Zu Beginn der 2000er-Jahre waren Remakes in der Videospielwelt noch eine Seltenheit. Mit Pokémon: Feuerrote & Blattgrüne Edition gingen Nintendo und Game Freak 2004 erstmals den Neuauflagenweg und veröffentlichten die Remakes zur allerersten Pokémon-Generation.
Ursprünglich erschienen Pokémon: Rote & Grüne Edition für den Game Boy schon 1996 im Land der aufgehenden Sonne. Außerhalb Japans hat vom Erfolg der Taschenmonster zu diesem Zeitpunkt kaum jemand etwas geahnt. Wenige Monate nach der Erstveröffentlichung kam es auch noch zu Pokémon: Blaue Edition, bei der es sich um eine verbesserte Version der ursprünglichen Spiele handelt, in der Bugs behoben und neue Sprites für die titelgebenden Kreaturen integriert wurden. Diese Edition wurde auch als Grundlage für die außerhalb Japans veröffentlichten Spiele Pokémon: Rote & Blaue Edition gewählt. Beim Remake haben sich die an der Entwicklung beteiligten Unternehmen wieder den Originaltiteln zugewandt – einen ähnlichen Fall hat es im gesamten Franchise danach nie mehr gegeben. Nach welchen Farben die Editionen aber nun benannt wurden, ist uns eigentlich schnuppe. Es kommt auf die inneren Werte an und die sind in jeder Edition deutlich zu spüren. Dabei ist die Prämisse ziemlich simpel. Wir schlüpfen in die Rolle eines männlichen oder weiblichen Protagonisten. Ziel ist es, Pokémon-Meister zu werden, indem wir in der ganzen Kantō-Region Pokémon suchen, gegen sie mit unseren Monstern kämpfen, sie einfangen und schließlich gegen andere Trainer und die acht Arenaleiter des Landes antreten, um in der berühmten Liga zu kämpfen.
Remakes zweier Klassiker
Bei Pokémon: Feuerrote & Blattgrüne Edition handelt es sich wie schon beim Original um japanische Rollenspiele, die vor allem mit der großen Varianz an Gruppenzusammenstellungen punkten. So stellen wir unser maximal aus sechs Pokémon bestehendes Team nach und nach aus verschiedenen Typen zusammen. Mit jedem Sieg in den rundenbasierten Kämpfen sammeln die eingesetzten Taschenmonster Erfahrungspunkte, mit denen sie im Level aufsteigen. Die meisten Pokémon verfügen zudem über mehrere Evolutionsstufen, sodass sie ab einem bestimmten Level ihr Äußeres verändern und stärker werden. Andere Entwicklungen lösen wir aus, indem wir bestimmte Steine einsetzen. Es ist nie verkehrt, ein bunt gemischtes Team mit sich zu führen, denn selbst die einsetzbaren Attacken sind verschiedenen Typen zugeteilt. Wasserattacken sind beispielsweise effektiv gegen Feuer-Pokémon, die wiederum mit ihren Flammen Monsters der Typen Pflanze und Insekten das Fürchten lehren. So entsteht ein wunderbarer Kreislauf, der zum Experimentieren und Taktieren einlädt. Auch wenn spätere Editionen der Pokémon-Reihe mit einem größeren Umfang aufwarten, weiß das Konzept der ursprünglich für den Game Boy Advance veröffentlichten Remakes der beiden Game-Boy-Klassiker auch heute noch zu überzeugen. Allenfalls die Story ist nur zweckdienlich.
Gelungenes Update mit erweitertem Umfang
Unterschiede zwischen den beiden Versionen sind marginal, denn diese beschränken sich auf das Auftreten von verschiedenen Pokémon. Beispielsweise können wir in Pokémon: Feuerrote Edition das hundeartige Fukano fangen. Dafür können wir in Pokémon: Blattgrüne Edition Bekanntschaft mit dem fuchsartigen Vulpix schließen. Ist euch also ein Pokémon aus der ersten Generation besonders ans Herz gewachsen, solltet ihr im Vorfeld abklären, für welche Version ihr euch entscheiden solltet. Im besten Fall habt ihr aber Freunde im Umreis, die über die jeweils andere Version verfügen, sodass ihr die Pokémon lokal über die Drahtlosverbindung von Switch, Switch 2 oder im Falle dessen, dass ihr das Originalspiel ergattern könnt, auf dem Game Boy Advance tauschen könnt. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Spielen auf dem Game Boy sind Pokémon: Feuerrote & Blattgrüne Edition um weitere Inhalte ergänzt, wozu auch die Sevii-Eilande gehören, auf denen ihr Pokémon aus der zweiten und der dritten Generation treffen könnt. Somit sind die Spiele auch für jene Spieler interessant, die möglicherweise die Remakes damals ausgelassen haben und jetzt nachholen möchten. Für uns sind die beiden Spiele jedenfalls die definitiven Versionen der ursprünglichen Vision. Wer nichts gegen Retro-Optik und Chiptune-Sounds hat, kommt definitiv voll auf seine Kosten!
Geschrieben von Eric Ebelt
Eric Fazit (basierend auf der Switch-Fassung): Glücklicherweise bin ich alt genug, um die ersten Videospiele des Pokémon-Franchises auf dem Game Boy miterlebt zu haben. Leider ist die dritte Generation ein fast genauso ungeschriebenes Blatt wie die Remakes der ersten Generation, die ich damals leider verpasst habe. Die Grafik ist aufpoliert und der Soundtrack ein wenig stimmiger. Ansonsten ist jedoch alles beim Alten – und das ist durchaus positiv gemeint. Obwohl das Gameplay verglichen mit späteren Generationen deutlich umfangreicher und abwechslungsreicher wurde, wissen auch Pokémon: Feuerrote & Blattgrüne Edition zu überzeugen. Es macht Spaß, die Welt zu bereisen, die titelgebenden Taschenmonster zu sammeln, Kämpfe auszutragen und am Ende ein Team zusammenzustellen, auf das ich stolz sein kann. Trotz aller Qualitäten ist nur die Story nur zweckdienlich, aber das haben selbst spätere Spiele der Reihe nicht viel besser hinbekommen. Bei der Neuveröffentlichung auf der Switch finde es jedoch schade, dass die Spiele über keine Online-Modi verfügen. Gerne hätte ich meine Pokémon auch online mit Freunden getauscht. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, ein Herz für Retro-Spiele hat und sowieso Pokémon-Fan ist, kommt mit Pokémon: Feuerrote & Blattgrüne Edition in den Genuss der definitiven Ausgaben der beiden Klassiker!
Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Pokémon: Blattgrüne Edition!