Bei Telltale Games leben Point-&-Click-Adventures neu auf. Unter anderem hat es bei dem Entwicklerstudio auch die Filmlizenz von Zurück in die Zukunft endlich zu einem sehr witzigen und überwiegend auch guten Spiel geschafft.
Über die leidige Vergangenheit von Lizenzspielen, auch zu jener von Zurück in die Zukunft, brauchen wir an dieser Stelle nicht reden – das würde dem vorliegenden Titel nicht würdig. In Zurück in die Zukunft: Das Spiel setzt die Handlung im Jahr 1986 fort. Ein Jahr nachdem die Zeitmaschine in Form eines DeLoreans zerstört wurde, soll Emmett Lathrop Browns Besitz verkauft werden. Für den Verkauf ist niemand geringeres als George McFly verantwortlich, der Vater von unserem Protagonisten Marty. Dieser ist nicht gerade begeistert davon und will den Verkauf so gut es geht verhindern, insbesondere deshalb, da einige Erfindungen von Doc Brown nicht gerade für die Augen von Fremden geeignet sind. Unsere erste Aufgabe besteht in Zurück in die Zukunft: Das Spiel darin, Docs Notizbuch zu finden, in welchem sich wichtige Aufzeichnungen des Wissenschaftlers befinden und ausgerechnet dieses Buch fällt zu Beginn des Spiels Biff Tannen in die Hände. Kenner des Films wissen, dass der einstige Rowdy Martys Vater nun zwar Respekt zollt, doch mit Marty versteht er sich – zumindest im Spiel – nicht sonderlich gut, weshalb er uns das Buch nicht freiwillig rausrücken wird. Mit geschickten Überlegungen müssen wir das Buch beschaffen, um in der Story voranschreiten zu können. Genau in diesem Moment taucht vor Docs Labor ausgerechnet der DeLorean auf.
Handlung steht im Vordergrund
Im Fernsehen lief zwar nach den Kinoaufführungen der drei Filme auch eine eher unbekannte Serie im Zeichentrickformat, in welcher der Fokus auf die Brown-Familie gelegt wurde, doch auch hier gab es Ungeklärtheiten. Daher sehen wir hier davon ab, die Existenz des DeLoreans anzuzweifeln, da dieser am Ende des drittens Films zerstört wurde. Jedenfalls befindet sich im Wagen niemand geringeres als Doc Browns Hund Einstein höchstpersönlich, der mittels einer Audioaufnahme des Wissenschaftlers auf dessen Aufenthaltsort aufmerksam machen will. Es heißt also wieder, Gegenstände einzusammeln und richtig mit der Umwelt zu kombinieren. Wie sich die Handlung genau entfalten wird, verraten wir euch an dieser Stelle aber natürlich nicht. Die Geschichte von Zurück in die Zukunft: Das Spiel ist nämlich das Gerüst, auf das es aufbaut. Anders als in herkömmlichen Point-&-Click-Adventures sind die Dialoge in Zurück in die Zukunft hauptsächlich das, was uns erwartet. Rätseleinlagen sind die ganze Spielzeit zwar vorhanden, doch verkommen diese eher zur Nebensache. Das finden wir ein klein wenig schade, denn deutlich mehr Rätsel hätten dem Spiel an der einen oder anderen Stelle sehr gut getan. Nichtsdestotrotz landen wir schon bald im Jahr 1931 und erleben die Stadt Hill Valley, wie wir sie so und in dieser Form zuvor noch nichts kannten. Bekannte Charaktere inklusive!
