzern, als er mit der Arbeit an Dragon Quest VII Reimagined begonnen hat, sich gut überlegt, wie er das Gesamtwerk entschlacken könnte. Neben Maßnahmen, die positive Auswirkungen auf den Spielfluss haben, fielen aber auch verschiedene Story-Inhalte der Schere zum Opfer. Das klingt allerdings schlimmer, als es in Wahrheit ist: Auch mit den Kürzungen, die Neulingen ohnehin gar nicht auffallen werden, kann das Spiel immer noch mit seiner märchenhaften Geschichte punkten.
Märchenhafte Reise durch Raum und Zeit
Stellt euch einmal vor, ihr würdet auf einer Insel leben, neben der es keine anderen Landflächen auf der Welt gibt. Das kann doch gar nicht sein, werdet ihr womöglich denken – und so ergeht es auch dem namenlosen Protagonisten von Dragon Quest VII. Zusammen mit seinem besten Kumpel Gismar, dem Prinzen des Königreichs Estard, und seiner reizbaren Freundin Maribel beschließt er, die Wahrheit über die Welt herauszufinden. Auf ihrer Reise entdecken sie mysteriöse Fragmente, sprich Bruchstücke von magischen Tafeln, die in einem Tempel richtig zusammengesetzt ein Tor durch Raum und Zeit öffnen. So reist das Trio, dem sich im Handlungsverlauf auch der kleine Junge Ruff mit seinem Wolf, die Schwertkämpferin Aischa und der Ordensträger Roland anschließen, an ihnen zuvor völlig unbekannte Orte, die in der Vergangenheit liegen. Dort helfen sie jeweils den Einheimischen, was auf kurz oder lang dazu führt, dass sich auch in der Gegenwart auf einmal der Horizont erweitert. Auf diese Art und Weise erzählt Dragon Quest VII nicht unbedingt eine große, epische und zusammenhängende Geschichte. Stattdessen bekommen wir es mit vielen kleinen Handlungsfäden zu tun, die sich aber nicht vor denen anderer Serienteile verstecken müssen. Trotz aufkommender Dramatik behält das Rollenspiel seinen märcheninspirierten wie zauberhaften Charakter durchweg bei.
Geschwindigkeitsboost bei den Kämpfen
Rollenspieltypisch unterhalten wir uns auf den verschiedenen Inseln mit den einzelnen Bewohnern, um Informationen über die aktuelle Situation zu erhalten. Zielmarkierungen zeigen uns dabei freundlicherweise an, mit welchem Nicht-Spieler-Charakter wir als nächstes quatschen müssen, um die Story voranzutreiben. Wer also nicht Lust hat, alle potenziellen Figuren auf einen Plausch einzuladen, kommt so schneller ans Ziel. In den düsteren Dungeons legen wir uns in rundenbasierten Kämpfen mit über dreihundert verschiedenen Gegnertypen an, in dem wir Nahkampfangriffe starten, destruktive Magie zum Bekämpfen der Monster wirken oder unsere Wunden mit Heilzaubern oder Heilkräutern versorgen. Das macht durchaus Spaß, da jeder besiegte Gegner Erfahrungspunkte und Goldmünzen hinterlässt. Einerseits steigen wir so im Level auf und werden stärker – und andererseits erwerben wir mit dem Geld in den Läden der Spielwelt neue Ausrüstungsgegenstände, mit denen wir im Anschluss bestens gefeit gegen stärkere Feinde sind. Für Dragon Quest VII Reimagined haben sich die Entwickler jedoch gedacht, nicht nur verschiedene Kampfgeschwindigkeiten anzubieten, um die Kämpfe zu beschleunigen. Sind wir stark genug, können wir die auf der Oberwelt stets sichtbaren Gegner sogar mit einem Präventivschlag vom Antlitz der Welt pusten.
