Review: Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit

dragon-quest-vii-fragmente-der-vergangenheit-1Während sich um die Jahrtausendwende Final Fantasy global größter Beliebtheit erfreute, schauten Dragon-Quest-Fans außerhalb Japans in die Röhre. Jetzt, mehr als 16 Jahre nach der Erstveröffentlichung, spielen auch wir Europäer Dragon Quest VII wohl zum ersten Mal.

dragon-quest-vii-fragmente-der-vergangenheit-2Schon 2013 erschien in Japan das Remake von Dragon Quest VII für den Nintendo 3DS, das die Grundlage für die europäische Version darstellt. Im Vergleich zum PlayStation-Original wurden nicht nur technische Neuerungen implementiert, sondern auch eine Menge am Spiel selbst überarbeitet. Das Szenario ist und bleibt aber auch heute noch ebenso reizvoll wie damals. Unser junger Held lebt im Fischerdorf Buttsbüttel, gelegen auf einer ruhigen und gemütlichen Insel, die gerade groß genug ist, dass einem nicht langweilig wird. Diese angeblich einzige Insel weit und breit ist unserem jugendlichen Entdeckerdrang schnell nicht mehr genug und bald stürzen wir uns zusammen mit unseren Freunden in Abenteuer auf hoher See, um neue Inseln zu entdecken. Dass es uns dabei auch in die Vergangenheit verschlägt, überrascht uns genauso wie unsere Spielfiguren. Dort nehmen wir uns den Problemen der unterschiedlichen Inselbewohner an. Neben Kämpfen nimmt auch das Erkunden der Inseln und Reden mit den Bewohnern einen nicht minder großen Stellenwert ein.  In Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit bleibt die großangelegte, umfassende Geschichte, wie wir sie aus vielen japanischen Rollenspielen kennen, die längste Zeit im Hintergrund. Stattdessen wurde das spielerische Element der zahllosen zu entdeckenden Inseln auch auf die Erzählung übertragen, sodass wir primär über kleinere Geschichten und Anekdoten – die nicht minder interessant sind – bei der Stange gehalten werden.

Jugendlicher Freiheitswille

dragon-quest-vii-fragmente-der-vergangenheit-3Mit gefundenen Fragmenten schalten wir weitere Inseln frei – auch wenn es sich teilweise nicht so anfühlt, bleibt das Spiel dabei sehr linear. Denselben Ort sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart zu besuchen, steigert unsere Lust am Erforschen der Inselchen enorm. Leider gibt es auch ein paar Fragmente, die an fragwürdigen, da abgelegenen Orten in der Gegend herumliegen. Dank eines neuen Items und zusätzlichen Hinweisen wird es uns im Remake deutlich einfacher gemacht, diese Gegenstände aufzuspüren, ohne uns gleich den gesamten Spielspaß am Suchen zu nehmen, worunter die PlayStation-Fassung etwas leidet. Die Gegner sind auf der Oberweltkarte stets sichtbar und Kämpfe damit bei geschickten Laufwegen auch vermeidbar. Kommt es zum Kampf, wird in klassischer rundenbasierter Manier gegen die Gegner vorgegangen. Unsere Teammitglieder sind je nach Charakter in der Lage physische Angriffe, Fertigkeiten und Magie auf die Gegner niederprasseln zu lassen. Die Rollenverteilung wird dabei vom Spiel vorgegeben, erst später im Spiel können wir zwischen typischen Klassen wechseln. Neue Techniken werden beim Levelaufstieg automatisch erlernt. Gewonnenes Gold wird genretypisch bei Waffen- und Rüstungshändlern gegen neue Ausrüstung eingetauscht. Der Wert dieser Währung ist dabei aber nicht zu unterschätzen.

Routinierter Kampfeinsatz

dragon-quest-vii-fragmente-der-vergangenheit-4Gold konnten wir beim Testen des Spiels nie genug haben, für die besten Ausrüstungen hatten wir selten genug Geld bei der Hand. Auch das Wiederbeleben gefallener Kameraden kostet eine Stange Geld. Genauso wie Erfahrungspunkte kann Gold natürlich durch zahlreiche Kämpfe angehäuft werden, der angenehme Spieleinstieg mit sanft ansteigendem Schwierigkeitsgrad macht das aber glücklicherweise nicht zum Zwang. Sehr schön finden wir auch die Geschwindigkeit, in der die Kämpfe absolviert werden. Geringe Ladezeiten sowie kurze und bündige Angriffsanimationen sorgen bei den richtigen Menü-Einstellungen für ein flottes Kampftempo. Viele Pluspunkte sammelt das Spiel auch durch seinen Humor und den liebevollen Haufen an Charakteren, die gestaltet von Toriyama Akira einen hohen Wiedererkennungswert mit sich bringen. Dazu zählen nicht nur die Team-Mitglieder, sondern auch viele der eigentlich eher uninteressanteren Nebenfiguren auf den Inseln. Jede Insel besticht mit eigenen regionalen Eigenschaften, wie bestimmten Bräuchen, Dialekten und architektonischen Eigenheiten. Auch im Deutschen haben die Übersetzer bei Nintendo darauf geachtet, dass diese Merkmale auch beim Spieler gut ankommen. Das erkennen wir unter anderem direkt an den Namensgebungen und dem Gegnerdesign, die uns regelmäßig zum Schmunzeln bringen.