Spiel im Episodenformat
Zu Zeiten der Prohibition werden dort unter der Herrschaft von Kid Tannen Alkohol in Bars ausgeschenkt, die Lokale in Brand gesteckt und noch dazu unschuldige Leute verhaftet. Es ist an der Zeit, Ordnung in Hill Valley zu schaffen… oder ein Paradoxon auszulösen. Wir sollten uns nämlich immer im Klaren darüber sein, dass jegliche Veränderung in der Vergangenheit die Zukunft ebenfalls verändert. Wer jetzt aber auf Zeitspielereien wie in Day of the Tentacle, The Legend of Zelda: Ocarina of Time oder Chrono Trigger hofft, wird aber wohl ein wenig enttäuscht sein. Das Spiel lässt bei jedem Rätsel oftmals nur eine Lösung zu und führt uns so gradlinig auf ein vordefiniertes Ende zu. Das ist echt schade, zumal sich das Franchise und die Spielwelt dazu richtig anböten würden. Leider hat sich Telltale Games dazu entschieden, das Spiel damals im Episodenformat häppchenweise an die Fans zu verkaufen. Dadurch hätte das Entwicklerstudio zwangsweise eine Spielstand-Importierung anbieten müssen, denn alle fünf Episoden lassen sich nur unabhängig voneinander spielen. Praktisch lässt sich so jede Episode überspringen, doch wer die Story des Spiels noch nicht kennt, sollte davon keinen Gebrauch machen, da einfach zu viele Informationen für das allgemeine Verständnis fehlen würden. So kommen Fans aber dank dieses Systems schneller in den Genuss ihrer Lieblingsepisoden.
Wiedererkennungswert
Auch wenn das Spiel durchgehend auf ein Ziel hinführt, bleibt die Geschichte spannend. Ganz besonders ist das der Fall, wenn sich eine Episode dem Ende nähert. Gerade als man denkt, dass man die eigene Zeitachse korrigiert hat, passiert etwas Unerwartetes und die Handlung entfaltet sich neu. Das ist leider auch das Problem, warum die Geschichte nach der grandiosen ersten Episode zeitweise etwas abbaut, doch spätestens in der dritten Folge nimmt die Story wieder richtig Fahrt auf und begeistert dann bis zum Ende. Nebenher gibt es dann auch immer mal wieder Anspielungen auf die Filme. Beispielsweise finden wir 1986 einen bestimmten Zeitungsartikel, in dem von einem gewissen Clint Eastwood die Rede ist, der 1885 mit einem entführten Zug in eine Schlucht gestürzt ist oder als einer unserer Gegenspieler vor uns flieht und unser virtueller Großvater die Verfolgung aufnimmt, ruft doch tatsächlich jemand, dass der Kerl ihm die Brieftasche geklaut hat. Der Wiedererkennungswert mit der Filmtrilogie ist nicht nur bei den Charakteren, sondern aber auch innerhalb der Stadt jederzeit gewährleistet, denn diese sieht in ihrer Infrastruktur genauso aus, wie wir sie kennen oder eben nicht – das hängt dann aber mit dem Jahr oder auch schon mal mit der veränderten Zeitlinie zusammen. Wie wir das meinen, findet ihr allerdings am besten selbst heraus. Falls ihr die Filme nicht kennt, solltet ihr diese nicht nur wegen dem Videospiel zuvor anschauen, sondern alleine schon wegen dem Kultfaktor.
Fortsetzung folgt
Auf der technischen Seite kann zumindest die PC-Fassung punkten. Selbst in einer Full-HD-Auflösung läuft das Spiel auf Mittelklasse-Rechnern ohne Ruckeleinlagen, die auf Nintendos Wii leider ständig den Spielspaß trüben. Einzig und alleine kurze Nachladepausen können den Spielfluss (innerhalb von Dialogen) minimal ausbremsen. Trotz des hübschen Comic-Looks können wir – zumindest im Falle der PC-Fassung – nicht verstehen, warum Hill Valley so ein trostloses Pflaster ist. Wir vermissen an allen Straßenecken Bürger in Hill Valley, die ihrem Tagwerk nachgehen. So suggeriert uns das Spiel zwar die Filmwelt, füllt diese aber nur selten mit Leben. Es ist nicht glaubhaft, dass gerade einmal Biff Tannen, der Hund Einstein oder die neu eingeführte Edna Strickland auf dem Rathausplatz campieren. Das Geschehen wird aber zumindest mit der originalen Filmmusik untermalt und in einem der Abspanne läuft sogar Back in Time von Huey Lewis and the News. Die Synchronsprecher sind hingegen nicht die aus den Filmen bekannten Sprecher. Trotzdem sind die Ersatzstimmen im Falle von Bernd Vollbrecht oder Dirk Stollberg auf keinen Fall ein schlechter Ersatz, jedoch ist die englische Synchronisation authentischer, da in dieser Christopher Lloyd Doc Brown seine Stimme verleiht und selbst Michael J. Fox ist in einer Szene zu hören. An dieser Stelle verraten wir euch dazu aber nichts, denn das Ende des Spiels muss man selbst erlebt haben. Wenn Telltale Games wirklich eine Fortsetzung produzieren sollte, sind wir aber schon jetzt sehr gespannt, wie sie diesen Cliffhanger auflösen werden, denn dieser hat es echt in sich.
