Review: Fifa 13

Es ist eine jährliche Tradition von Electronic Arts, ein neues Fifa auf den Markt zu werfen. So erschien auch in diesem Jahr ein weiterer Teil der Fußballsimulation, welche mit Neuerungen den alljährlichen Konami-Konkurrenten besiegen soll.

Dieses Jahr stellt Electronic Arts die durchaus verbesserten Zweikämpfe ins Rampenlicht und präsentiert die von Fehlern befreite Player Impact Engine vor, welche nun noch realistischer wirken soll als im Vorgänger. Der Fokus liegt für die Entwickler aber im Offensivspiel. Die Offensivleute laufen sich besser frei, kreuzen wesentlich öfter die Laufwege und suchen auch mal den langen Weg, um sich freizuspielen. Gerade für Mittelfeldspieler, die einen tödlichen Pass spielen können, ist dieses Verhalten von Vorteil. Die Größte Neuerung ist allerdings das Annahmesystem, welches bei richtiger Beherrschung einen enormen Vorteil bringen kann. Dieses Verhalten fordert uns dazu auf, die Stärken verschiedener Fußballer abzuwägen und unterschiedlich zu nutzen. Ein Spieler aus der zweiten Fußball-Bundesliga kann sicherlich einen Ball nicht so schnell verarbeiten wie ein Arjen Robben vom FC Bayern München. So müssen wir diese Faktoren erkennen und die Passstärke dementsprechend anpassen, damit der Mitspieler den Ball auch besser verarbeiten kann. Diese Neuerung nehmen wir positiv auf und können sie auch gut nachvollziehen. Dies bestätigt auch spielerisch nochmal die Unterschiede zwischen großen und kleinen Fußballclubs anhand der Fähigkeiten verschiedener Spieler. Große Vereine trumpfen mit technisch stärkeren Fußballern auf als die kleinen Vereine.

Neues Spielgefühl dank verbesserter Annahme

Geändert hat sich auch die Steuerung bei den Dribblings. Während man im Vorgänger noch Tastenkombinationen für eine Volley-Abnahme drücken musste, geht dies nun viel leichter von der Hand. Jedoch muss man dabei auf die Einstellungen des Controllers achten. Mit Hilfe werden wir von der künstlichen Intelligenz unterstützt, schalten wir diese jedoch aus, ist die Steuerung gleich wesentlich erschwerter und um ein vielfaches sensibler, was vor allem bei Torschüssen und Flanken sofort auffällt. Ins Auge springen uns sofort die physikalischen Änderungen: Der Ball springt bei der Annahme öfter vom Fuß oder prallt zu hart ab, wenn man ihn im Sprint annimmt. Desto besser ein Spieler und seine individuellen Fähigkeiten sind, desto leichter lässt sich mit diesem ein Ball kontrollieren. Die Pässe müssen dafür aber genauer gespielt werden, da die Laufwege nicht einfach so unterbrochen werden können. Es ist also Vorsicht und ein hohes Maß an Konzentration gefragt – wie in einem echtem Fußballspiel eben. In all unseren Spielen gegen verschiedene Freunde können wir diese Änderungen sofort wahrnehmen und begeistert. Der Spielverlauf ist wesentlich vielfältiger und gefährlicher, da jeder Fehler eiskalt bestraft werden kann. Dies sorgt für viele Aufreger, wie sie im Fußball eben typisch sind, aber auch für ein gewisses Maß an Abwechslung.

Angriff voraus

Leider haben wir durch die Ballannahme nur begrenzte Optionen, um sofort ins Dribbling zu wechseln. Es ist somit im neuem Fifa nicht mehr möglich, direkt einen Gegner auszutricksen, einen schnellen Pass in die Mitte zu spielen oder einen Ball effizient genug abzuschirmen. Stattdessen ist der Pass nach hinten oder zur Seite die einzig richtige Lösung, um das Spiel in aller Ruhe neu aufzubauen und Lücken in der gegnerischen Abwehr zu finden. Pro Evolution Soccer 2013 macht es dort ein bisschen besser und wirkt in diesem Bereich etwas vielfältiger. Spieler wie Lionel Messi und Christiano Ronaldo haben keine wirklichen Bewegungsvorteile gegenüber Verteidigern und somit kommen einige individuelle Fähigkeiten leider zu kurz. So müssen wir auf Finten setzen, da die Verteidiger bei einfachen Zick-Zack-Kursen viel zu gut reagieren und selbst ein Messi es da sehr schwer hat. Durch geschicktes Passspiel und hohem Tempodribbling sind aber alle Teams zu schlagen und somit ist es hier eine Frage der Übung und auch der Taktik. Der Spielaufbau geht nun wesentlich langsamer vonstatten und erfordert ein hohes Maß an taktischer Raffinesse, womit zusätzlich ein ständiger Tempowechsel und Schlagabtausch beider Teams verhindert wird. Die neue Siegestaktik besteht jetzt darin, den Ball ins hintere Feld zu spielen und mit Tempodribbling die Lücke der Abwehr zu suchen.

