Review: Donkey Kong Country Returns

Sprechen wir in der heutigen Zeit von Donkey Kong, dann meinen wir jenen Affen, der in den letzten Jahren ein Schattendasein als Nebendarsteller in diversen Minispielsammlungen und Sportspielen aus dem Hause Nintendo fristete. Das letzte vollwertige und zweidimensionale Jump ’n’ Run erschien noch im letzten Jahrtausend für das Super Nintendo. Die Retro Studios haben dem Affen aus der Versenkung geholt und zu neuem Ruhm geführt.

Gebeutelt von den Geschehnissen der letzten drei Donkey-Kong-Country-Teile, lebt Donkey Kong wieder in seiner geliebten Hütte mitten im Dschungel. Wir erinnern uns: King K. Rool, der Anführer und Herrscher über alle Kremlings (reptilienartige Humanoide) stahl zu erst den Bananenvorrat des Gorillas. Nachdem Donkey Kong mit seinem Kumpanen Diddy Kong die Bananen wieder in Sicherheit gebracht hatten, entführte das Reptil eine Episode später lieber direkt den Affen. Diddy und Dixie Kong eilten zur Hilfe, doch auch das stoppte King K. Rool nicht. Im dritten Teil befand sich neben Donkey Kong auch Diddy mit auf der Liste der entführten Primaten. In Donkey Kong Country Returns hat der Gorilla nun endlich seine verdiente Ruhe gefunden, denn Kremlings sind auf der Insel weit und breit nicht zu sehen. Plötzlich bebt die Erde und die seltsamen Ureinwohner des Eilands tauchen vielerorts auf und stören die Inselidylle. Sie hypnotisieren die Tierwelt, welche daraufhin Donkey Kongs Bananenvorrat gezwungenermaßen stehlen. Eine abenteuerliche Suche nach dem Verbleib des gelben Schatzes beginnt.

Gelungenes Leveldesign mit Einschränkungen

Wie gehabt führt uns die Reise quer über die gesamte Insel und durch viele Spielgebiete. Der Dschungel wird ebenso unsicher gemacht, wie verschüttete Tempelanlagen, dreckige Fabriken und auch dem Vulkaninneren dürfen wir einen Besuch abstatten. Die Levels fallen dabei leider nicht sehr facettenreich aus. Haben wir einen Spielabschnitt einer Welt durchgespielt, wissen wir bereits in etwa wie sich der Rest der Welt spielen wird. Dafür trumpfen die Entwickler mit tollen Spielideen auf. So fallen auf einmal Säulen aus dem Bildschirmhintergrund auf die zweidimensionale Ebene im Vordergrund oder während einer Lorenfahrt befinden wir uns plötzlich in einem riesigen Ei. Dieses dreht sich ununterbrochen, besitzt aber über eine kleine Öffnung, über die wir regelmäßig springen müssen. Unterwasserlevels finden sich in Donkey Kong Country Returns leider nicht, was wir nicht ganz nachvollziehen können. Immerhin haben diese in allen drei Vorgängern für Abwechslung gesorgt. Auch Ausflüge ins ewige Eis und Seilkletterpartien vermissen wir.

Teamwork mit der Kraft der zwei Herzen

Während der gesamten Spielzeit stellen sich uns nicht gerade sehr viele Gegnertypen in den Weg. Meistens müssen wir auf die Gegner ein oder zwei Mal springen, um diesen den Garaus zu machen. Manchmal dürfen wir mittels Nunchuck- und Wii-Remote-Schütteleinlagen wie wild auf den virtuellen Boden schlagen, um beispielsweise Krabben auf den Rücken zu werfen. Diese stellen anschließend kein großes Problem mehr dar. Brennende Gegner können ausgepustet werden, wenn sich Donkey Kong in der Hocke befindet und wir mit der Fernbedienung schütteln. Anders als in den Vorgängertiteln halten wir nicht nur einen Treffer aus, bis wir einen Versuch verlieren. Ab sofort gelten die Gesetze der zwei Herzen, welche auf Wunsch gegen ein paar Bananenmünzen im Shop mit einem dritten Herz erweitert werden können. Ist Diddy Kong aus seinem Fass befreit, welches weitaus weniger zu finden ist als in den alten Episoden, verfügen wir sogar über vier beziehungsweise fünf Herzen. Nun ist es aber nicht mehr so, dass Diddy Donkey Kong hinterher läuft, sondern dass der Gorilla den kleinen Schimpansen Huckepack nimmt. Immerhin verfügen wir so im Einzelspielermodus zusätzlich über einen Raketenrucksack, der uns ein paar Meter mehr über Abgründe trägt, die mit einem Sprung gegebenenfalls nicht zu überqueren waren.