Geschrieben von Eric Ebelt
Björns Fazit (basierend auf der Nintendo-Wii-Fassung): So schön das Spiel ja eigentlich ist, so miserabel ist die Nintendo-Wii-Portierung gelungen. Zwar konnte ich auch hier den durchaus gelungenen Kern des Spiels erkennen, aber die unzähligen Bugs und technischen Unzulänglichkeiten haben mich letztlich davon abgehalten, den Titel wirklich zu genießen. Dabei ist es doch eigentlich dieser Fanservice, der Telltale so fabelhaft gelungen ist. Mit teilweise wirklich kreativen Rätseln und zahlreichen Anspielungen zaubert der Titel mit Sicherheit vielen Fans ein lächeln ins Gesicht. Wenn dann so eine kleine Komponente das Gesamtwerk zum Einsturz bringt, ist es wirklich bedauerlich. Fans von Adventures und der Zurück-in-die-Zukunft-Trilogie greifen bitte – wie eigentlich bei allen Telltale-Spielen – zur PC-Version.
Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Ich bin ein sehr großer Fan von Zurück in die Zukunft. Der zweite Teil der Trilogie rangiert sogar ganz oben auf meiner Hitliste der besten Filme aller Zeiten und so war es natürlich schwierig, mich mit einem Spiel zum Film in den Bann zu ziehen. Telltale Games hat das aber überwiegend geschafft, denn schon nach dem grandiosen Auftakt, also der ersten Episode, geht es leider ein wenig abwärts. Die Handlung fängt nämlich genau an dieser Stelle an, auf einem eigenen Gerüst zu stehen und löst sich viel zu schnell von den Zusammenhängen der Filme. Wer allerdings dann nicht aufgibt und auch die zweite Episode hinter sich bringt, bekommt eine tolle Handlung spendiert, die mich richtig hat staunen lassen und mit paradoxen Begebenheiten nicht nur ein Fragezeichen über meinen Kopf hat aufploppen lassen. Nach dem Abspann prangt übrigens ein großes Fortsetzung folgt auf dem Bildschirm, was mich doch sehr hoffen lässt, das ein Nachfolger früher oder später erscheinen wird und dann bin ich schon sehr gespannt, wie die Entwickler diesen Cliffhanger vernünftig und logisch erklären wollen. Schade finde ich nur, dass Hill Valley trotz der Ähnlichkeit zu den Filmen recht leblos ausfällt und dass es kaum Rätsel gibt, welche die Zeit zwischen den Dialogen überbrückt. Trotzdem kann ich das Spiel jedem einzelnen Fan der Filme ans Herz legen und wer diese nicht kennt, sollte sie schleunigst nachholen, denn ansonsten werdet ihr nicht nur wenig Spaß mit dem Spiel haben, sondern auch noch drei der besten Filme aller Zeiten verpassen. Ich bin jedenfalls schon jetzt bereit, wieder in die Zeitmaschine zu springen und da ist es mir dann auch egal, ob geklärt wird oder nicht, warum diese wieder existiert.
Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Zurück in die Zukunft: Das Spiel!