Langsames Spielgefühl

Gehen wir noch einmal genauer auf den langsamen Spielaufbau ein. Zieht man mit einem Spieler in die Mitte, damit die Außenbereiche frei werden kann, wartet man oft vergebens auf einen Spieler, welcher auf dem Flügel nachrückt. Hier fehlt es uns eindeutig an Explosivität, um den Gegner mehr unter Druck setzen zu können. Trotzdem fühlt sich der Spielverlauf sehr flüssig an und es gibt ja noch mehr Wege, den Gegner nieder zu spielen. Die Konter wirken nun wesentlich rasanter als im Vorgänger und die Ausdauer der Spieler scheint eine noch größere Rolle zu spielen. Viele Spieler sind nach der Halbzeit schon ordentlich ausgepowert und somit müssen unsere Wechselmöglichkeiten nun wesentlich schlauer eingesetzt werden und einen gewissen Zweck erfüllen. Schlüsselspieler bringen uns relativ wenig, wenn die Ausdauer nicht stimmt und so muss ein Spieler rein, welcher noch genug Power besitzt, um einem Spiel frischen Wind zu geben. Ihr seht schon: Electronic Arts’ Titel wird sich in diesem Jahr erneut ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Konkurrenz liefern, da diese bekanntlich nicht schläft. Einen Vorteil hat Electronic Arts definitiv. Sie haben viele bekannte Lizenzen, die Pro-Evolution-Soccer-Fans gerne auch mal in ihren Spielen sehen möchten. Sollten einem die Lizenzen also wieder sehr wichtig sein, kommt man um Fifa 13 wohl nicht herum.

Uninspirierte Atmosphäre

Die Technik hat, wie in jedem Jahr, ihre Licht- und Schattenseiten. Die Spielgesichter sehen bei den meisten Spielern nicht wirklich optisch ansprechend aus und stehen der Konkurrenz nach. Grafisch hervorstechen allerdings die Bewegungsabläufe der Spieler, welche im Auge des Betrachters schön wirken und für ein wahrlich flüssiges Spielgefühl sorgen. Ebenso stehen die Witterungsverhältnisse und die Rasenoptik in einem wunderschönen Licht. Die Atmosphäre in den Stadien ist allerdings nicht mehr so lasch, wie in allen anderen Fifa-Spielen zuvor und wir hören jubelnde Fans, welche mit ihrem Aufschrei auch oft mal sehr laut werden und zu begeistern wissen. Ein störender Faktor sind hingegen die ständig überflüssigen und selten klugen Kommentare von Manfred Breuckmann und Frank Buschmann. Die Kommentare sind meist auch noch fehlerhaft, denn ein Sportkommentator würde einen Torschuss wohl nur ungern als Flanke kommentieren oder einen normalen Zweikampf als Grätsche. Wir fragen uns allen Ernstes, ob die fertige Version, bevor sie in die Druckerpresse geschickt wurde, überhaupt einmal vorab abgehört wurde. Der Soundtrack des Spiels besteht aus Stücken jeglicher Musikrichtungen und sorgt für reichlich Abwechslung – einem musikalisch angenehmen Fifa-Abend steht somit nichts mehr im Wege.

Geschrieben von Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Wie ich in unserer Preview zu Fifa 13 angedeutet habe, hat sich auch mein Ersteindruck bestätigt. Das Spiel weiß dank seinen Lizenzen und dem Gameplay zu überzeugen und macht eine Menge Spaß. Schon jetzt habe ich viele Stunden mit diesem tollen Spiel verbracht und Fans der Serie werden in meinen Augen also wieder ihre wahre Freude daran haben. Ich als eingefleischter Fußballfan bin mit dem Gesamtkonzept zufrieden und sehe selber, dass die Mitspieler sich nun wesentlich schlauer freilaufen, als noch in Fifa 12. Allerdings verlangt das neue Fifa auch eine gewisse taktische Raffinesse und viel Übung mit verschiedenen Teams. Es ist von Nutzen zu wissen, welche Vereine wo ihre Stärken haben, um diese auch in dem Spiel umsetzen zu können. Bayern hat seine Stärken eindeutig bei den Flügeln, während andere Vereine wie Juventus Turin viel über ihren Spielmacher Andrea Pirlo versuchen, da dieser außergewöhnliche Pässe schlagen kann. Positiv ist auch das Verhalten der Fans bei einem Foulspiel, vergebenen Chancen oder Fehlpässen. Diese brüllen nun laut auf und beschweren sich sehr lautstark bei nicht gegebenen Elfmetern. Nun kommt endlich mal eine Stadionatmosphäre auf, wie ich sie mir schon lange gewünscht habe und auch dort hat man jetzt einen weiteren Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

Björn Fazit (basierend auf der Wii-U-Fassung): Eigentlich war ich voller Vorfreude, bevor die Wii-U-Fassung in die Läden kam, doch nachdem die Wii-Version sich in diesem Jahr besonders schlecht präsentierte, sprach vieles für eine wirklich ausgefeilte Next-Gen-Version. Fifa 13 auf der Wii U ist aber immer noch weit von der PlayStation-3- oder der Xbox-360-Ausgabe entfernt. Die neuen Features ließen mich vielleicht zwei Mal schmunzeln, mehr Begeisterung konnten sie leider nicht entfachen. Dafür kam aber Ärger auf. Die Rede ist von den an allen Ecken und Enden gestrichenen Features und die teils schlampige Portierung. Es ist klar, dass das Spiel nicht genau die gleichen Features wie die anderen Konsolenfassungen bieten kann, aber dann sollten wenigstens alle Spielelemente des Vorgängers vorhanden sein, doch auch das ist leider nicht der Fall. Zu guter Letzt ruckelt der Titel dann sogar im Offline-Modus. Was ich dank meiner eher schwachen Internetleitung ja schon online gewohnt bin, möchte ich bitte nicht auch noch offline ertragen müssen. Trotzdem ist das Spiel für Nintendo-Jünger eine Offenbarung, denn so viel besser ist es als die Wii-Titel dann doch noch. Wer aber auf eine andere Konsole ausweichen kann, sollte das auch bitte machen.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fifa 13!

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