Im Jahr 2010 erschien passend zum Film Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt die passende Videospielumsetzung. Obwohl es diesmal keine Filmvorlage gibt, kann auch das im März 2026 veröffentlichte Scott Pilgrim EX mit fast all seinen markanten Merkmalen überzeugen.
Dass es keine Filmvorlage zu Scott Pilgrim EX gibt, ist so nicht ganz richtig. Im Jahr 2023 erschien beim Streaming-Anbieter Netflix die Zeichentrickserie Scott Pilgrim hebt ab. Bei dieser handelt es sich um eine Neuinterpretation der Graphic Novels. In diesem sozusagen neu geschaffenen beziehungsweise alternativen Universum ist auch Scott Pilgrim EX angesiedelt, erzählt das Spiel doch von den Erlebnissen nach Scott Pilgrims Zeichentrickabenteuer. Dementsprechend ist Scott Pilgrim EX noch etwas abgedrehter wie die der erste Teil der Videospielreihe, der ursprünglich 2010 erschien, und über eine Dekade später respektive im Jahr 2021 noch einmal in einer vollständigen und überarbeiteten Version veröffentlicht wurde. Angesiedelt im Jahr 20XX ist der Handlungsort Toronto in großem Aufruhr. Davon wollen der titelgebende Scott Pilgrim und seine Freunde, die zusammen die Band Sex Bob-omb gegründet haben, allerdings nichts wissen. Sie üben erbittert an ihrem nächsten Auftritt. Diesen Umstand macht sich der ominöse Metal Scott zunutze, der in einem Augenblick der Unaufmerksamkeit Scotts Bandkollegen mitsamt Equipment entführt. Um gegen die bösen Mächte zu bestehen, die aus Veganern, Robotern und Dämonen bestehen, erhält Scott unter anderem Unterstützung von seiner Freundin Ramona Flowers und sogar dessen Exfreund Gideon Gordon Graves, mit denen er das nun zwischen Raum und Zeit befindliche Toronto aufmischt.
River City Scott
Damit der Gig am Ende steigen kann, müssen wir uns entweder alleine oder an der Seite von Freunden durch tausende Gegner in bester Beat-’em-up-Manier kämpfen. Während der Vorgänger noch auf hintereinander zu absolvierende Levelabschnitte setzte, entpuppt sich Scott Pilgrim EX in seiner Struktur als ein Open-World-Spiel. Diese offene Spielweltkonstruktion ist jedoch überschaubar, zieht das Spiel aber trotzdem mit repetitiven Laufwegen zu bereits besuchten Orten in die Länge. Bis zu einem gewissen Grad fällt das nicht auf. Wer das circa fünfstündige Spiel aber gleich mehrfach beziehungsweise mit allen Charakteren durchspielen will, wird sich trotz versteckter Geheimnisse irgendwann sattgesehen haben. So wirkt das Beat ’em up weniger wie ein Streets of Rage, sondern deutlich mehr wie ein River City Girls. Das fühlen wir auch im Gameplay. Mit Schlägen und Tritten sowie aufzuklaubenden Waffen und Wurfgegenständen schlagen wir den Gegnern comichaft die Köpfe ein und knüpfen ihnen dadurch überlebenswichtiges Geld ab. Dieses investieren wir in neue Ausrüstung, um unsere Attribute zu steigern. Letzteres ist jedoch gerade zu Beginn effektiver, wenn wir in Restaurants Nahrung konsumieren, die ebenfalls unsere Attribute beziehungsweise das Level der Spielfigur steigern. Diesbezüglich ist Scott Pilgrim EX übrigens nicht ausgewogen: Schon früh im Spiel können wir leicht Agilität, Stärke, Vitalität und Willenskraft maximieren.
Spaß im Retro-Gewand
Da wir auch danach noch etliche Power-ups erhalten, die dann aber nichts mehr bringen, ist das ein wenig schade. Ärgerlich ist jedoch das Speichersystem, denn dieses greift nur an den dafür vorgesehenen Speicherpunkten. Sterben wir also während oder kurz nach einem Bosskampf, müssen wir die Auseinandersetzung wiederholen. Etwas mehr Feingefühl hätten wir den Entwicklern von Tribute Games, die zuletzt Marvel Cosmic Invasion fabriziert haben, da schon zugetraut. Nichtsdestotrotz spielt sich Scott Pilgrim EX weitestgehend eingängig. Fast jede Eingabe wird problemlos erkannt. Lediglich das Aktivieren von Spezialfähigkeiten, bei denen wir Unterstützung von befreunden Charakteren im Kampf anfordern können, fühlt sich ein wenig unbeholfen an, da wir nur in jenen Momenten auf die Schultertaste des Controllers hämmern können, wenn wir gerade nicht von den Gegnern malträtiert werden. Grafisch setzt das Beat ’em up wie sein Vorgänger auf einen sympathischen 8-Bit-Pixel-Look. Für die Musik zeichnet sich ebenfalls wieder die US-amerikanische Chiptune-Band Anamanaguchi verantwortlich, die das Geschehen mit passenden Klängen fantastisch einfängt. Fans von älteren Videospielen werden darüber hinaus einige Anspielungen auf Klassiker wie Streets of Rage, Street Fighter II, The Legend of Zelda: A Link to the Past oder F-Zero erkennen. So macht das mehrfache Durchspielen von Scott Pilgrim EX vor allem mit Freunden noch mehr Spaß!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Mehr und mehr entwickle ich mich zu einem großen Fan des Franchises, denn sowohl den Kinofilm als auch das erste Spiel habe ich inzwischen in mein Herz geschlossen. Scott Pilgrim EX reiht sich in diese Riege ein. Zwar ist die Story verglichen mit der Absurdität des ersten Serienteils recht dünn, aber abgesehen davon kann das Beat ’em up überzeugen. Die Kämpfe gegen die Hundertschaften an Gegnern krachen, das Ausführen von Spezialfähigkeiten sitzt und auch die audiovisuelle Prämisse kann mich vollends begeistern. Gerade mit Freunden auf der Couch oder online bereitet das Spiel aufgrund seiner Einfachheit sehr viel Freude. Abstriche gibt es höchstens beim zweckdienlichen Speichersystem und der Tatsache, dass sich die Attribute viel zu früh im Spiel maximieren lassen. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Komfort oder Feingefühl von den Entwicklern erhofft. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, Beat ’em ups im Stile von Spielen wie River City Girls mag und sowieso ein Herz für Retro-Titel hat, sollte sich Scott Pilgrim EX wirklich nicht entgehen lassen!
Vielen Dank an Tribute Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Scott Pilgrim EX!