Tierische Hilfe – Kleine Familie

Tierische Unterstützung erfahren die beiden Affen in diesem Teil der Reihe nur durch zwei Tiere. Das Nashorn Rambi wäre eines davon, welches aber leider nur in einer handvoll Levels auf die virtuelle Bühne tritt. Rambi ist gegen fast jeden Gegner gefeit, da er mit seinem Horn mögliche Hindernisse schnell und einfach aus dem Weg räumen kann. Außerdem ist es so möglich spezielle Blöcke zu zerstören, welche die beiden Affen ohne Rambis Hilfe nicht hin bekommen hätten. Ansonsten tritt noch der Papagei Squawks in einer kleinen Nebenrolle auf. Befinden wir uns in Cranky Kongs Laden, so dürfen wir den Vogel gegen einen kleinen Obolus mitnehmen. Er hilft uns anschließend in den Levels versteckte Geheimnisse aufzudecken. Aktiv spielen dürfen wir Squawks nicht. Das ist zwar schade, doch trauriger ist viel mehr das Fehlen weiterer Kandidaten. Schwertfisch Enguarde, Frosch Winky oder Strauß Expresso – keiner von ihnen wird im Spiel auch nur namentlich genannt. Außerdem tauchen außer den beiden Protagonisten Donkey, Diddy und Ladenbesitzer Cranky keine weiteren Mitglieder der Kong-Familie auf.

Hart, schwierig, Donkey Kong!

Immerhin hat man Cranky Kong mit einer mehr oder weniger wichtigen Nebenrolle bedacht. Wie bereits erwähnt, lassen sich in allen Spielabschnitt kreuz und quer Bananenmünzen finden. Diese stellen die Währung auf der Affeninsel dar und können in Crankys Laden gegen hilfreiche Items getauscht werden. Neben der bereits erwähnten Lebensenergieerweiterung und dem Papageien Squawks können wir auch einen Trank einkaufen, der kurzzeitig auch den schwächsten Affen unverwundbar erscheinen lässt. In jeder Welt dürfen wir uns auch einen Schlüssel erwerben, der uns auf geringfügig anderen Pfaden zum Bosskampf der jeweiligen Welt führt. Außerdem dürfen wir uns im Laden mit neuen Luftballons eindecken, welche wie gehabt die Anzahl an Versuchen der beiden Primaten darstellen. Genügend Luftballons dabei zu haben, ist unserer Meinung nach auch sinnvoll. Obwohl die ersten drei Spielwelten noch relativ einfach ausfallen, stoßen wir bereits in der vierten Welt an unsere Grenzen. Schon lange haben wir nicht mehr so viele aufeinander folgende Herausforderungen in einem Spiel erlebt. In zwei verschiedenen Levels kam es sogar dazu, dass wir an die fünfzig Versuche verbrauchen mussten, bis wir das Zielfass zerschmettern durften. Grandios!

Schweinchen Dick

Unerfahrene Spieler und Spielerinnen brauchen aber keinen Trübsal blasen. Auf normalem Wege werden diese zwar wohl niemals den Abspann erleben, doch haben sich die Retro Studios und Nintendo dazu entschlossen, auch in Donkey Kong Country Returns den Super-Assistenten einzubauen. Nach acht Fehlversuchen wedelt ein kleines Schweinchen am Start oder den Checkpoints der Levels mit einer weißen Fahne. Ein Druck auf die Plus-Taste und schon dürfen Klone von Donkey und Diddy Kong die Arbeit übernehmen. Hartgesottene Spieler werden die Funktion allerdings niemals nutzen. Obwohl uns der Schwierigkeitsgrad sehr gut gefallen hat, müssen wir allerdings auch die unausgeglichenen Charaktere dabei berücksichtigen. Während Donkey Kong alleine oftmals an diversen Stellen versagt, ist die ganze Arbeit mit Diddy Kong im Schlepptau nur halb so schwer. Immerhin können wir mit dem kleinen Schimpansen auf dem Rücken Abgründe spielend leicht überwinden. Im Zweispieler-Modus fällt die ganze Sache noch simpler aus, da jeder der beiden Spieler zeitgleich einen der Affen steuern darf. Sobald ein Affe den Geist aufgibt, darf der jeweilige Spieler einen Luftballon verschwenden und sofort wieder am Spiel teilnehmen.