Ein Klassiker wie er im Buche steht

dragon-quest-vii-fragmente-der-vergangenheit-5Ebenso bunt wie die Bewohner fallen auch die Aufgaben auf den zahlreichen Inseln aus. Nicht alle Probleme lassen sich nämlich mitrundenbasierten Kämpfen lösen. Dragon Quest VII legt hier einen sehr großen Wert auf eine gute Mischung aus Kämpfen, der Interaktion mit Personen und dem Miterleben von kleinen Geschichten. Auch wenn das Remake mit vielen Neuerungen punktet, so gilt das leider nicht für die Text- und Menügestaltung. An die schlichte Darstellung von Statuswerten und Menü-Inhalten mussten wir uns erst wieder gewöhnen, immerhin waren wir zuletzt bei Rollenspielen aus der 8-Bit- und 16-Bit-Zeit damit besonders vertraut. Leider spielt das fummelige Item-Management der durchaus interessanten Beutel-Struktur nicht in die Hände. Jeder Charakter hat seine eigene private Tasche, aus der er Items verwenden kann. Haben wir unsere Heilgegenstände nur im großen Beutel verstaut, können wir diese während dem Kampf so einfach nicht einsetzen. Dasselbe gilt auch für Ausrüstungsgegenstände, die aufwändig von Beutel zu Beutel herumgereicht werden müssen. Mit zunehmender Spielzeit wird diese Plage allerdings von der Eingewöhnung abgelöst, dennoch hätte man hier mit wenig Programmieraufwand viel Aufwand für den Spieler ersparen können.

Vollständig in 3D

dragon-quest-vii-fragmente-der-vergangenheit-6Technisch hat sich seit der PlayStation-Ära einiges getan, auch für ein 3DS-Spiel. Die klassische zweidimensionale Oberwelt wird nun vollständig in 3D dargestellt und wurde auch teilweise von seiner Struktur her überarbeitet. Damit gliedert sich die Oberwelt passend zur restlichen 3D-Spielwelt ein, dafür müssen wir mit urplötzlich aufpoppenden Gegnern und manchmal mit der fehlenden Übersicht rechnen, wenn sich die Kamera in der dritten Dimension wieder einmal verselbstständigt. Die musikalische Untermalung ist stets passend gestaltet, unserer Meinung nach wiederholen sich einige der eindringlichen Tracks aber etwas zu oft. Zu den neuen Features zählt auch eine StreetPass-Einbindung. Mit anderen Spielern können wir sogenannte Transittafeln austauschen, die kleine neue Dungeons freischalten. Im Monsterpark sammeln sich alle Wesen, die sich uns während unseres Abenteuers anschließen. Auch sie können wir losschicken, um neue Transittafeln zu finden. Diese Inhalte können aber auch getrost ignoriert werden, ohne dass die Spielerfahrung in irgendeiner Art und Weise in Mitleidenschaft gezogen wird. Dragon Quest VII konnte uns trotz einiger zeitbedingter Schwächen überzeugen und bietet für jeden Freund der klassischen japanischen Rollenspiele ein hervorragendes Spielerlebnis mit deftigem Umfang für die kleine Hosentasche.

Geschrieben von Jonas Maier

Erics Fazit (basierend auf der 3DS-Fassung): Durchgespielt habe ich Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit zwar bis heute nicht, doch werde ich meine tapferen Recken künftig sicherlich nicht im Stich lassen. Das kunterbunte Abenteuer unterhält mich nämlich stets mit interessanten Geschichten, humorvollen Dialogen und geheimnisvollen Dungeons, in denen ich auf Schatzsuche gehen kann. Aus keinem anderen Grund möchte ich immer und immer wieder in die Fantasy-Welt reisen, Kämpfe bestreiten und die Story vorantreiben. So schlimm wie mein Kollege Jonas sehe ich das Item-Management und die Menüstruktur von Dragon Quest VII aber nicht. Seit jeher baut die Reihe auf solch ein System, das noch dazu in vorherigen Ablegern sogar ein klein wenig fummeliger war, als in dieser 3DS-Episode. Ich kann aber sehr gut nachvollziehen, wenn das jemand nicht schmecken sollte. Dennoch sollten sich Rollenspieler davon nicht abschrecken lassen, denn bis auf ein paar kleine technische Defizite macht Dragon Quest VII sehr viel Spaß.

Jonas‘ Fazit (basierend auf der 3DS-Fassung): Dragon Quest VII: Fragmente der Vergangenheit kann mich vor allem aufgrund seiner Figuren begeistern und ist auch wegen seinem Charme auch heute noch einen Blick wert. Das Erkunden der Inseln macht Spaß und auch das klassische Kampfsystem hält mich stets bei Laune. Ein großes Ausrufezeichen muss ich noch einmal hinter die Lokalisierung setzen. Die Übersetzungen passen wie die Faust aufs Auge, die Namen der Monster sind herrlicher denn je und die Unterhaltungen der Figuren sind verspielt und sympathisch. Leider finde ich die Textgestaltung alles andere als gelungen und auch die Navigation durch die Menüs wurde keinesfalls an die Moderne angepasst. Sie geht nicht nur langsam und hakelig vonstatten, sondern ist mit ihren vielen verschachtelten Untermenüs und dem unendlich Bestätigungszwang ein Relikt aus eigentlich vergessenen Zeiten. Das mindert den eigentlich Spaß, den man mit Dragon Quest VII haben kann, aber nur marginal. Denn solange man sich mit japanischen Rollenspielen ein wenig identifizieren kann, wird man auf jeden Fall seine Freude mit dem Titel haben.

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