Freie Klassenwahl
Bei der Charakterentwicklung steht uns schon früh im Spiel ein Jobsystem zur Verfügung, wodurch wir unsere Helden gezielt in bestimmte Richtungen entwickeln können. Es gibt nun sogar Nebenjobs, die unsere Recken ausüben können, sodass wir die Fähigkeiten von gleich zwei Berufen miteinander kombinieren dürfen. Unter anderem können wir so Krieger heranzüchten, die geschult im Umgang mit Magie sind. Das erhöht ein wenig den taktischen Anspruch des Rollenspiels. Falls uns Dragon Quest VII Reimagined trotz aller Optionen doch einmal zu heftig sein sollte, können wir den Schwierigkeitsgrad wechseln oder im Detail selbst festlegen. So entscheiden wir darüber, ob uns Gegner auf der Oberwelt angreifen oder in Ruhe lassen. Auch wie viele Erfahrungspunkte und Goldmünzen besiegte Monster hinterlassen, gehören zu den Einstellungsmöglichkeiten. Hier lässt uns Square Enix wahrhaftig die Wahl, das Spiel ganz nach unserem Gusto auszurichten, zumal wir hin und wieder nicht ums Aufstufen unserer Charaktere herumkommen. Ein Glück, dass wir in den nicht vermeidbaren Kämpfen auf eine Auto-Battle-Funktion zurückgreifen können, sodass das Leveln schnell und möglichst angenehm verläuft. Hinzu kommen bestimmte Rätsel, in denen wir beispielsweise gleichfarbige Elemente miteinander verbinden oder den Schattenwurf einer Statue korrigieren müssen. Auch kleinere Minispiele wie eine Memory-Variante sind mit an Bord.
Toller Look und saubere Technik
Für ein bisschen Abwechslung vom harten Rollenspielalltag ist in Dragon Quest VII Reimagined also definitiv gesorgt. Wie es sich für ein Remake gehört, wurde auch die Grafik generalüberholt. Square Enix hat sich bei der Neuauflage für einen Diorama-Look entschieden, was uns entfernt an Fantasian: Neo Dimension erinnert. Das ist nicht unbedingt die schlechteste Entscheidung, zumal wir hier die Kamera in vielen Fällen auch um die eigene Achse drehen können. Außerdem erscheinen die Charaktere, die auf das herausragende Design des 2024 verstorbenen Toriyama Akira zurückgehen, als dreidimensionale Miniaturfiguren, was uns außerordentlich gut gefällt. Selbst auf der 2017 veröffentlichten ersten Switch sieht das Spiel großartig aus. Allerdings raten wir von dieser Version ab, da sie nur mit dreißig Bildern pro Sekunde läuft, was gerade bei Kamerafahrten mit Framerate-Stottern erkauft wird. Dafür läuft das Spiel auf der Switch 2 mit sechzig Bildern pro Sekunde genauso butterweich wie die vielleicht minimal besser aussehenden Versionen auf PlayStation 5, Xbox Series X oder dem PC wie unserem Testrechner (Intel i5 13600K, GeForce RTX 4070, 32 GB DDR5 RAM). Für die akustische Untermalung sorgen hingegen die Musikstücke des 2021 verstorbenen Komponisten Sugiyama Kōichi, die einfach ins Ohr gehen. Rollenspielfans, vor allem wenn sie das Spiel noch nicht kennen, kommen um Dragon Quest VII Reimagined so definitiv nicht herum.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PC- und der Nintendo-Switch-2-Fassung): Dragon Quest hat sich im Verlauf der Jahre zu einer meiner liebsten Rollenspielserien gemausert. Das liegt vor allem am schnellen Gameplay und den vielen märchenhaften wie zuckersüßen Geschichten, welche mir die einzelnen Episoden allesamt erzählen. Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit gefällt mir auf dem 3DS schon ziemlich gut, doch bin ich nicht unbedingt ein großer Fan davon, wie langsam Fortschritte in dieser Version des Spiels erzielt werden können. Da kommt Dragon Quest VII Reimagined wie gerufen, denn hier kommt die Story viel schneller in Fahrt, die Hinweise respektive Zielmarkierungen verhindern Herumirren in der Spielwelt und auch darüber hinaus gibt es bezüglich der Kämpfe einige Komfortfunktionen, die ich nicht mehr missen möchte. Ich finde es jedoch schade, dass Story-Inhalte geschnitten wurden. Habt ihr das Spiel auf der PlayStation oder auf dem 3DS noch nicht gespielt, dürfte euch das gar nicht auffallen, aber gerade Fans des Spiels werden diverse Inseln vermissen. Damit ist Dragon Quest VII Reimagined sicherlich keine definitive Version des Spiels, aber dennoch ein wunderbares Rollenspiel, das sich kein Fan des Genres entgehen lassen sollte.
Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dragon Quest VII Reimagined!