Affengeil, aber verbesserungswürdig

Während der Spieler, welcher Diddy Kong kontrolliert wohl keine großen Probleme bekommt, fühlt sich der Donkey-Kong-Spieler verschaukelt. Die Retro Studios hätten sich hierbei deutlich mehr Mühe geben müssen. So fühlt sich Diddy Kong deutlich wendiger an und besitzt gegenüber Donkey Kong klare Vorteile. Fair ist das nur, wenn sich beide Spieler regelmäßig abwechseln. Wir fragen uns, wo die muskulösen Gegner geblieben sind, die in den ersten Teilen nur Donkey und Kiddy Kong erledigen konnten. Die Einführung solcher Feinde hätte das Abenteuer im Kooperationsmodus zumindest anspruchsvoller erscheinen lassen. Übersehen kann man die Kritikpunkte an Donkey Kong Country Returns nicht, doch erhält man auch so ein geniales Jump ’n’ Run, welches derzeit meilenweit nach Konkurrenz sucht. Nach dem Durchspielen motiviert das Spiel noch lange mit der Suche nach weiteren und sehr gut versteckten Puzzle-Teilen und dem Aufstellen neuer Rekorde, denn sobald wir einmal einen Level beendet haben, dürfen wir anschließend auch gegen die Zeit antreten. Der neueste Teil spielt sich fast so gut wie die Super-Nintendo-Vorgänger. Im direkten Vergleich unter Berücksichtigung des Altersunterschieds zieht die neue Episode aber klar den Kürzeren.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Als ich im letzten Sommer die E3-Pressekonferenz von Nintendo am heimischen Rechner verfolgen durfte, war ich nahezu sprachlos als plötzlich ein neues Donkey Kong Country angekündigt wurde. Die Hoffnung hatte ich bereits vor Jahren aufgegeben, denn nur Rare konnte meiner Meinung nach einen wirklich guten Hit aus dem Franchise zaubern. Das Anspielen auf der Gamescom blieb mir noch sehr gut in Erinnerung und nachdem ich den Titel mittlerweile durchgespielt habe, verspüre ich immer noch den Drang die restlichen Geheimnisse der tropischen Insel zu lüften. Obwohl ich die Levels sehr gründlich absuche, habe ich doch nur selten alle Puzzle-Teile gefunden. Das sind solche die Momente, die mir in Erinnerung bleiben werden. Das bestätigt meine Meinung nur, dass die Retro Studios ein sehr gutes Spiel erschaffen haben, dass ganz gut (aber noch lange nicht perfekt) an die Vorgänger anknüpft. Das Fehlen der Kremlings wird zum Teil wirklich daran liegen, dass einige Spieler die Vorgänger nicht mal mehr kennen. Selbst ein guter Freund von mir dachte bis vor ein paar Tagen noch, dass Donkey Kong Country Returns nur ein simples Remake des Erstlings sei. Obwohl ich in den nächsten Wochen sicherlich noch das eine oder andere Mal auf die Jagd nach den verlorenen Puzzle-Teilen gehe, muss ich aber auch Kritik an dem Spiel äußern. Ich finde die vielen Ideen zwar wirklich durchgehend gut und auch der hohe Schwierigkeitsgrad motiviert mich langfristig, doch hätte man sich beim Raketenfass eine bessere Steuerung überlegen können. Selbst nachdem ich die entsprechenden Spielabschnitte mit Hängen und Würgen eigenständig beendet habe, bin ich mit der Bedienung in diesem Fall nicht warm geworden. Hier hätte man super Spiele wie R-Type und Konsorten kopieren können. Als Fan der Serie ärgere ich mich natürlich über das Fehlen vieler bekannter Charaktere. Sollte es zu einem zweiten Teil kommen, verlange ich hier deutlich größere Artenvielfalt. Dann werde ich auch sicherlich nicht mehr allzu viel zu meckern haben.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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