Nintendos Allzweckwaffe Super Mario hat schon etliche Sportarten erobert. Für Tennis ist der schnauzbärtige Klempner immer wieder zu begeistern – und so steckt ihn der Konzern bereits im ersten Jahr der Nintendo Switch 2 in Mario Tennis Fever abermals in die Tenniskleidung.
Ursprünglich war Entwicklerstudio Camelot Software Planning vor allem für seine Rollenspiele bekannt. Böse Zungen würden sogar behaupten, dass die Entwickler ihr Talent heutzutage mit Sportspielen verschwenden. Mit Everybody’s Golf für die PlayStation aus dem Jahr 1997 müssen die Japaner trotz aller Unkenrufe bei Nintendo jedoch einen Nerv getroffen haben, denn seit 1999 entwickeln sie für das japanische Traditionsunternehmen aus Kyōto fast ausschließlich Sportspiele mit Super Mario als Maskottchen. Mit der Mario-Tennis-Reihe war es in den letzten Jahren jedoch ein ständiges Auf und Ab – gerade Mario Tennis: Ultra Smash für die Wii U enttäuschte auf ganzer Linie. Auf der Switch haben sich die Entwickler jedoch wieder gefangen und führen die Reihe zurück zu altem Glanz. Mario Tennis Fever, das im Februar 2026 für die Switch 2 veröffentlicht wurde, bietet einen ordentlichen und zum Großteil auch freispielbaren Inhalt, sodass wir wirklich motiviert sind, unsere Freizeit im Sportspiel zu versenken. Unter anderem bietet das Spiel einen kurzweiligen Story-Modus, verschiedene Turniere, das freie Spiel mit leicht anpassbaren Regeln, abwechslungsreiche Schläger mit Spezialeffekten, unterschiedliche Tennisplätze mit spielerischen Besonderheiten, Bonusmissionen mit Herausforderungen und Online-Modi. Nicht alles, aber vieles funktioniert.
Alberner Abenteuermodus
Schauen wir uns zunächst einmal den irrwitzigen Abenteuermodus von Mario Tennis Fever an. Wario und Waluigi überreden Mario, Luigi und Peach dazu, auf die Suche nach einer goldenen Heilfrucht zu gehen, denn Daisy ist krank und muss bis zum nächsten Tennisturnier wieder fit sein. Nur die Heilfrucht kann sie noch retten, doch dann kommt alles anders. Während der Expedition werden sie von Monstern aufgelauert, welche sie und sogar die beiden Übeltäter in Babys verwandeln. Um die Monster zu besiegen, müssen wir Mario und Luigi auf dem Trainingsgelände wieder auf Vordermann bringen und anschließend gegen die Antagonisten ausziehen. Das ist selbst für Nintendo-Verhältnisse zu albern, motiviert aber immerhin für vier bis fünf Stunden. Viel wichtiger ist dabei, dass wir die verschiedenen Schläge und auch einige Spielmechaniken im Abenteuermodus deutlich charmanter erlernen als in schnöden Tutorials, die wir sonst nur abfrühstücken würden. So lernen wir Topspins, Slices, gerade Schläge, Lobs und Stoppbälle schrittweise kennen – und vor allem im richtigen Moment einzusetzen. Der Schwierigkeitsgrad im Abenteuermodus ist bis auf ein bis zwei Ausnahmen allerdings als gering einzustufen, sodass wir über den Modus hinaus ermuntert werden, uns anzustrengen. Dank einer wirklich guten und direkten Steuerung werden wir so immer besser.
Mehr Geschick als Glück
Gespickt ist das Sportspiel mit dem typischen Wahnsinn. Beispielsweise gibt es Tennisplätze, die sich zur Rutschpartie entwickeln, da der Boden gefroren ist. Im Walddickicht werden wir hingegen abgebremst. Spannender sind da schon Tennisplätze, die etwa an einen Flippertisch erinnern und bei Aktivierung aller Bumper auch noch weitere Bälle ausspucken, die wir dann im richtigen Moment kontern müssen. Hinzu kommen Tennisschläger, die verschiedene Effekte auf dem Platz auslösen. Beispielsweise können Mini-Pilze auf dem Platz erscheinen, die unseren Gegner schrumpfen lassen. Auch springen schon mal Flammen aus den Bällen, die dann für eine gewisse Zeit an unserer Lebensenergie zerren, wenn wir mit ihnen in Berührung kommen. So kann jeder gespielte Ball sowohl bei unseren Gegnern als auch bei uns Konsequenzen haben, wodurch Mario Tennis Fever überaus fair gestaltet ist und vor allem auf Können und weniger auf Glück setzt. Sobald unsere Lebensenergie erloschen ist, werden wir im Einzelspiel temporär langsamer – im Doppel werden wir hingegen für kurze Zeit an die Seitenlinie gesetzt, wodurch die Motivation durchweg erhalten bleibt, möglichst keine Fehler zu machen. Nach dem von den Bandai Namco Studios und Sora entwickelten Kirby Air Riders ist Mario Tennis Fever erneut ein Spiel geworden, bei dem es auf Geschickt ankommt. Super!
Spiel, Satz, Sieg!
Wer den Abenteuermodus durchgespielt, alle Missionen bewältigt und die restlichen Inhalte freigeschaltet hat, kann anschließend oder auch schon davor im Online-Modus durchstarten. Die Suche nach neuen Gegnern funktioniert selbst Wochen nach Release zum Testzeitpunkt am 11. März 2026 blitzschnell. Auch mit Freunden lässt sich Mario Tennis Fever spielen – und zwar online, lokal auf einer Konsole oder via GameShare, wobei hier sogar zur ersten Switch gegriffen werden darf. Etwas unsinnig ist hingegen die Integration des Realmodus. In diesem können wir einfache Matches absolvieren, wobei sich unsere Spielfigur automatisch bewegt. Wir müssen lediglich mit einem Joy-Con 2 bewaffnet die Controller-Einheit im richtigen Moment bewegen. Das erinnert zunächst an die Tennisvariante aus Wii Sports, funktioniert aber bei Weitem nicht so intuitiv. Im Gegensatz zur präzisen Knöpfchensteuerung in den anderen Modi werden die Schläge weder simultan zu unseren Handbewegungen ausgeführt, noch erzielen sie das gewünschte Ergebnis. Abgesehen von diesem Fauxpas ist das Spiel in technischer Hinsicht aber absolut gelungen, was sich in einer knackigen Grafik und einer passenden Soundkulisse widerspiegelt. Wer ein Faible für den Tennissport hat und diesen im typisch überdrehten Super-Mario-Gewand erleben will, greift bei Mario Tennis Fever zu!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Da mich Mario Kart World zum Launch der Switch 2 durchaus enttäuscht hat, bin ich im Vorfeld skeptisch an Mario Tennis Fever herangehen. Auch hier befürchtete ich einmal mehr durchschnittliche Kost, wurde aber zum Glück eines Besseren belehrt. So lerne ich im Abenteuermodus sowohl die Steuerung als auch die Spielmechaniken in einem angenehmen Tempo kennen und bereite mich so auf die anderen Spielmodi und Matches mit stärkeren Computergegnern oder echten Spielern vor. Auch hier bietet das Spiel einen angemessenen Umfang inklusive abwechslungsreicher Schläger mit Spezialfähigkeiten und Tennisplätzen, welche die Matches in waschechte Herausforderungen verwandeln. Besonders gut ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass das Spiel durchweg fair gestaltet ist, da es stets auf Können und weniger auf Glück ankommt. So vertiefe ich mich gerne in ein Sportspiel, da ich mit den Herausforderungen wachse und immer besser werden kann. Lediglich die Integration des Realmodus kann ich nicht verstehen, denn wenn die Bewegungssteuerung, die nur in diesem Modus vorkommt, nicht einmal so gut wie das fast zwanzig Jahre alte Wii Sports funktioniert, ist das zum Kopfschütteln. Ansonsten macht Mario Tennis Fever aber sowohl gegen Computergegner, lokal gegen Freunde als auch online gegen unbekannte Spieler viel Spaß!
Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Mario Tennis Fever!